Wer hat als Kind nicht diese unglaubliche Vorfreude vor dem Geburtstag oder vor Weihnachten erlebt?
Ich hatte mir als kleines Mädchen immer ausgemalt, endlich das Traumkleid, die tolle Puppe, das eigene Pferd oder dieses wunderbare Fahrrad zu bekommen. Leider sah die Realität ganz anders aus.
Mit fünf Geschwistern in einer Arbeitersiedlung aufgewachsen, gab es meist etwas Praktisches wie Strumpfhosen zum Geburtstag und ein neues Nachthemd zu Weihnachten. Nicht, dass ich undankbar war. Aber da blieb immer die Sehnsucht, einmal ganz toll von etwas überrascht zu werden.
Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich als 17-Jährige davon träumte, dass mich nach der Arbeit eines dieser damals modernen Mofas mit einer roten Schleife erwartete. Natürlich lag nichts ferner.
Ich hatte die Schule ohne Abschluss verlassen und wie jeder in meiner Umgebung angefangen, in der Fabrik zu arbeiten. Kurz gesagt, bedeutete das, mit viel Arbeit gerade einmal das Existenzminimum zu sichern. Ich würde aber nicht sagen, dass ich unglücklich war, schließlich führten alle Menschen in meinem Umfeld ein vergleichbares Leben. Daher kannte ich es einfach nicht anders.
Mein Mann war ein begeisterter Lottospieler und träumte von dem ganz großen Gewinn. Ich war eher der Typ, der die Tippeinsätze lieber in die Spardose steckte, da Glücksspiele am Ende nur die Lottogesellschaft profitieren lassen.
Wenn ich beim Arzt im Wartezimmer saß und die Illustrierten durchblätterte, sog ich die Reiseberichte von Traumreisen in die Südsee und Kreuzfahrten über die Weltmeere wie ein Schwamm in mich auf. Manchmal wurden solche Reisen auch verlost und der oder die glückliche Gewinnerin porträtiert. Das waren Menschen wie ich, kleine Arbeiter und Angestellte, die es normalerweise nie auf so einen Luxusliner geschafft hätten.
“Was wäre, wenn….” dieses Gedankenspiel ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Irgendwann, ich war Mitte 40, schickte ich meine erste Postkarte an eine dieser Illustrierten. Das machte man damals noch so, es war nicht üblich, irgendeine Hotline anzurufen oder ein Formular im Internet auszufüllen. Zwei Monate später stockte mir der Atem als ich die Post aus dem Briefkasten zog. Endlich kam einmal keine Rechnung, sondern ich hatte eine Reise für zwei Personen nach Hawaii gewonnen! Mein Mann und ich konnten damit nicht nur unsere Hochzeitsreise nachholen, sondern feierten gleichzeitig unter Palmen unsere Silberhochzeit!
Nach der Rückkehr war mein Ehrgeiz geweckt. Natürlich hätte ich an einen Zufallstreffer glauben können und mich für den Rest meines Lebens an der Hawaii-Reise freuen können. Aber was einmal funktioniert hat, kann doch wieder klappen, oder?
Ich teilte die Idee mit meinem ältesten Sohn, auf den ich sehr stolz war. Denn er hatte es geschafft, in der Abendschule sein Abitur zu machen und auf dem zweiten Bildungsweg auch studiert. Er belächelte mich und erzählte mir etwas von der mathematisch absolut geringen Wahrscheinlichkeit, überhaupt etwas zu gewinnen und von der noch geringeren Chance der Wiederholbarkeit. “Mama, du hattest einfach Glück”, sagte er.
Ich hatte keinen Zweifel an seiner Intelligenz, aber ich war auch stur und sagte: “Was möchtest du gerne haben? Ich werde es für dich gewinnen!” Mein Sohn lachte wieder und bestellte sich ein Cabrio. Ich nahm diese Herausforderung an.
Meine Aufgabe bestand nun darin, Gewinnspiele systematisch zu durchforsten. Natürlich gibt es ganz unterschiedliche Arten von Preisausschreiben. Bei manchen reicht die schlichte Teilnahme aus, andere verlangen, dass man eine oder mehrere Rätselfragen löst. Dann fielen mir noch Aktionen auf, die lediglich dazu dienten, ein Abo oder ein anderes Produkt zu verkaufen.
Ich begann, mich in die Welt der Gewinnspiele einzuarbeiten. Natürlich habe ich dabei auch klassische Anfängerfehler gemacht. So dauerte es manchmal Jahre, bis ich die Werbeflut in meinem Briefkasten nach einer Teilnahme wieder loswurde. Relativ schnell trudelte jedoch bereits mit einer Designer-Kaffeemaschine der nächste Gewinn in meinem Haus ein. Einen Monat später war es eine Mittelmeerkreuzfahrt.
Die Intervalle zwischen den einzelnen Gewinnen wurden immer kleiner. Mittlerweile traf wöchentlich etwas ein. Ich gewann Küchenmaschinen, Fahrräder für meine Enkel, einen Luxusgrill, eine Badezimmer-Möbelausstattung, eine komplett neue Sommergarderobe in einer angesagten Boutique, über die sich meine Schwiegertochter freute, einen Dampfreiniger und etwa neun Monate nach der Wette konnte ich meinem Sohn die Schlüssel für sein neues Cabrio in die Hand drücken. Meine Enkelkinder tauften mich “Gewinnspiel-Oma”.
Seit 20 Jahren reißt die Gewinnserie nicht ab. Die von mir sorgsam erarbeitete Strategie geht auf, denn wer weiß, welche Preisausschreiben sich wirklich lohnen, wann und wo eine Teilnahme am besten ist und welche Tricks sonst noch nützlich sind, erhöht seine Gewinnchancen beträchtlich.
Neuanschaffungen muss ich keine mehr tätigen und ich kann von den Gewinnen sogar meine Familie, die Nachbarn und die Freunde versorgen. Von Lotto, Casinos und allen anderen Zockereien bleibe ich weg – da bin ich eisern! Wenn der kleine oder große Luxus gebraucht wird, wird es die “Gewinnspiel-Oma” schon richten.
Da geteilte Freude doppelte Freude ist, habe ich beschlossen, die kleine Anleitung zum großen Glück für alle verfügbar zu machen. Wer damit systematisch vorgeht, kann seine Chancen auf Gewinnbenachrichtigungen ohne Pferdefuß signifikant erhöhen – dafür bin ich seit zwanzig Jahren das beste Beispiel!