Anwendung des SCOR-Modells zur Analyse der Supply Chain: Explorative empirische Untersuchung von Unternehmen aus Europa, Nordamerika und Asien (Wirtschaftsinformatik)

Poluha, Rolf G

 
9783899367195: Anwendung des SCOR-Modells zur Analyse der Supply Chain: Explorative empirische Untersuchung von Unternehmen aus Europa, Nordamerika und Asien (Wirtschaftsinformatik)

Inhaltsangabe

Das Supply Chain Management stellt bereits seit einiger Zeit ein intensiv diskutiertes Thema sowohl in der betriebswirtschaftlichen Wissenschaft als auch in der unternehmerischen Praxis dar. Ein Verfahren, das dabei zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist das Supply Chain Operations Reference Model (SCOR-Modell) des Supply-Chain Council (www.supply-chain.org). Das SCOR-Modell ist dabei, sich zu einem De facto-Standard zur Beschreibung und Analyse der Supply Chain zu entwickeln. Trotz der zunehmenden Verbreitung und Bedeutung der praktischen Modellanwendung sind jedoch bislang (Stand: Mitte 2008) noch keine wissenschaftlichen Studien verfügbar, die das SCOR-Modell und seine Struktur auf Gültigkeit hin untersucht haben.

In der vorliegenden Arbeit wird deshalb der Versuch unternommen, einen explorativen Beitrag zur wissenschaftlichen Untersuchung des Modells zu leisten. Zu-nächst werden die Supply Chain und das Supply Chain Management als Bezugsrahmen erläutert und darauf aufbauend das SCOR-Modell vorgestellt. Dabei wird sowohl auf die Evolution des Modells bis hin zum aktuellen SCOR-Modell Version 9.0 als auch auf Praxisbeispiele zum Einsatz des Modells eingegangen. Im Rahmen der empirischen Untersuchung werden Daten von mehr als 70 Unternehmen aus Europa, Nordamerika und Asien, die innerhalb von Projekten in der Unternehmensberatung auf Grundlage eines quantitativen Fragebogens gesammelt wurden, mittels statistischer Methoden gezielt ausgewertet und interpretiert.

Die gewonnenen Erkenntnisse dienen zum einen dazu, Empfehlungen zur Verbesserung des SCOR-Modells herauszuarbeiten. Weiterhin werden sie jedoch auch dazu herangezogen, die aktuellen Grenzen des Modells zu verdeutlichen und weitergehende Entwicklungs- und Anwendungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Schließlich haben sie das Ziel, Anregungen zur weiterführenden Erforschung des Modells zu geben.

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Rolf G. Poluha absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Industriekaufmann und studierte danach Wirtschaftsingenieurwesen an der Fachhochschule Aalen und Betriebswirtschaftslehre an der Universität Stuttgart. Nach Abschluss seines Studiums als Diplom-Wirtschaftsingenieur (FH) und Diplom-Kaufmann Anfang 1995 war er als Unternehmensberater und Projektmanager für BearingPoint (vormals KPMG Consulting) und die SAP AG in internationalen Projekten in Europa und den USA tätig. Derzeit ist er als Direktor bei SAP America für die Leitung von globalen Projekten bei multinationalen Konzernen verantwortlich. Die vorliegende Dissertation entstand im Rahmen eines berufsbegleitenden Promotionsprojektes am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, insbesondere Informationsmanagement, von Prof. Dr. Dietrich Seibt an der Universität zu Köln hauptsächlich im Zeitraum von 2001 bis 2005. Die Promotion zum Dr. rer. pol. erfolgte im Sommer 2005.

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Kapitel A: Ziele, Methodik, Vorgehensweise und Begriffslegung "Using SCOR has become a way of life for the company, including getting the top executives together to make across-the-board decisions. (...) It costs nothing. All SCOR is a tool that tells you what the possible metrics are you can use to determine how your business is doing. (...) SCOR isn't magic. It's a good, simple management tool, and I don't know why every one doesn't use it."[1] A.1 Grundlagen und Zielsetzung der Arbeit A.1.1 Hinführung und Forschungsziele In den vergangenen rund zehn Jahren hat die Bedeutung von Logistikprozessen in Unternehmen stark zugenommen.[2] Während die Logistik vorher noch überwiegend eine vertikale Unternehmensfunktion dargestellt hat, ist die funktionsübergreifende, integrierte Betrachtung im Rahmen einer Lieferkette ("Supply Chain")[3] immer mehr in den Vordergrund getreten. Dies reflektiert sich beispielsweise in der Schaffung einer neuen betriebswirtschaftlichen Disziplin, dem Supply Chain Management, und der zunehmenden Verankerung dieser Disziplin innerhalb von Unternehmen.[4] Im Zusammenhang damit hat beispielsweise eine wachsende Zahl an Unternehmen in jüngster Vergangenheit eine neue Position eingeführt, den Chief Supply Chain Officer (CSCO) oder Supply Chain President, der oftmals direkt an den Chief Executive Officer (CEO) berichtet.[5] Die vorliegende Arbeit mit dem Titel "Anwendung des SCOR-Modells zur Analyse der Supply Chain. Explorative empirische Untersuchung von Unternehmen aus Europa, Nordamerika und Asien" rückt die Lieferkette in den Mittelpunkt der Betrachtung. Die Lieferkette kann dabei zum einen mittels des physischen Materialflusses dargestellt werden. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Abbildung der zugrunde liegenden Organisation bzw. dem Organisationssegment, wie beispielsweise dem Einkauf, Vertrieb, etc. Und schließlich ist die Darstellung anhand von Lieferkettenprozessen, wie z.B. dem Einkaufsprozess, dem Vertriebsprozess, etc. möglich. In der Folge wird primär auf Prozesse innerhalb der Lieferkette eines Unternehmens fokussiert. Zur Strukturierung dieser Lieferkettenprozesse wird das sog. Supply Chain Operations Reference Model (SCOR-Modell) verwendet und hinsichtlich seiner Erklärungs- und Beschreibungsmöglichkeiten eingehend reflektiert. Das SCOR-Modell[6] wurde von einer unabhängigen, nicht-gewinnorientierten Vereinigung,[7] namentlich dem Supply-Chain Council (SCC), entwickelt und die entsprechende Methodik in der Verbreitung gefördert. Das Supply-Chain Council wurde 1996 von dem Beratungsunternehmen Pittiglio Rabin Todd & McGrath (PRTM) und der Organisation Advanced Manufacturing Research (AMR) gegründet und bestand ursprünglich aus 69 freiwilligen Mitgliedern.[8] Die Mitgliedschaft steht allen Unternehmen und Organisationen offen, die an der Anwendung und Weiterentwicklung moderner und qualifizierter Systeme und Praktiken zum Management der Lieferkette interessiert sind.[9] Die Arbeit verfolgt insbesondere das Ziel, die folgenden Forschungsfragen zu beantworten: - Wie könnte das SCOR-Modell auf Grundlage von modellimmanenten Leistungsindikatoren in ein Thesenmodell überführt und damit operationalisiert werden? - Wie könnte die in Thesen überführte Abbildung des SCOR-Modells auf Grundlage empirischer Daten einer explorativen Überprüfung unterzogen werden? Die Gründe dafür, auf die genannten Fragestellungen zu fokussieren, lagen vorrangig darin, dass nach Kenntnis des Verfassers bis zum heutigen Zeitpunkt (Stand: Mitte 2008) noch keine wissenschaftlich fundierten Anstrengungen unternommen worden sind, das SCOR-Modell in Thesenform zu überführen und mittels dieser Operationalisierung einer Prüfung zu unterziehen. Die Modellstruktur wird prinzipiell als angemessen und richtig angenommen und es werden darauf aufsetzende Anwendungen und Untersuchungen durchgeführt.[10] Der bislang nicht stattgefundenen "wissenschaftlichen Durchdringung" des Modells steht andererseits eine in den vergangenen Jahren stark zugenommene Verbreitung und Bedeutung der praktischen Modellanwendung entgegen. Dieses Spannungsfeld hat einen maßgeblichen Anstoß für die in der vorliegenden Arbeit gewählte Zielsetzung dargestellt. Dabei kann und will die Arbeit keinesfalls den Anspruch erheben, eine allgemeingültige Überprüfung des SCOR-Modells zu leisten. Vielmehr wird nicht etwa die Überprüfung des SCOR-Modells per se, sondern einer erarbeiteten Abbildung bzw. Operationalisierung des Modells angestrebt, um dadurch einen explorativen Forschungsbeitrag zu leisten. Es geht mithin nicht primär um die Untersuchung und abschließende Bestätigung bzw. Falsifizierung von Thesen, sondern um einen explorativen Ansatz zur Gewinnung erster - und zwangsläufig vorläufiger - Ergebnisse. Im Vordergrund steht somit ein schrittweiser Erkenntniszugewinn, der unbedingt auch nach Abschluss der Arbeit durch weitere, darauf aufbauende, fokussierte Untersuchungen weitergeführt werden muss.[11] Mittels der Beantwortung der o.g. Forschungsfragen soll auch versucht werden, Verbesserungspotenziale und Empfehlungshinweise abzuleiten. Dabei ist wieder um der explorative Charakter der Arbeit und die zuvor genannte Einschränkung zu berücksichtigen: Die gewonnenen Erkenntnisse beziehen sich in erster Linie auf die entwickelte Abbildung des SCOR-Modells, wobei bereits hierbei Faktoren wie ein möglicher "Mis-Match" zwischen theoretischem Modell und empirischer Realität oder die Qualität der verwendeten Daten zum Tragen kommen können.[12] Bei Rückschlüssen auf das eigentliche SCOR-Modell ist darüber hinaus noch zu berücksichtigen, dass zwangsläufig nur in bedingtem Umfang von der entwickelten Abbildung auf das eigentliche Modell zurückgeschlossen werden kann.[13] A.1.2 Methodischer Ansatz der Arbeit Der Kern der vorliegenden Arbeit besteht aus der explorativen Untersuchung[14] des SCOR-Modells zur Analyse der Lieferkette von Unternehmen. Zu dem Zweck werden in der Beratungspraxis erhobene empirische Ergebnisse herangezogen, die durch den Einsatz von quantitativen Fragebögen gewonnen worden sind. Um die Anonymität der Kunden zu wahren, wurden die Ergebnisse der empirischen Studie auf neutralisierter Basis, d.h. ohne Nennung der Namen der jeweiligen Unternehmen, ausgewertet und aufbereitet. Selbstverständlich werden aber die relevanten Charakteristika dieser Unternehmen, wie z.B. Hinweise zu deren Branchenausrichtung, dargestellt. Die explorative Untersuchung des SCOR-Modells basiert neben der Analyse der in dem Kontext publizierten wissenschaftlichen und anwendungsbezogenen Beiträge auf den praktischen Erfahrungen des Verfassers in seiner langjährigen Tätigkeit als Unternehmensberater mit Schwerpunkt im Bereich des Supply Chain Management im Allgemeinen und des SCOR-Modells im Speziellen. Die Zielstellung der Untersuchung des SCOR-Modells beinhaltet eine Gegenüberstellung der im Verlauf der Arbeit entwickelten Arbeitsthesen und der im Rahmen einer empirischen Untersuchung gewonnenen Erkenntnisresultate. Eine Bewertung mit Vorschlägen zur Verbesserung der Modellannahmen soll dabei zunächst noch nicht erfolgen, sondern auf den Schluss der Arbeit verlegt werden. Es geht im ersten Schritt vielmehr darum, anhand wissenschaftlich-statistischer Methoden die Stimmigkeit der entwickelten und zu untersuchenden Abbildung des Modells bzw. hieraus abzuleitender Arbeitsthesen zu überprüfen. Die im Rahmen der empirischen Studie gewonnenen Erkenntnisse sollen u.a. dazu herangezogen werden, Empfehlungen zur Verbesserung des SCOR-Modells zur Analyse der Supply Chain abzuleiten. Den Abschluss bildet die Darstellung moderner Konzepte und Werkzeuge zur Gestaltung der Lieferkette sowie Vorschläge zur weitergehenden Forschung auf den Gebieten Supply Chain Management und SCOR. Die im Rahmen der Arbeit entwickelten und zu überprüfenden Arbeitsthesen beziehen sich auf die Zusammenhänge von in der Regel intervallskalierten Modellparametern des SCOR-Modells.[15] Die...

„Über diesen Titel“ kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Weitere beliebte Ausgaben desselben Titels