Seidenbilder – Gewebte Gemälde

Im Jahr 1805 konstruierte der Franzose Joseph Marie Jacquard die erste programmgesteuerte Litzenzugmaschine. Die Steuerung der Webmaschine wurde über ein ausgeklügeltes Lochkartensystem betrieben und galt als die revolutionärste Erfindung der damaligen Zeit. Dieses neue Websystem wurde nach seinem Erfinder „Jacquard-System“ genannt. Die immer weiter verfeinerte Technik erlaubt gestochen scharfe Bilder aus hochwertigen Materialien zu weben.

Führend für die Bilder aus der Zeit um die Jahrhundertwende auf dem europäischen Festland war die französische Manufaktur „Neyret Frères & Cie“ in St. Etienne und Paris, aber auch in deutschen und belgischen Manufakturen entstanden dekorative Seidenbilder. Thomas Stevens aus dem englischen Coventry erstellte seine als „Stevengraphs“ bekannten Seidenbilder ebenfalls auf den Jacquard-Webstühlen.

Religiöse Darstellungen, Genrebilder, romantische Szenen, Orts- und Stadtansichten, Porträts von berühtem Persönlichkeiten und gekrönten Häuptern, Lesezeichen, Ausstellungssouvenirs, Propagandawebereien, Ansichtskarten mit Seidenweberei, mit Seidenbildern überzogene Knöpfe und Abzeichen – gewebte Seidenbilder gehörten als dekorativer Wandschmuck oder kleines Accessoire zum bürgerlichen Leben des 19. und frühen 20. Jahrhunderts.

© Rainer Kurz - Antiquariat in Oberaudorf


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