Ich bin 1942 in Michelsdorf (Siebenbürgen) geboren und dort auch als Kind einer zehnköpfigen Familie aufgewachsen.
Doch eines Tages hatte ich ein schwerer Schicksalsschlag hinnehmen müssen, der nicht ohne Folgen für mein weiteres Leben blieb. Bei einem Streit zwischen zwei Schulkollegen versuchte ich zu vermitteln, gerät dabei in ihre Schusslinie und wurde von einem Stein am rechten Auge verletzt. Da ich aus Angst vor meinem strengen Vater nicht traute, von der Verletzung zu erzählen, und es Tage dauert, bis ich zu einem Augenarzt kam, verlier ich dieses Auge.
Doch meine Schicksalsschläge reißen nicht ab. Bald kommt auch mein linkes, gesundes Auge zu Schaden.
Nach einer misslungenen Operation wurde ich blind. Völlig entkräftet und zutiefst betrübt hatte ich das Krankenhaus verlassen. Zu Hause fiel ich in ein tiefes Loch, aus dem nur meine Familie herauszuhelfen konnte. Ich fing mich und begann, mein Leben als Blinder in Angriff zu nehmen. Die Zukunftsaussichten als Blinder in einem kleinen, abgelegenen Dorf in Rumänien in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts sind jedoch trübe.
Beherzt beginn ich für meine Zukunft zu kämpfen und schaffte es schließlich, gegen den Widerstand meiner Familie einen Platz in einer Blindenschule in Bukarest zu ergattern. Ich betrat eine neue Welt, lernte Seinesgleichen kennen, erlernte die Punktschrift und erfreute mich an den Perspektiven, die mir als wissbegieriger Schüler eröffnete.
Ich siedelte 1989 gemeinsam mit meiner Frau und zwei Söhne nach Deutschland aus. Als bleibe hatte ich für uns München ausgesucht, wo ich mit meiner Frau, meine zwei Söhne und deren Familien bis heute leben.
Ich gelang zur Überzeugung, dass jedes Unglück auch seine guten Seiten hat – ich hatte wunderbare Menschen kennengelernt. Ich bin zu einem Mann herangereift, der den Mut gefunden hat, seinen eigenen Weg zu gehen, und bin an den Herausforderungen, die das Leben an mich gestellt hat, gewachsen.