Harold whittaker (4 Ergebnisse)

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Sprache: Deutsch
Verlag: o. O. 1923/1924., 1923
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In den WarenkorbZustand: Gut. keine durchgängige Seitenzählung Bibliothekseinband: 'Compilation' von Einzeltexten. Ehem. Bibliotheksexemplar (Literarische Abteilung der Metallgesellschaft A.G., Frankfurt). Etikettierung am Buchrücken, Stempel und Vermerke auf dem Titelblatt. Ein Buch, das es so nie gab. Es ist das Ergebnis bibliothekarischer En…tdeckungs-, Beschaffungs- und Bereitstellungskunst. Schriftliches Material, das in ungebundener Heftform mit niedrigsten Vervielfältigungszahlen für sorgfältig ausgewählte Interessen in den USA gedruckt wurde, landete in jeweils 3 Exemplaren im Literarischen Büro' der Frankfurter Firma Metallbank und Metallurgische Gesellschaft': Herausgeber dieser Blättersammlungen war der Research Information Service' des National Research Council'. Er wurde 1916 von Präsident Woodrow Wilson gegründet. Der Anlaß: die USA standen vor ihrem Eintritt in den Ersten Weltkrieg und stellten bei ihrer Ressourcen-Prüfung fest, daß es das Verhältnis zwischen Wissenschaft, Industrie und Staat im Sinne der Kriegsfähigkeit dringend zu koordinieren galt. Zwar gab es seit 1863 - von Abraham Lincoln initiiert - die National Academy of Sciences (NAS) als private, regierungsunabhängige Ehrengesellschaft führender Wissenschaftler. Sie hatte den gesetzlichen Auftrag, die US-Regierung in wissenschaftlichen und technologischen Fragen unabhängig zu beraten. Nun ging es aber um Zusammenarbeit im Sinne politischer Zielvorgaben. Und hier sollte Wilsons NRC als operative Tochter der Ehrengesellschaft die Durchführung staatlich geförderter Forschungsaufträge, Gutachten und Studien vergeben und deren Ergebnisse evaluieren und aufbereiten. 1922/1923 hatten die USA die wirtschaftliche Nachkriegsdepression überwunden, das Bruttosozialprodukt und die Bruttoinvestitionen stiegen, der Arbeitsmarkt stabilisierte sich, der Durchschnittlohn stieg. Ein Aufschwung mit Folgen: die USA verbauten in Fabriken, Wolkenkratzern, Stromnetzen und Autos so viel Nichteisenmetall (Kupfer, Zink, Aluminium, Nickel) wie nie zuvor in der Menschheitsgeschichte. Gleichzeitig alarmierte der britische Erfinder und Industrielle Sir Robert Hadfield (1858 - 1940) in einem aufsehenerregenden Aufsatz in der Fachzeitschrift Nature' 1922 die Stahlbauer u. a. in den USA: Hadfield schätzte, daß allein im Jahr 1920 weltweit und 29 Millionen Tonnen Stahl durch Rost und Korrosion unbrauchbar werden. Er bezifferte den damaligen wirtschaftlichen Verlust auf mindestens 589 Millionen Pfund Sterling. Seine Warnung: für die Instandsetzung korrosions- und verschleißbedingter Schäden seien 70 Prozent der damaligen jährlichen Weltstahlproduktion notwendig. Die USA hatten in dieser Zeit das Glück eines kompetenten Handelsministers, der diese für diese Botschaft wach war. Er hatte sich im Jahr seines Amtsantritts (1921) mit einem programmatischen Vorwort zu einem provokativen Buch gemeldet:: Waste in Industry', herausgegeben von den Federated American Engineering Societies. Hoover nutzte hier das zweiseitige Vorwort für Klarstellungen, deren Sinn seine Chronisten später als Plädoyer für einen "Assoziativen Staat" oder allgemein als "Hooverismus" bezeichneten. Es ist ein Plädoyer gegen ökonomische Ineffizienz, für Wissenschaft statt Ideologie und ein Aufruf an die Industrie, Forschungen zu nutzen. Und in diesem Sinne machte sich dann Whittaker im Auftrag des NRC an seine Fleißarbeit. In sechs Heften sammelte er zu sechs Metallen alles, was er in Sachen Korrosion zu fassen bekam: Nickel, Aluminium, Kupfer, Zink, Zinn, Blei. Seine Bestandsaufnahmen sind jeweils zweigeteilt: erst eine Aufstellung der bekannten Korrosionsumstände, dann umfangreiche Verweise auf einschlägige Veröffentlichungen zu dem jeweiligen Werkstoff. Zum Beispiel Kupfer: da geht es zunächst auf 31 Seiten um insgesamt ca. 300 Korrosionsbefunde, es folgen im bibliographischen Teil 187 Titeln u. a. auch aus Deutschland, die in englischer Übersetzung eingefügt werden. Damit ist dieses Buch eine Fundgrube für Industrie- und Technikhistoriker: sie werden auf den Stand der Problemkenntnisse und ihrer veröffentlichten Bearbeitung bis in das Jahr 1923 gebracht. Und in diesem Sinne hat es auch der Chefbibliothekar Rudolf Euler dreifach gebucht. Es war in den Händen der Unternehmensentscheider ein unverzichtbarer Kompaß für den Umgang mit ihren gewinnbringenden Werkstoffen. Und der wurde gebraucht. Im Jahr 1922 steckte die MG in der Transformation vom früher globalen Rohstoffhändler zum nunmehr inländischen Metallverarbeiter. Sie investierte massiv in deutsche Hütten, den Anlagenbau (über die Tochtergesellschaft Lurgi) sowie in neue Segmente wie den Chemie-, Land- und Reedereihandel. Für diese Neuaufstellung lieferten Whittakers Daten- und Literatursammlungen nötiges Grundwissen. Zum Beispiel der Anlagen-bauenden Tochter: Lurgi (Leurgi-Wärmetechnik) steckte 1922 mitten in der Entwicklung von Großgasanlagen, Röstöfen für Erze und ersten chemischen Syntheseapparaten. Das Problem: die notwendigen chemischen Prozesse laufen bei hohen Temperaturen und Drücken ab. Korrosion war dabei der ärgste Feind der Qualität. Hier brachte Whittakers Auflistung von Korrosionsbefunden ein nahezu enzyklopädisches Wissen über die chemischen Tabus und Toleranzen ihrer Werkstoffe. Noch einmal zum Buch als geschichtlichem Gegenstand: gedruckt wurden diese Berichte in Washington im sogenannten Mimeograph-Verfahren. Bei dieser Vervielfältigungstechnik (auch Schablonendruck) wurde dickflüssige Tinte durch eine mechanisch bearbeitete Wachsschablone auf Papier gepresst. Zwischen dem späten 19. Jahrhundert bis in die 1970er Jahre hinein ein gängiger Weg, in kleinen Auflagen u.a. Forschungsergebnisse oder Bibliographien zu drucken. Whittakers Stichwort- und Titelsammlung war ein Regierungsdokument und dabei sogenannte graue Literatur' in einer Kleinstauflage für ausgewählte Nutzer. Vermutlich stießen die Frankfurter Bibliothekare bei ihrer Pflichtlektüre des Bulletin of the National Research Council' oder der Reprint and Circular Series of the Nation.