Neben antiquarischen, vergriffenen und gebrauchten Büchern beinhaltet das Angebot des ZVAB auch Noten, Tonträger und zahlreiche Grafiken. In diesem Special wollen wir uns der Lithographie näher widmen, die mit dem Buch- und Notendruck in besonderer Weise verbunden ist: Nach Erfindung dieser Druckart wurde die Lithographie vorerst zum Druck von Text und Noten eingesetzt. Erst einige Jahre später wurden mit Hilfe dieser Technik auch Bilder reproduziert - der Weg zur Künstler-Lithographie war geebnet.
"Le Marchand des Dessins Lithographiques"
"Zu den schönsten Erfindungen des menschlichen Verstandes gehört die Aloys Senefelder'sche chemische Druckkunst. Durch sie wurde die ansehnliche Reihe der deutschen Erfindungen auf eine glänzende Art vermehrt, und der tausendjährige Ruf der vorzüglich deutschen Erfindungsgabe und des deutschen Fleißes ruhmvollst bestätigt." So beurteilt 1856 Franz Maria Ferchl die Lithographie in seiner "Uebersicht der einzig bestehenden, vollständigen Incunabeln=Sammlung der Lithographie".
Neben der Erfindung des Druckes mit beweglichen Lettern von Johannes Gutenberg (um 1400-1468) und der Schnellpresse von Friedrich Koenig (1774-1833) ist die Lithographie von Alois Senefelder (1771-1834) eine der drei großen Erfindungen Deutschlands im Druckwesen.
Als einziges Flachdruckverfahren gehört die Lithographie zu den originalen Drucktechniken. Als technisches Verfahren wurde sie oft unterschätzt. Zu Unrecht, denn gerade der Steindruck gibt in frappierender Weise den Charakter eines Mediums wider.
Eine Kreidelithographie wirkt wie eine Originalkreidezeichnung, eine Federlithographie wie eine Federzeichnung usw.
"Hier in der Lithographie liegt eine Technik vor, welche die Zeichnung des Lithographen in eine ferne freie, neutrale Zone entführt" (R. Armin Winkler: Die Frühzeit der deutschen Lithographie. München: Prestel 1975.)
Der Lithograph
Die Lithographie wurde 1796 durch Alois Senefelder (1771-1834) in München erfunden. Die Druckplatte besteht aus einem Solnhofer Stein, der plan geschliffen wird. Darauf wird gezeichnet und anschließend der Stein mit einer Ätzflüssigkeit behandelt. Die Poren des Steins saugen die Ätzflüssigkeit auf, so dass beim Aufwalzen der Druckerschwärze nur die mit Fettkreide oder -tinte bezeichneten Stellen die Farbe annehmen, alle übrigen Flächen sie aber abstoßen. Dann erfolgt durch Anpressen des Papiers auf den Stein der eigentliche Druckvorgang.
Der Künstler kann locker auf den Stein zeichnen, ohne im Material Widerstand zu finden. Das macht bis heute den Reiz lithographischer Ansichten des 19. Jahrhunderts aus.
Alois Senefelder wurde 1771 als eins von acht Kindern des Schauspielers Peter Senefelder in Prag geboren. Da der Vater keines seiner Kinder als Schauspieler sehen wollte, studierte Alois Rechtswissenschaften in Ingolstadt. Dort erhielt er ein Stipendium der Kurfürstin Maria Anna. Nach dem Tod seines Vaters und dem Abschluss seiner Studien widmete er sich dennoch der dramatischen Kunst als Dichter und Schauspieler. Mehrere Besuche in der Druckerei Hübschmann regten in ihm schnell den Wunsch, seine "Geistes=Produkte" selbst vervielfältigen zu können. Die verschiedensten Versuche (Stahl, Siegelwachs, Birnbaumholz, ätzen, Zinnteller usw.) brauchte es, bis er 1796 auf Stein schreiben konnte. Bereits ein Jahr später konnte er die ersten Gewinne in eine brauchbare Stangen-Presse investieren. Das Ergebnis war ernüchternd, es dauerte wieder einige Zeit, bis sein Verfahren
Hermann Mitterer
ausgereift war. 1799 erhielt er das Privilegium auf 15 Jahre von Maximilian I. Joseph von Bayern (1756-1825). Mit dem Verkauf des Verfahrens im selben Jahr an den Musikverleger Johann Anton André (1775-1842) aus Offenbach begann Senefelder seine Reisen (1799-1806) nach Offenbach, London und Wien, um weitere Privilege zu erlangen. 1804 wurde Hermann Mitterer (1764-1829) zum Direktor der Feiertagsschule ernannt und arbeitet mit Senefelders Brüdern Theobald und Georg zusammen. Mitterer erwies sich schnell als berufener Förderer, Weiterentwickler bzw. Neuerfinder der Kunst und gab 1805 dem Steindruck den Namen "Lithographie". Ende 1806 kehrte Alois Senefelder nach München zurück und versuchte sein vernachlässigtes Privilegiums-Recht durchzusetzten. Um den Streit mit Mitterer und der Feiertagsschule zu beenden, wurde Senefelder 1809 königlicher Inspektor der Lithographie in der Steuervermessungskommission. Die Arbeit ließ ihm viel Spielraum, den er nutzte, um Interessierte in seine Kunst einzuführen. 1818 endlich veröffentlichte er auf der Leipziger Buchhändler Messe sein lang geplantes Lehrbuch.
Maximilian I. Joseph König von Bayern
Sein unruhiger Erfindergeist trieb ihn zu immer neuen Erfindungen und zu Überarbeitungen der bereits vorhandenen. Dennoch war es ihm nicht vergönnt, einen bleibenden Erfolg zu erzielen. Was er verdiente, floss wieder in seine Erfindungen: "Hüten's sich vor dem viele Quacksalbern und Experimentiere, schauen's, alle Andere werden reich durch mei' Erfindung und ich bleib ein armer Lump!"
Am 26 Februar 1834 starb Senefelder an einem Bluterguss im Gehirn und hinterließ seinen Sohn Heinrich aus erster Ehe und seine Frau Maria Anna, geb. Reiß.