Inhaltsangabe
Nach dem Abzug der Terminalen Kolonne entstehen unter den raumfahrenden Völkern der Milchstraße völlig neue Sternenreiche mit bisher fremden Technologien. Darunter die Trans-Genetische Allianz, wo die von Menschen abstammenden Tefroder ein revolutionäres Konzept für den interstellaren Raumflug entwickeln. Doch als Perry Rhodan von den Tefrodern zur Eröffnung einer neuen Sternenroute eingeladen wird, ereignet sich eine Katastrophe. Perry Rhodan steht vor der schwersten Prüfung seines Lebens …
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Was genau ist es, das Lebewesen in die unendlichen Weiten des Alls treibt?
Schicksal? Vorherbestimmung? Oder liegt es in ihren Genen verankert? Womöglich steht das Leben an sich unter dem Hauch des Verderbens, dass es sich anmaßt, alles zu erforschen. Der Drang, jedes Detail zu verstehen, immer mehr Wissen anzuhäufen, geht eine unheilige Allianz mit der Wissenschaft ein, die uns Menschen so vieles ermöglicht. Zu vieles vielleicht.
Tefroder. Jülziish. Terraner. Wo liegt der Unterschied?
Ich bin Caadil Kulee amy Kerteebal. Mein Leben dient einem höheren Ziel. In mir findet die Transgenetische Allianz ihre Vollkommenheit. Ich bin der Gipfel, und doch bin ich nichts als eine Verbindung von biochemischen Grundsubstanzen. Wie die Tefroder. Wie die Jülziish. Wie die Terraner, auf die ich bald treffen werde. Eine genetische Ansammlung von Fleisch und Knochen, von Muskeln und Sehnen, von Wasser und Blut; ein Gewebeklumpen, den es ins All zieht, weil auch ich dem Lockruf verfallen bin.
Ich höre das Wispern, lausche dem Klang der Lieder, die der Weltraum singt, der Melodie, die zwischen den Sternen schwebt und mich mit sich nimmt. Ich muss sie
tanzen, diese Melodie, die ich sehe, mehr noch als dass ich sie höre. Diese schillernde Straße in die Ewigkeit, die sich in meine Augen senkt.
Was also ist es, das Lebewesen ins All treibt, weiter, immer weiter, bis wir auch noch die letzte Grenze durchbrechen?
Die Antwort liegt greifbar nahe vor mir, doch noch bin ich nicht imstande, sie zu erfassen. Was erwartet mich schon dort draußen? Tod und Krieg, Feindschaft und Leid. Dies sind die Noten, die die ewige Melodie bilden, dies ist der Rhythmus, geschlagen von jedem, der im Universum lebt.
Und dennoch gehe ich.
Weil ich es kann.
Ich bin Caadil Kulee, Tochter der Kerteebal, und ich werde Antworten finden.
Die Transgenetische Allianz
31. Januar 1458 NGZ
"Vielen Dank, dass du dir persönlich Zeit nimmst, Perry Rhodan." Das gefiederte Gesicht spiegelte sich im Panoramafenster, die kleinen Knopfaugen wirkten wie Löcher im Hochsicherheitsglas. Auf den Schulterflügeln leuchteten Federn in allen Farben des Regenbogens. Automatische Simultanübersetzer übertrugen alles aus der Sprache des Rahsch'kani.
Der terranische Resident zeigte ein feines Lächeln. "Man hat mir versichert, es würde sich lohnen."
Haneul Bitna gab ein zirpendes Geräusch von sich, das das rhythmische Schnabelklappern melodiös untermalte. Dieser Laut erinnerte Perry sofort an den letzten Aufenthalt des Vogelartigen auf Terra - lag das Treffen im Besprechungsraum der Solaren Residenz tatsächlich schon wieder fast zwei Jahre zurück? Eigenartig, wie Sinneswahrnehmungen manchmal miteinander verknüpft waren und Assoziationen auslösten; an jenem Abend im Jahr 1456 hatte er noch Mondra Diamond getroffen, und exakt an diesem Tag hatte sie zum ersten Mal ihr neues Parfüm getragen. Rhodan glaubte es wieder zu riechen und genoss die Erinnerungen, die sich damit verbanden.
"Trotz dieser Versicherung, wer auch immer sie ausgesprochen haben mag", sagte sein Gast, "ist es eine große Ehre, deinen privaten Wohnbereich in der Solaren Residenz aufsuchen zu dürfen."
"Du bist sicherlich nicht überrascht, wenn ich dir sage, dass dir diese Ehre nur deshalb zuteil wird, weil man sich für dich ausgesprochen hat."
"Erlaube mir erneut die Frage: Wer ist man?"
"Der TLD."
"Selbstverständlich." Das Gefieder über Haneul Bitnas Knopfaugen sträubte sich. "Der Terranische Liga-Dienst. Ich hörte von diesem Geheimdienst der Terraner."
Rhodan verkniff sich ein Lachen. Haneul Bitna wurde ihm von Sekunde zu Sekunde sympathischer. Er erhoffte sich von dem Rahsch'kani wertvolle Informationen; es störte ihn keinesfalls, sie in Form eines spitzfindigen Gesprächs serviert zu bekommen. "Welch feine Ironie."
"Ironie?"
"Man könnte fast zu der Überzeugung gelangen, du untertreibst."
Der Vogelartige legte eine Hand auf die dicke Panoramascheibe, die sie von den Wassern des Sees trennte, aus dem die oberen Geschosse von Rhodans Wohnturm in der Solaren Residenz ragten. Ein breitmäuliger Fisch, dessen Glotzaugen an filigranen Tentakelstielen baumelten, schwamm vorüber. "Nun gut, dann lass es mich so sagen: Ich weiß vermutlich mehr über den TLD als jeder andere, der ihm nicht angehört. Und vermutlich auch mehr als die meisten seiner Agenten, das gebe ich gern zu. Ebenso vermutlich verdanke ich den Zuspruch in Agentenkreisen einer gewissen Avryl Sheremdoc?"
"Vermutlich." Rhodan genoss die Stille dieses Aus-sichts- und Ruheraumes, dessen Wände einer natürlichen Unterwasserhöhle nachempfunden waren. "Avryl ist geradezu begeistert von dir. Sie lobt dich in höchsten Tönen und ist von deiner Integrität überzeugt."
"Fragt sich nur, worauf sich diese Integrität bezieht."
"Da Avryl eine Agentin ist, die unser vollstes Vertrauen genießt und ganz nebenbei dein Leben bis in den letzten Winkel durchleuchtet hat, bedeutet mir ihre Einschätzung deiner Person einiges."
"Bis in den letzten Winkel?" Bitnas Gefieder am Kopf raschelte, eine Feder löste sich und trudelte zu Boden. Sie landete in einer kleinen nachgeahmten Felsspalte, durch die ein winziges Wasserrinnsal floss. "Verzeih mir, Resident Rhodan, aber das wage ich zu bezweifeln."
"Warum sagst du nicht gleich, dass ich die Sicherheitskräfte rufen und dich entfernen lassen soll?"
"Weil meine Ehrlichkeit für mich spricht. Ich bin zum Beispiel überzeugt davon, dass dein hochgeschätzter TLD in Gestalt von Agentin Avryl Sheremdoc nichts über meinen wahren Dienstherren weiß. Ich habe meine Spuren perfekt verwischt. So perfekt, dass ich bis in deinen Wohnbereich im Herzen Terranias vordringen konnte, ohne dass du weißt, wer ich wirklich bin. Du glaubst es nur zu wissen. Lüge und Schein sind sozusagen meine Spezialität, und ich wage zu behaupten, dass sie die eigentliche Würze des Agentendaseins ausmachen. Ohne sie wäre mir all die Gefahr nur lästig. Eine gute Intrige jedoch und etwas Täuschung verleihen dem Leben einen Charme, wie er sonst kaum zu finden ist."
"Eine gewagte These."
"Welche?"
"Such dir eine aus. Aber selbst wenn ich nicht wissen sollte, wer du wirklich bist - du kannst mir nicht schaden. Du trägst keine Waffe bei dir, und ein Wort meinerseits genügt, dass es hier binnen Sekunden von Sicherheitskräften wimmelt." Rhodan verschränkte gelassen die Arme vor der Brust, um zu demonstrieren, dass er sich vollkommen sicher fühlte. Ganz zu schweigen von der Giftgasdüse, die dich ständig unterhalb der Decke verfolgt und auf meinen akustischen Befehl reagieren wird, sollte es sich als nötig erweisen. Schachmatt in weniger als zwei Sekunden.
„Über diesen Titel“ kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.