Requiem für Anton P.: Ein Postskriptum - Hardcover

Eiterer, Othmar

 
9783852522616: Requiem für Anton P.: Ein Postskriptum

Inhaltsangabe

Längst ist er zum Ereignis geworden, das die Leute zwingt, einen Standpunkt zu beziehen, der nicht der ihre ist, zu verurteilen, was sie nicht verstehen, zu enttarnen, was sie verblüfft. Längst ist er Teil des Straßenbildes, des alltäglichen Rituals, das nichts ungesehen, nichts ungehört, nichts unberedet läßt. Es beginnt stets im Postamt, wo er Sterbeurkunden, Trostbriefe an Angehörige und Urnen aufzugeben hat, und endet an der Schank des Wirtshauses, wo er den vorbestellten Schnaps übernimmt und sich selbst zwei Doppelte zum Frühstück genehmigt, keinen mehr und keinen weniger, so als folge er einer Regel.

Dazwischen die Gemischtwarenhandlung, die Bäckerei, der Fleischhauer, gelegentlich auch der Schuster oder der Schmied. Er holt Bestellungen ab und gibt Bestellungen auf. Bargeld führt er nicht mit sich, das Schloß läßt anschreiben, rechnet auch verläßlich und pünktlich ab. Das erleichtert seine Rolle, auf die er einen Eid geleistet hat: den Stummen vom Schloß, wie ihn die Leute nennen, der selbst die Grußformel durch ein Kopfnicken ersetzt. Niemand weiß, welcher Befehl seine Schritte lenkt, seine Handgriffe ordnet, seine wiederkehrende, stumme Präsenz erzwingt.

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Über die Autorin bzw. den Autor

Othmar Eiterer: österr. Lehrer, Maler u. Schriftsteller, 1937–2022 Gebürtiger Salzburger, aufgewachsen in einer eingesessenen Lehrerfamilie in Thalgau, einem damals noch vorwiegend ländlichen, aber stadtnahen Dorf. Sein Entschluss, Lehrer zu werden, sichert der Familientradition den Fortbestand und den Platz in der dörflichen Hierarchie. Von der familiären Erziehung geprägt und der unübersehbaren Realität herausgefordert, wendet er sich schon bald der Pädagogik der Ausgegrenzten und Behinderten zu, deren Ansprüchen er mit Demut und persönlichem Einsatz, deren ideologischer Verwertbarkeit er jedoch mit Skepsis und Widerstand begegnet. Sein weiterer Weg ist vorgezeichnet und kommt seinem Gestaltungswillen entgegen: Leiter einer Schule, Sonderschulinspektor für das Bundesland Salzburg, Vertreter Österreichs auf europäischer Ebene. In den spärlichen Zwischenzeiten sucht er an der Seite seiner Frau in einem ihrer Refugien die Distanz zum Alltag – in Thalgau oder in der Toscana. Dort gelingt es ihm, die wenigen Nischen zu füllen, die ihm der berufliche Alltag lässt, jahrelang mit Pinsel und Farbe, später nur noch mit der Feder.

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