Til Jørgson

Til Jørgson ist Fotograf und hat als Kameramann lange beim Fernsehen gearbeitet. Er war Soldat, Kellner, Lagerist, Expedient. Er hat in einem Fotolabor gearbeitet, war Mädchen für alles, Wachmann, Bilder- und Pixelschubser sowie was mit IT. Provisorische Bauten macht er mit Draht und Spucke, dauerhafte mit Holz und Leim und virtuelle mit Wörtern oder Photoshop.

Er hat im Norden gewohnt, im Süden, er hat auch schon ganz im Norden gewohnt und ist im Westen aufgewachsen. Er war Mieter in einer Gründerzeitvilla aber er kennt auch das Leben in einem heruntergekommenen Wohnwagen ohne Strom und Wasser. Im Moment lebt er in einer Großwohnanlage aus den Sechzigern (vulgo Ghetto) auf den Golanhöhen. Er war Hungerleider und Gutverdiener, leitender Angestellter und Bankrotteur.

Er schreibt seit zwanzig Jahren und ist Überzeugungstäter. Er will weder klischeeverseuchten Kitsch noch seelenlose Erotik produzieren. Wie in der Straße von Messina. Skylla auf der einen und Charybdis auf der anderen Seite. Nach vielen Anläufen legt er jetzt mit der Glüx-Reihe das Ergebnis vor. Sein Liebesleben nennt er Recherche, seine Leidenschaft sind Bilder. Die Bilder im Kopf seiner Leser.

Schreiben in Corona:

Wir sind gezeichnet. Mehr oder weniger. Für manche bedeutet die Pandemie den Ruin und andere schreiben einen Roman. Über die Pandemie schreiben? Das wollte ich nicht. Keine Lust. Gar keine. Deswegen kommt sie nur am Rande vor, in der kleinsten Nebenrolle, die ich zu vergeben hatte. Aber wir müssen mit ihr leben, sie ist da. Unumstößlich. Und sie ist im Buch, wenngleich nicht präsent. Wenn man sich in einer sturm- und drangvollen Lebensphase befindet, ist ein Virus nebensächlich. Ist sogar das Virus reine Nebensache. Das erklärt den Fatalismus meiner Figuren. Sicherheit und Verlässlichkeit sind nur Schimären, sind reine Fata Morgana. Es gibt keine Sicherheit, es gibt keine Gewissheit. Das Einzige, was man verpasst, ist das Leben.

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