Anwendung des SCOR-Modells zur Analyse der Supply Chain: Explorative empirische Untersuchung von Unternehmen aus Europa, Nordamerika und Asien (Wirtschaftsinformatik)

Poluha, Rolf G

 
9783899365092: Anwendung des SCOR-Modells zur Analyse der Supply Chain: Explorative empirische Untersuchung von Unternehmen aus Europa, Nordamerika und Asien (Wirtschaftsinformatik)

Inhaltsangabe

Das Supply Chain Management stellt bereits seit einiger Zeit ein intensiv diskutiertes Thema sowohl in der betriebswirtschaftlichen Wissenschaft als auch in der unternehmerischen Praxis dar. Ein Verfahren, das dabei zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist das Supply Chain Operations Reference Model (SCOR-Modell) des Supply-Chain Council (www.supply-chain.org). Das SCOR-Modell ist dabei, sich zu einem De facto-Standard zur Beschreibung und Analyse der Supply Chain zu entwickeln. Trotz der zunehmenden Verbreitung und Bedeutung der praktischen Modellanwendung sind jedoch bislang (Stand: Mitte 2006) noch keine wissenschaftlichen Studien verfügbar, die das SCOR-Modell und seine Struktur auf Gültigkeit hin untersucht haben.

In der vorliegenden Arbeit wird deshalb der Versuch unternommen, einen explorativen Beitrag zur wissenschaftlichen Untersuchung des Modells zu leisten. Zunächst werden die Supply Chain und das Supply Chain Management als Bezugsrahmen erläutert und darauf aufbauend das SCOR-Modell vorgestellt. Dabei wird sowohl auf die Evolution des Modells bis hin zum aktuellen SCOR-Modell Version 8.0 als auch auf Praxisbeispiele zum Einsatz des Modells eingegangen. Im Rahmen der empirischen Untersuchung werden Daten von mehr als 70 Unternehmen aus Europa, Nordamerika und Asien, die innerhalb von Projekten in der Unternehmensberatung auf Grundlage eines quantitativen Fragebogens gesammelt wurden, mittels statistischer Methoden gezielt ausgewertet und interpretiert.

Die gewonnenen Erkenntnisse dienen zum einen dazu, Empfehlungen zur Verbesserung des SCOR-Modells herauszuarbeiten. Weiterhin werden sie jedoch auch dazu herangezogen, die aktuellen Grenzen des Modells zu verdeutlichen und weitergehende Entwicklungs- und Anwendungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Schließlich haben sie das Ziel, Anregungen zur weiterführenden Erforschung des Modells zu geben.

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Rolf G. Poluha absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Industriekaufmann und studierte danach Wirtschaftsingenieurwesen an der Fachhochschule Aalen und Betriebswirtschaftslehre an der Universität Stuttgart. Nach Abschluss seines Studiums als Diplom-Wirtschaftsingenieur (FH) und Diplom-Kaufmann Anfang 1995 war er als Unternehmensberater und Projektmanager für BearingPoint (vormals KPMG Consulting) und die SAP AG in internationalen Projekten in Europa und den USA tätig. Derzeit ist er als Direktor bei SAP America für die Leitung von globalen Projekten bei multinationalen Konzernen verantwortlich. Die vorliegende Dissertation entstand im Rahmen eines berufsbegleitenden Promotionsprojektes am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik, insbesondere Informationsmanagement, von Prof. Dr. Dietrich Seibt an der Universität zu Köln hauptsächlich im Zeitraum von 2001 bis 2005. Die Promotion zum Dr. rer. pol. erfolgte im Sommer 2005.

Aus dem Klappentext

Das Supply Chain Management stellt bereits seit einiger Zeit ein intensiv diskutiertes Thema sowohl in der betriebswirtschaftlichen Wissenschaft als auch in der unternehmerischen Praxis dar. Ein Verfahren, das dabei zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist das Supply Chain Operations Reference Model (SCOR-Modell) des Supply-Chain Council (supply-chain.org). Das SCOR-Modell ist dabei, sich zu einem De facto-Standard zur Beschreibung und Analyse der Supply Chain zu entwickeln. Trotz der zunehmenden Verbreitung und Bedeutung der praktischen Modellanwendung sind jedoch bislang (Stand: Mitte 2006) noch keine wissenschaftlichen Studien verfügbar, die das SCOR-Modell und seine Struktur auf Gültigkeit hin untersucht haben.

In der vorliegenden Arbeit wird deshalb der Versuch unternommen, einen explorativen Beitrag zur wissenschaftlichen Untersuchung des Modells zu leisten. Zunächst werden die Supply Chain und das Supply Chain Management als Bezugsrahmen erläutert und darauf aufbauend das SCOR-Modell vorgestellt. Dabei wird sowohl auf die Evolution des Modells bis hin zum aktuellen SCOR-Modell Version 8.0 als auch auf Praxisbeispiele zum Einsatz des Modells eingegangen. Im Rahmen der empirischen Untersuchung werden Daten von mehr als 70 Unternehmen aus Europa, Nordamerika und Asien, die innerhalb von Projekten in der Unternehmensberatung auf Grundlage eines quantitativen Fragebogens gesammelt wurden, mittels statistischer Methoden gezielt ausgewertet und interpretiert.

Die gewonnenen Erkenntnisse dienen zum einen dazu, Empfehlungen zur Verbesserung des SCOR-Modells herauszuarbeiten. Weiterhin werden sie jedoch auch dazu herangezogen, die aktuellen Grenzen des Modells zu verdeutlichen und weitergehende Entwicklungs- und Anwendungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Schließlich haben sie das Ziel, Anregungen zur weiterführenden Erforschung des Modells zu geben.

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Kapitel A: Ziele, Methodik, Vorgehensweise und Begriffslegung

"Using SCOR has become a way of life for the company, including getting the
top executives together to make across-the-board decisions. (...) It costs
nothing. All SCOR is a tool that tells you what the possible metrics are
you can use to determine how your business is doing. (...) SCOR isn't
magic. It's a good, simple management tool, and I don't know why every one
doesn't use it."[1]

A.1 Grundlagen und Zielsetzung der Arbeit
A.1.1 Hinführung und Forschungsziele

In den vergangenen rund zehn Jahren hat die Bedeutung von Logistikprozessen
in Unternehmen stark zugenommen.[2] Während die Logistik vorher noch
überwiegend eine vertikale Unternehmensfunktion dargestellt hat, ist die
funktionsübergreifende, integrierte Betrachtung im Rahmen einer Lieferkette
("Supply Chain")[3] immer mehr in den Vordergrund getreten. Dies
reflektiert sich beispielsweise in der Schaffung einer neuen
betriebswirtschaftlichen Disziplin, dem Supply Chain Management, und der
zunehmenden Verankerung dieser Disziplin innerhalb von Unternehmen.[4] Im
Zusammenhang damit hat beispielsweise eine wachsende Zahl an Unternehmen in
jüngster Vergangenheit eine neue Position eingeführt, den Chief Supply
Chain Officer (CSCO) oder Supply Chain President, der oftmals direkt an den
Chief Executive Officer (CEO) berichtet.[5]

Die vorliegende Arbeit mit dem Titel "Anwendung des SCOR-Modells zur
Analyse der Supply Chain. Explorative empirische Untersuchung von
Unternehmen aus Europa, Nordamerika und Asien" rückt die Lieferkette in den
Mittelpunkt der Betrachtung. Die Lieferkette kann dabei zum einen mittels
des physischen Materialflusses dargestellt werden. Eine weitere Möglichkeit
besteht in der Abbildung der zugrunde liegenden Organisation bzw. dem
Organisationssegment, wie beispielsweise dem Einkauf, Vertrieb, etc. Und
schließlich ist die Darstellung anhand von Lieferkettenprozessen, wie z.B.
dem Einkaufsprozess, dem Vertriebsprozess, etc. möglich. In der Folge wird
primär auf Prozesse innerhalb der Lieferkette eines Unternehmens
fokussiert.
Zur Strukturierung dieser Lieferkettenprozesse wird das sog. Supply Chain
Operations Reference Model (SCOR-Modell) verwendet und hinsichtlich seiner
Erklärungs- und Beschreibungsmöglichkeiten eingehend reflektiert. Das
SCOR-Modell[6] wurde von einer unabhängigen, nicht-gewinnorientierten
Vereinigung,[7] namentlich dem Supply-Chain Council (SCC), entwickelt und
die entsprechende Methodik in der Verbreitung gefördert. Das Supply-Chain
Council wurde 1996 von dem Beratungsunternehmen Pittiglio Rabin Todd &
McGrath (PRTM) und der Organisation Advanced Manufacturing Research (AMR)
gegründet und bestand ursprünglich aus 69 freiwilligen Mitgliedern.[8] Die
Mitgliedschaft steht allen Unternehmen und Organisationen offen, die an der
Anwendung und Weiterentwicklung moderner und qualifizierter Systeme und
Praktiken zum Management der Lieferkette interessiert sind.[9]

Die Arbeit verfolgt insbesondere das Ziel, die folgenden Forschungsfragen
zu beantworten:
- Wie könnte das SCOR-Modell auf Grundlage von modellimmanenten
Leistungsindikatoren in ein Thesenmodell überführt und damit
operationalisiert werden?
- Wie könnte die in Thesen überführte Abbildung des SCOR-Modells auf
Grundlage empirischer Daten einer explorativen Überprüfung unterzogen
werden?

Die Gründe dafür, auf die genannten Fragestellungen zu fokussieren, lagen
vorrangig darin, dass nach Kenntnis des Verfassers bis zum heutigen
Zeitpunkt (Stand: Mitte 2005) noch keine wissenschaftlich fundierten
Anstrengungen unternommen worden sind, das SCOR-Modell in Thesenform zu
überführen und mittels dieser Operationalisierung einer Prüfung zu
unterziehen. Die Modellstruktur wird prinzipiell als angemessen und richtig
angenommen und es werden darauf aufsetzende Anwendungen und Untersuchungen
durchgeführt.[10] Der bislang nicht stattgefundenen "wissenschaftlichen
Durchdringung" des Modells steht andererseits eine in den vergangenen
Jahren stark zugenommene Verbreitung und Bedeutung der praktischen
Modellanwendung entgegen. Dieses Spannungsfeld hat einen maßgeblichen
Anstoß für die in der vorliegenden Arbeit gewählte Zielsetzung dargestellt.

Dabei kann und will die Arbeit keinesfalls den Anspruch erheben, eine
allgemeingültige Überprüfung des SCOR-Modells zu leisten. Vielmehr wird
nicht etwa die Überprüfung des SCOR-Modells per se, sondern einer
erarbeiteten Abbildung bzw. Operationalisierung des Modells angestrebt, um
dadurch einen explorativen Forschungsbeitrag zu leisten. Es geht mithin
nicht primär um die Untersuchung und abschließende Bestätigung bzw.
Falsifizierung von Thesen, sondern um einen explorativen Ansatz zur
Gewinnung erster - und zwangsläufig vorläufiger - Ergebnisse. Im
Vordergrund steht somit ein schrittweiser Erkenntniszugewinn, der unbedingt
auch nach Abschluss der Arbeit durch weitere, darauf aufbauende,
fokussierte Untersuchungen weitergeführt werden muss.[11]

Mittels der Beantwortung der o.g. Forschungsfragen soll auch versucht
werden, Verbesserungspotenziale und Empfehlungshinweise abzuleiten. Dabei
ist wieder um der explorative Charakter der Arbeit und die zuvor genannte
Einschränkung zu berücksichtigen: Die gewonnenen Erkenntnisse beziehen sich
in erster Linie auf die entwickelte Abbildung des SCOR-Modells, wobei
bereits hierbei Faktoren wie ein möglicher "Mis-Match" zwischen
theoretischem Modell und empirischer Realität oder die Qualität der
verwendeten Daten zum Tragen kommen können.[12] Bei Rückschlüssen auf das
eigentliche SCOR-Modell ist darüber hinaus noch zu berücksichtigen, dass
zwangsläufig nur in bedingtem Umfang von der entwickelten Abbildung auf das
eigentliche Modell zurückgeschlossen werden kann.[13]

A.1.2 Methodischer Ansatz der Arbeit

Der Kern der vorliegenden Arbeit besteht aus der explorativen
Untersuchung[14] des SCOR-Modells zur Analyse der Lieferkette von
Unternehmen. Zu dem Zweck werden in der Beratungspraxis erhobene empirische
Ergebnisse herangezogen, die durch den Einsatz von quantitativen Fragebögen
gewonnen worden sind. Um die Anonymität der Kunden zu wahren, wurden die
Ergebnisse der empirischen Studie auf neutralisierter Basis, d.h. ohne
Nennung der Namen der jeweiligen Unternehmen, ausgewertet und aufbereitet.
Selbstverständlich werden aber die relevanten Charakteristika dieser
Unternehmen, wie z.B. Hinweise zu deren Branchenausrichtung, dargestellt.

Die explorative Untersuchung des SCOR-Modells basiert neben der Analyse der
in dem Kontext publizierten wissenschaftlichen und anwendungsbezogenen
Beiträge auf den praktischen Erfahrungen des Verfassers in seiner
langjährigen Tätigkeit als Unternehmensberater mit Schwerpunkt im Bereich
des Supply Chain Management im Allgemeinen und des SCOR-Modells im
Speziellen. Die Zielstellung der Untersuchung des SCOR-Modells beinhaltet
eine Gegenüberstellung der im Verlauf der Arbeit entwickelten Arbeitsthesen
und der im Rahmen einer empirischen Untersuchung gewonnenen
Erkenntnisresultate. Eine Bewertung mit Vorschlägen zur Verbesserung der
Modellannahmen soll dabei zunächst noch nicht erfolgen, sondern auf den
Schluss der Arbeit verlegt werden.

Es geht im ersten Schritt vielmehr darum, anhand
wissenschaftlich-statistischer Methoden die Stimmigkeit der entwickelten
und zu untersuchenden Abbildung des Modells bzw. hieraus abzuleitender
Arbeitsthesen zu überprüfen. Die im Rahmen der empirischen Studie
gewonnenen Erkenntnisse sollen u.a. dazu herangezogen werden, Empfehlungen
zur Verbesserung des SCOR-Modells zur Analyse der...

„Über diesen Titel“ kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Weitere beliebte Ausgaben desselben Titels