Die Zukunftsmacher: Denker, Planer, Manager des 21. Jahrhunderts - Softcover

Beyers, Bert

 
9783593361741: Die Zukunftsmacher: Denker, Planer, Manager des 21. Jahrhunderts

Inhaltsangabe

Mehr als 40 Portraits, aus denen hervorgeht, wie Menschen unterschiedlicher Berufe, Positionen und Denkrichtungen an Lösungen für morgen arbeiten. Ein journalistisches Buch mit einer Vielzahl konkreter Beispiel, das die Hoffnung stärkt, es könne gelingen, die Aufgaben der Zukunft zu meistern.

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"Bisher hat das mit dem Fortschritt der Menschen einigermaßen geklappt." Roland Berger hat die Fähigkeit, so einfach zu formulieren, daß sich dem kritischen Zeitgenossen sämtliche Haare sträuben. "Was ich gelernt habe, einfach historisch, ist: daß wir immer wohlhabender geworden sind, daß wir immer länger leben, obwohl wir immer ungesünder essen, angeblich, daß wir immer länger gesund bleiben. Und daß wir Rentenprobleme haben, weil wir das tun." Herr Berger, Sie haben so einen entwaffnenden Optimismus! "Ja gut, da kann ich nur sagen mit Theodor Heuss: der einzige Mist, auf dem nichts wächst, ist der Pessimist." Pessimistisch ist Roland Berger nicht einmal in Sachen Arbeitslosigkeit. In fünf bis sieben Jahren dürfte das Problem in Deutschland erledigt sein, spätestens in zehn. Wenn er so spricht, nicht deklamatorisch, sondern leise, in sich hineinredend, hat er bisweilen was von einem Guru. Und dann dieser Erfolg im Rücken: mit Abstand der umsatzstärkste deutsche Unternehmensberater, mit 35 Büros in 26 Ländern, mit 900 Beratern und einem Honorarvolumen von 600 Millionen Mark. Nebenbei Gastprofessor, Buchautor, Liebhaber klassischer Musik, Kunstsammler. Ach ja, Mitglied im Verwaltungsbeirat des F.C. Bayern München ist er auch noch.
"Ich habe eine selbstgestellte Mission. Ich möchte meinen Beitrag zum Fortschritt der Gesellschaft abliefern." Von diesem Fortschritt für die kommende Generation hat er eine ziemlich genaue Vorstellung: "materiell, ethisch-moralisch, bis hin zur emotionalen Seite". Die nächste Stufe der historischen Entwicklung ist für ihn die "Wissens-, Informations- und Dienstleistungsgesellschaft". Menschen arbeiten in erster Linie nicht mehr in der Landwirtschaft oder in der materiellen Güterproduktion. Wovon wir leben werden, das sind nach seiner Überzeugung innovative Dienstleistungen, Kommunikation, Mobilität, Multimedia, Tätigkeiten im Gesundheitswesen, im Umweltschutz, im Sozialwesen, im Freizeitbereich - gestützt auf eine hochwertige Technologie. "Zu dieser Gesellschaft gehört eben auch alles, was das Leben angenehmer macht: vom Restaurant bis zur Unterhaltung." Um gleich mal ein Vorurteil auszuräumen: "man muß sich von dem traditionellen Gedanken trennen, daß Dienstleistung immer im Zusammenhang mit Kellnern und Putzfrauen verstanden wird." Die Dienstleistung der Zukunft, da fallen ihm ganz andere Leitbilder ein: der Transplantationschirurg oder der geniale Architekt.
"Das heißt nicht, daß wir weniger produzieren. Wir produzieren ja auch nicht weniger Getreide oder Tomaten. Im Gegenteil!" Die Industrie hat in der postindustriellen Gesellschaft durchaus ihren Platz. Nur anders. Ein Sportschuh kostet im Laden 200 Mark. Er wird in Asien produziert, die Lohnkosten betragen 20 Mark. Das aber heißt: 180 Mark zahlt der Käufer für die Entwicklung, Design, Marketing, für Qualitätssicherung, Logistik, Finanzierung und anderes mehr. Berger schüttelt ein paar Zahlen aus dem Ärmel: Im Jahr 1960 gab es in der Bundesrepublik Deutschland noch 54 Milliarden Arbeitsstunden, genauer gesagt bezahlte Erwerbsarbeitsstunden. Heutzutage sind es in Westdeutschland rund zehn Milliarden weniger. Wenn man es genauer untersucht: Im Agrarbereich minus 80 Prozent, in der Industrie minus 42. Einen Zuwachs hat es allein im privaten Dienstleistungsbereich gegeben: um rund 180 Prozent. Der Umschichtungsprozeß von der industriellen zur postindustriellen Gesellschaft ist bereits in vollem Gange.
Fragt sich nur, wie die postindustrielle Gesellschaft aussehen wird. Was heißt das, wenn in der Landwirtschaft und in der industriellen Produktion immer weniger Arbeit anfällt? Kann dieser Verlust durch Tätigkeiten im Dienstleistungsbereich ausgeglichen werden? Und welche Jobs sind das? Wie werden sie aussehen? Wie ist das organisiert? Roland Bergers erste Antwort lautet: Eine Dienstleistungsgesellschaft ist arbeitsintensiver als eine Industriegesellschaft." Wenn Menschen für Menschen arbeiten, könne man nicht so weitgehend automatisieren. "Die amerikanische Wirtschaft schafft bei einem Wachstum von 0,6 Prozent neue Jobs, unsere nach Berechnungen des Ifo-Instituts erst bei 2,3 Prozent." Herr Berger, die jüngste Delphi-Studie im Auftrag der Bundesregierung geht davon aus, daß die Produktion von Konsumgütern, selbst von Autos, bis zum Jahr 2010 weitgehend durch Roboter erledigt werden wird. "Das liegt durchaus im Bereich des Möglichen." Die Vorstellung schreckt ihn nicht. Er untermauert die Tendenz noch mit eigenen Zahlen: Die Produktivität bei BMW oder Siemens steigt jährlich um etwa achteinhalb Prozent; der Absatz wächst aber nur um drei, vier, oder fünf Prozent. "Es wird immer mehr hergestellt mit immer weniger Menschen." Genau diese Menschen werden nach seiner Überzeugung künftig gebraucht als Unternehmensberater, Software- Schreiber, Werkzeugbauer oder Designer.[...]

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