Bücher

15 literarische Heldinnen, real und fiktiv

... Und wenn Frauen zur Abhängigkeit erzogen werden, also dazu, nach dem Willen eines anderen fehlbaren Wesens zu handeln und sich, ob richtig oder falsch, der Macht zu unterwerfen, wo soll das enden?
Mary Wollstonecraft

Für heutige Verhältnisse mag diese Aussage altmodisch oder gar selbstverständlich klingen. Doch als Mary Wollstonecraft sie 1792 in ihrem Werk Zur Verteidigung der Frauenrechte veröffentlichte, waren ihre Ansichten noch weitgehend unbekannt und äußerst unpopulär. Sie erhielt dafür viel Lob von den Kritikern, musste aber auch eine gehörige Menge Empörung und Verachtung (sowohl von Männern als auch von Frauen) über sich ergehen lassen. Dennoch setzte sie sich weiterhin für die Bedeutung von Frauen als wichtige Mitglieder der Gesellschaft ein und forderte, dass Frauen Zugang zu höherer Bildung haben sollten. Sie blieb hartnäckig.

Heute, mehr als 200 Jahre später, haben wir zwar seit diesem frühen feministischen Text von Wollstonecraft viel erreicht, aber überall auf der Welt kämpfen Menschen weiterhin hart für die Rechte und die Gleichberechtigung von Frauen. Und welches Medium ist besser geeignet als ein Buch? Bücher sind zugänglich, erschwinglich, können mit anderen geteilt und übersetzt werden. Mit ihnen lässt sich viel bewegen. Heute feiern wir 15 literarische Heldinnen – ob fiktive Figur oder echte Kämpferin –, die die Welt für Frauen durch Bücher verbessert haben.

Unsere Heldinnen

aus Vor ihren Augen sahen sie Gott von Zora Neale Hurston

Das Florida des frühen 20. Jahrhunderts war für eine junge schwarze Frau nicht einfach, doch Janie erkennt schnell ihren eigenen Wert und kämpft dafür. Sie weigert sich, sich durch ihre Ehen definieren zu lassen, lässt sich weder von ihrer Weiblichkeit noch von der Gesellschaft oder den Männern um sie herum vorschreiben, womit sie sich zufrieden gibt, sondern bleibt standhaft.
von Nigerian Author and Feminist
Nigerianische Autorin und Feministin

Chimamanda Ngozi Adichie ist nicht nur eine hervorragende Schriftstellerin, sondern auch eine unverblümte Kritikerin des Status quo im Bereich der Geschlechterfrage, die ihre Stimme dazu einsetzt, Frauen und Randgruppen mehr Gehör zu verschaffen. Ihr 2012 gehaltener TEDx-Vortrag Mehr Feminismus! wurde 2014 in ein umfangreiches Essay überführt.
Feministin des 18. Jahrhunderts

Als frühe feministische (protofeministische – bevor es das Wort „Feministin“ gab) Schriftstellerin verfasste Wollstonecraft 1792 A Vindication of the Rights of Woman
(Dt. Ausgabe: Zur Verteidigung der Frauenrechte). Die darin enthaltenen Ideen und Themen waren für die damalige Zeit zwar radikal (selbst unter Suffragetten), werden heute aber weithin als einige der wichtigsten Grundlagen des modernen Feminismus angesehen.
aus Der scharlachrote Buchstabe von Nathaniel Hawthorne

Im 17. Jahrhundert, als die puritanische Verachtung von Ehebruch einen Höhepunkt erreicht hat, bekommt Prynne ein uneheliches Kind und wird daraufhin inhaftiert und sozial ausgegrenzt. Im Laufe des Romans findet sie allmählich zu ihrer Stärke, lernt, über sich hinauszuwachsen, handelt mit Würde und kümmert sich um sich und ihr Kind.
Dichterin des 18. Jahrhunderts

Als eine der ersten spanischen Frauen, die unter ihrem eigenen Namen und nicht unter einem Pseudonym veröffentlichten, war de Castro eine der wichtigsten Vertreterinnen der spanischen Dichtung. Ihr Mut machte sie zu einem Symbol für die gesamte galicische Nation, da sie anspruchsvolle Literatur in den lokalen Sprachen verfasste – in vielerlei Hinsicht wurde sie die Stimme des Volkes.
Benediktiner-Äbtissin (1098–1179)

Obwohl sie in einer Zeit lebte, in der nur sehr wenige Frauen Zugang zu Bildung hatten, gründete sie zwei Klöster und wurde für ihre theologischen, botanischen und medizinischen Texte sowie für ihre Briefe, liturgischen Gesänge und Gedichte berühmt. Sie gilt als die Begründerin der wissenschaftlichen Naturgeschichte in Deutschland.
Schwedische Lehrerin und Kinderbuchautorin

1909 gewann Selma Lagerlöf als erste Frau den Nobelpreis für Literatur. Sie war sehr produktiv, ist aber vor allem für ihr Kinderbuch Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen bekannt.
aus den Agatha Christie-Romanen

Die bezaubernde Miss Marple, eine ältere britische Dame, die hobbymäßig Morde aufklärt, ist eine erfrischende Abwechslung zum männerdominierten Detektivgenre. Miss Marple weiß selbst, dass sie oft unterschätzt wird, und nutzt dies zu ihrem Vorteil. Ihre Schöpferin, Agatha Christie, ist eine der erfolgreichsten Schriftstellerinnen aller Zeiten.
aus JK Rowlings Harry Potter-Reihe

Die fiktive Hogwarts-Hexe Hermine Granger ist ein inspirierendes Vorbild für junge Mädchen auf der ganzen Welt: Sie ist klug, mutig und loyal. Und sie ist eine zweifache Wucht, denn Emma Watson, die Hermine in den Verfilmungen dargestellt hat, engagiert sich für viele feministische Anliegen.
aus Die Prinzessin in der Tüte von Robert Munsch

Lissy setzt ihren Mut und ihren Verstand ein, um einen feuerspeienden Drachen zu besiegen und einen Prinzen zu retten, der ein sexistischer Idiot ist. Anstatt sich seinen verqueren Idealen von Weiblichkeit anzupassen, sagt sie ihm, wo es langgeht, und tanzt allein in den Sonnenuntergang. Liebe Mädchen: Ihr habt die Wahl und kommt auch alleine wunderbar klar.
Queere Cartoonistin/Autorin

Am bekanntesten ist sie für ihren 25 Jahre lang erschienenen Comicstrip Dykes (Dt. Ausgabe: Lesben und andere Lebensformen auf Kohlenstoffbasis). Sie ist auch die Autorin von zwei ergreifenden und berührenden Memoiren und der Kopf hinter The Bechdel Test, dessen Existenz ein dringend benötigtes Licht auf die Darstellung von Frauen und weiblichen Freundschaften in Filmen wirft.
von Joaquín Salvador Lavado (Quino)

Man würde nicht erwarten, dass ein Comic über ein sechsjähriges Mädchen kritisches Denken vermittelt. Dennoch ist Mafalda mit ihrer großen Neugier, ihrer unbändigen Energie und ihrer perfekten Mischung aus Idealismus und Zynismus ein hervorragendes Vorbild für kleine Mädchen überall. Hinterfrage alles!
aus der Comicserie von Georges Chaulet

Fantômette ist die geheime Identität der französischen Schülerin Françoise Dupont. Fantômette zog sich eine Maske an, um mit ihrem Verstand, ihren Fähigkeiten und ihren Freunden das Verbrechen zu bekämpfen – über 40 Jahre, bevor irgendjemand jemals von Kick-Ass gehört hatte.
Medienmogulin

Der Reichtum, der Ruhm und die unermüdliche Tatkraft von Oprah haben sie unaufhaltsam gemacht und sie setzt sich unermüdlich für Frauen ein. Der ursprüngliche Oprah's Book Club hat über 15 Jahre hinweg fast sechs Dutzend Bücher ins Rampenlicht gerückt, von denen über die Hälfte von Frauen stammten, darunter viele farbige Frauen.
aus der Reihe von Astrid Lindgren

Als ultimativer Freigeist schert sich niemand weniger um Konventionen und Erwartungen als Astrid Lindgrens temperamentvolle Pippi Langstrumpf. Pippi ist eine leidenschaftliche Verfechterin von Gerechtigkeit und lässt sich weder durch ihr Geschlecht noch durch ihr Alter in ihrem Tun einschränken (dazu gehören zu gleichen Teilen Haushaltsführung und Reparaturen). Pippi ist einfach sie selbst.

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