Geschichten aus dem Antiquariat

Jaromir Konecny ist Publizist, freier Schriftsteller, Sammler und zudem ZVAB Antiquar. In seinen Geschichten aus dem Antiquariat erzählt der Gewinner verschiedenster Poetry-Slams in Deutschland aus dem "ganz normalen" Antiquariatsalltag. In seinen Texten wird nahezu hautnah spürbar, wie es einem Sammler auf der immerwährenden Suche nach der absoluten Rarität ergehen kann...


Das Kapital

Teil 1: Das Kapital

Sollte Karl Marx mit einer Zeitmaschine in unserer Zeit auftauchen, würde er sich nicht grämen müssen, dass die Autorenrechte an seinen sich immer noch gut verkaufenden Werken schon längst freigegeben wurden. Kein Warten, bis irgendein Urenkel von ihm sterben würde, wie Marx auf den Tod seiner diversen Tanten gewartet hatte, um etwas zu erben. Auch seinen Freund und Gönner Engels müsste Marx nicht mehr ständig anpumpen. Mit einem Koffer voll der Erstausgaben seiner Bücher würde Marx hier ganz gut über die Runden kommen.

Weiterlesen

Die Geschichte meines Lebens

Teil 2: Die Geschichte meines Lebens

Die Titelseite des handgeschriebenen Tagebuchs war gut lesbar: Die Geschichte meines Lebens, oder vom Anfange bis zur Philosophie kurzgefasste von der Philosophie aber umständliche Beschreibung dessen, was sich mit Karl Johann Hlucha zugetragen. Was war denn das? Ein gut lesbares Tagebuch aus dem 19. Jahrhundert? Eine verschollene und vergessene Geschichtenschatztruhe? Mein nach Geschichten lechzendes Herz spannte sich zwischen den Rippen wie ein Segel: Auf zur Schatzinsel!

Weiterlesen

Fotografischer Volksdadaismus

Teil 3: Fotografischer Volksdadaismus

"Es gibt Augenmenschen, und es gibt Ohrenmenschen", sagte mal Kurt Tucholsky. Ich war ein Ohrenmensch. Bis ich sie getroffen habe... "Das macht dich an, oder?", fragte die Frau. Ich guckte mich verwirrt um. Antiquariatsmesse in Leipzig. Im Regal hinter mir Fotos tschechischer Avantgarde-Fotografen: Sudek, Funke… dazwischen rekelte sich an geometrischen Figuren die Frau im Licht des Prager Präavantgardisten Frantisek Drtikol: Eine nackte Frau zwischen Geraden, Winkeln und Kreisen - mit Hilfe von Licht in Silber gegossen.

Weiterlesen

Die Frau mit der Grabinschrift

Teil 4: Die Frau mit der Grabinschrift

"Schon meiner Mutter war die Todessehnsucht der Wiener unheimlich. "Gut, dass du in München lebst", sagte sie mir am Telefon, nachdem ich aus der sozialistischen Tschechoslowakei geflüchtet war. "Mein Onkel ist in Wien gestorben." "Weil er ein Wiener war", sagte ich. "Wo sollte ein Wiener sonst sterben als in Wien?" Doch nachdem ich zum ersten Mal Wien und Wiens Kapuzinergruft besucht hatte, verstand ich meine Mutter etwas mehr: Diese endlosen Sargreihen mit den toten Habsburgern darin. Morbider ging's nicht!

Weiterlesen

Weitere Antiquariatsgeschichten von Jaromir Konecny finden Sie auch im ZVABlog.