Richard Steinkamp

Ich kenne mich inzwischen aus mit allem, was mit dem Rentenalter zu tun hat.

Was aber noch viel wichtiger ist:

Ich genieße den Ruhestand aus ganzem Herzen. Diese Freude am Leben im Rentenalter, diese Faszination, ganz neue Möglichkeiten für einen der spannendsten Lebensabschnitte zu entdecken, gebe ich gern weiter.

Ich war nicht immer glücklich in der Rente, obwohl ich mich Jahre lang darauf freute

Ich habe mich nie geschont - Weder auf meinem Leitungsposten im Amt noch in der Familie. Beim Hausbau unserer drei Kinder stand ich manche Stunde auf der Leiter.

Leistung, Verantwortung, Pflicht - das war mein Arbeits- und Familienleben. So sollte es sein! Und jetzt kannst du dich bald davon ausruhen, sagte ich mir. Da war ich 62. Noch ein halbes Jahr. Dann würde ich nach dem Blockmodell in Altersteilzeit gehen.

Bis zum letzten Tag im Amt habe ich auf dem Gaspedal gestanden. Und dann Windstille. Zeit. Ich startete mit den besten Vorsätzen, ein perfekter Rentner zu werden. Ich studierte die Waschmaschine, zog Unkraut aus den Pflasterfugen, erschrak über meine schlechte Kondition beim Radfahren. Ich genoss die Tage ohne berufliche Termine und Stress.

Wenn meine Frau von der Arbeit kam, hatte ich nichts zu erzählen

Doch es wurde schnell eintönig: Kurz vor Weihnachten, im sechsten Monat meines Ruhestands, kannte ich nur noch Haus, Grundstück, Supermarkt. Wenn meine Frau von der Arbeit kam, hatte ich nichts zu erzählen. Ich merkte, wie ich versackte. Ich schlief schlecht und nahm Tabletten dagegen. Ich merkte, wie ich in eine Altersdepression rutschte.

Ich konnte mich kaum damit abfinden, scheinbar nicht mehr gebraucht zu werden. Innerlich war ich der Überzeugung, dass es nur noch weiter bergab gehen konnte.

Gesundheitlich, finanziell, seelisch - Rentner zu sein war für mich gleichbedeutend mit einem Abstellgleis. Ich bereitete mich darauf vor, irgendwie meine Zeit totzuschlagen und sah mich wie manche Bekannte, die meiste Zeit im Wartezimmer von Ärzten verbringen. Trübe Aussichten.

Die Begegnung im Park, die alles änderte

Als ich wieder einmal von meiner düsteren Stimmung in den nächstgelegenen Park flüchtete, traf ich auf einer Parkbank auf eine ältere Dame. Sie war offensichtlich mit ihren Enkelkindern unterwegs, die fröhlich lärmend auf der benachbarten Wiese mit einem Ball spielten. Aus Langeweile begann ich ein Gespräch.

"Ihre Enkelkinder sind ja sehr lebhaft", versuchte ich etwas hölzern, den Kontakt aufzunehmen.

"Oh, das sind gar nicht meine Enkelkinder", antwortete sie mir lächelnd. Sie erzählte mir von einer Flüchtlingsfamilie, die vor kurzem in ihre Nachbarschaft gezogen sei. Jetzt würde sie an manchen Nachmittagen in der Woche mit den Kindern etwas unternehmen, wenn die Eltern keine Zeit hätten. Es würden zwar noch Sprachbarrieren bestehen, aber man käme gut miteinander aus.

Ich gab zu, dass ich beeindruckt war." Das ist aber sehr nett von Ihnen. Aber wird Ihnen das nicht etwas zu viel?" Die Frau lachte mich wieder an und ihre Augen leuchteten.

"Nein. Das ist mir überhaupt nicht zu viel. Mein inzwischen bereits erwachsener Enkelsohn würde jetzt sagen, dass es eine echte WIN-WIN-Situation ist. Er studiert nämlich Betriebswirtschaft und Informatik. "

Wieder lächelte sie mich an.

“Der aufregendste Zeitabschnitt meines Lebens”

"Wissen Sie, ich habe in meinem Leben immer viel gearbeitet und auch gutes Geld verdient. Anfänglich hatte ich etwas Angst vor meiner Zeit als Rentnerin. So viel freie Zeit, das war ich nicht gewohnt. Mir wurde bewusst, dass ich mich viele Jahre meines Lebens nur mit meinem Beruf als Chefassistenz in einem großen Konzern identifiziert habe.

Mit einmal wurde mir dann klar, welche Möglichkeiten ich jetzt haben würde, einmal ganz andere Seiten von mir zu leben.

Eigentlich hatte ich es immer gern mit Menschen zu tun. In meinem Beruf kam dieser soziale Aspekt meiner Persönlichkeit aber oft kurz. Also begann ich mir Gedanken dazu zu machen, was ich denn jetzt alles mit mehr Zeit anfangen könnte. Die vielen Chancen machten mich ganz schwindlig. Plötzlich wusste ich, dass eine der aufregendsten Zeitabschnitte meines Lebens vor mir liegen würden."

Sie erzählte mir, wie sie begann, sich in einem Verein zu engagieren, um Kindern in der Grundschule vorzulesen. Sie schaffte sich am Anfang der Rente einen Hund an, besuchte mit dem Tier alte und kranke Menschen in Heimen. Das machte ihr Freude und den anderen Menschen auch.

Keine Langeweile

Über Ihren Enkel kam Sie an die Senioren-Uni, wo Sie mehrere Semester Kunstgeschichte studierte. Immer ein Traum von ihr. Sie sei jetzt Anfang 80 und seit über 15 Jahren Rentnerin. Sie habe bisher keinen Tag Langeweile gehabt.

Auch bei den Ärzten müsse sie sich - sie klopfte dabei mit der rechten Hand auf die Bank - glücklicherweise nicht zu oft aufhalten. Das habe mit ihrer großen Zufriedenheit zu tun. Die Rentenzeit sei genauso aufregend wie die Kinder- und Jugendzeit. Sie würde ständig neue Menschen kennenlernen und könnte endlich alle Facetten ihrer Persönlichkeit entwickeln.

Das Gespräch mit dieser faszinierenden Dame hing mir lange nach. Plötzlich begann ich selbst, dass Rentenalter mit ganz anderen Augen zu sehen. Ich beschäftigte mich mit Gestaltungsideen für die Zeit der Rente, mit Möglichkeiten, sich selbst weiter in die Gesellschaft einzubringen oder persönliche Hobbys neu zu entdecken.

Ob Sie es glauben oder nicht, auch ich verbringe kaum Zeit in den Wartezimmern von Ärzten. Von Niedergeschlagenheit oder düsterer Stimmung kann keine Rede mehr sein. Deshalb freue ich mich auch so darüber, wenn ich Ihnen ein bisschen die Augen öffnen darf wie diese alte Dame im Park.

Denn eines ist sicher:

Ihre Rentenzeit kann zu einer der schönsten Phasen in Ihrem Leben werden! Begleiten Sie mich in diesem Buch und entdecken Sie mit mir gemeinsam die unbekannte Welt des Rentenalters!

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