Barbara Kohout

Geboren bin ich kurz nach der Pogromnacht in Deutschland. Mein Geburtsort liegt im heutigen Serbien. Da waren wir nach dem Krieg plötzlich Feinde und schließlich gezwungen zu fliehen.

Es war ein Kampf ums Überleben, den ich in dem gleichnamigen Buch ausführlich beschrieben habe.

Ich kann auf ein langes Leben mit den unterschiedlichsten Herausforderungen und Erfahrungen zurückblicken. Nicht alle möchte ich nochmal erleben. Trotzdem bin ich auch für solche Lektionen dankbar, weil ich heute die Welt besser verstehen kann. Ich gebe von diesen Erkenntnissen etwas in meinen Büchern weiter.

Die Erfahrung mit meiner Familie und in der fundamentalistischen Religionsgemeinschaft hat mich gelehrt, dass Schweigen eine verständliche Praxis ist, wenn Menschen zu schlimme Erlebnisse hatten. Die Erinnerung daran ist so schmerzhaft, dass man sie lieber ganz tief im Unterbewusstsein vergräbt und nicht mehr daran rüttelt.

Fatal ist leider nur, dass diese Wunden der Seele so nicht heilen können. Sie bleiben wirkmächtig, sie steuern das Verhalten, sie spiegeln sich in den Kindern und zum Teil auch noch in den Enkelkindern.

Das ist der Grund, warum die Nachkriegsgenerationen die Bürde und das Vermächtnis haben, über die Vergangenheit zu reden. Sie können damit die Chance wahrnehmen, zur Heilung und zum Frieden beizutragen.

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