Dr. Harry Niemann, 1951 in Darmstadt geboren, ist Sozialwissenschaftler und Publizist und seit 1987 als Journalist und Sachbuchautor u.a. für die Frankfurter Allgemeine Zeitung im Bereich Technik und Motor und den Motorbuch Verlag Stuttgart tätig. 1983 verfasste er an der Technischen Hochschule Darmstadt seine Magisterarbeit („Zum Problem der Legitimation bei Habermas und Bahro“), 1987 seine Dissertation an der Universität Gesamthochschule Essen („Verkehrserziehung durch Motorsport im Schulsport. Entwicklung und Erprobung eines jugendgerechten Verkehrserziehungskonzepts“).
Von 1989 bis 2008 leitete Niemann das Historische Archiv der Mercedes-Benz AG und war seit der Fusion der Daimler-Benz AG mit Chrysler Leiter des Bereichs Unternehmensgeschichte und Konzernarchiv der DaimlerChrysler AG – der heutigen Daimler AG. Im Rahmen dieser Tätigkeit publizierte er neben zahlreichen technikgeschichtlichen Arbeiten biographische Artikel sowie Essays zur Geschichte des Unternehmens. Exemplarisch sei hier die 1994 herausgegebene Biographie über Leben und Wirken Béla Barényis genannt, die zudem das Ringen um Optimierung der passiven Sicherheit im Automobilbau bei der Mercedes-Benz AG dokumentiert. Mit der 1996 erschienenen Maybach-Biographie legte er eine umfangreiche Dokumentation zur Frühgeschichte des Automobils und der allgemeinen Motorisierung vor, welche im gleichen Jahr mit dem ABB-Wissenschaftspreis des Landesmuseums für Technik und Arbeit in Mannheim ausgezeichnet wurde. Anlässlich des 100. Todestages von Gottlieb Daimler publizierte Niemann im Jahr 2000 eine Biographie, die sich diskursiv mit dem Daimler-Bild in der wissenschaftlichen Literatur befasst. 2004 folgte zum 125. Geburtstag von Karl Maybach ebenfalls eine Biographie dieses Technikpioniers. Mit dem Buch „Personenwagen von Mercedes-Benz – Automobillegenden und Geschichten seit 1886“, welches 2006 veröffentlicht wurde, erhalten automobilhistorisch Interessierte eine Gesamtdarstellung der 120jährigen Unternehmensgeschichte der DaimlerChrysler AG und damit verbunden der Entwicklung des Automobils. Bisher unveröffentlichte Bilder runden die Darstellung der Motorisierung von der Frühzeit bis zur Gegenwart ab.
Ausgezeichnet wurde Niemann 2007 sowohl mit dem „Cugnot Award of Distinction“ (Nicholas-Cugnot-Preis) der amerikanischen Society of Automotive Historians, Inc. (SAH) für seine Werke „Karl Maybach: His Engines and Automobiles“ sowie „Béla Barényi: Pioneer of Passive Safety at Mercedes-Benz“ als auch mit dem „Benjamin Franklin Award” der PMA, the Independent Book Publishers Association für sein Buch „Karl Maybach: His Engines and Automobiles”.
Niemann lehrte von 1993 bis 2003 an der Universität Stuttgart am Lehrstuhl für Geschichte der Naturwissenschaft und Technik und hat seit 2004 eine Lehrtätigkeit an der Universität Erlangen-Nürnberg am Lehrstuhl für Unternehmensgeschichte inne. Von 1993 bis 2008 war er Herausgeber des Tagungsbandes der „Stuttgarter Tage zur Automobil- und Unternehmensgeschichte“, einem Symposium zu Fragen der Automobil- und Unternehmensgeschichte, die das Konzernarchiv zusammen mit dem Lehrstuhl für die „Geschichte der Naturwissenschaften und Technik“ der Universität Stuttgart im Turnus von zwei Jahren veranstaltet. Bis 2008 war er zusammen mit Prof. Dr. Armin Hermann und Prof. Dr. Wilfried Feldenkirchen Herausgeber der wissenschaftlichen Schriftenreihe des DaimlerChrysler Konzernarchivs.
Niemann war zwischen 1998 und 2008 Vorsitzender der Vereinigung deutscher Wirtschaftsarchivare (VdW), im Kuratorium der Gesellschaft für Unternehmensgeschichte e.V. (GUG), Leiter des VdW-Arbeitskreises „Automobil- und Zulieferarchive“ und Mitglied des „Awards Advisory Panel“ der Automotive Hall of Fame in Detroit.
Heute arbeitet Niemann als Autor und Journalist für die Frankfurter Allgemeine Zeitung und verschiedene Magazine wie Oldtimer Markt oder ArmbandUhren sowie die Verlage Delius Klasing und Motorbuch Verlag Stuttgart. Er ist Mitglied im Motor Presse Club (MPC) sowie bei der Deutschen Mediengolf Gesellschaft (DMGG).