Ulrike Gastmann
Ulrike Gastmann entstammt einem alten Thüringer Adelsgeschlecht und flüchtete in den 90er Jahren kurz vor ihrer Zwangsverheiratung mit einem vogelgesichtigen Adelsspross aus dem Hause „Zur Lippe“ nach Leipzig, um dort als unauffällige Studentin der Afrikanistik und
Islam-Wissenschaft an der Alma Mater Lipsiensis unterzutauchen.
Erst als in den Medien bekannt geworden war, dass Prinz zur Lippe anderweitig sein Eheversprechen abgegeben hatte, begann sie, leichteren Herzens um Thomaskirche und Gewandhaus zu streifen. Heute setzt sie sich engagiert für die Rechte der großen Schar verarmter ostdeutscher Noblesse ein. Ihren bürgerlichen Namen aus Inkognito-Zeiten behielt sie aufgrund ihrer beispielhaften Bescheidenheit bei.
Dies ist zwar alles komplett erfunden, klingt aber bedeutend interessanter als die Geschichte
einer behüteten und fröhlichen Jugend in einer Thüringer Kleinstadt zwischen Konfirmandenunterricht, Pionierhalstuch und jugendlichen Simson-Fahrern, gefolgt von einer heiteren und unbeschwerten Studentenzeit in Leipzig. Hier nun bemüht sich Ulrike Gastmann seit einigen Jahren dem aggressiven Wachstum humorresistenter, meinungskopierender und kaltherziger Arschgeigen entgegenzuwirken, indem sie versucht, selbst ein halbwegs angenehmer Mensch zu sein, was ihr im unterschiedlichen Ausmaß gelingt. Ausgleich zum Streben nach diesem harten, moralisch hoch angesiedelten Ziel findet sie gern in etwas Leibesertüchtigung, im Lichtspielhaus bei einem sehr französischen Film oder in einer viel zu selten stattfindenden Wiglaf-Droste-Lesung.
Christian Bosse
Der passionierte Hosenträger und Geschmacksmustersammler wurde unverhofft und ungefragt in dieses Raum-Zeit-Kontinuum hineingeboren. Seine Herkunft entstammt den Nie-Bundesländern Eichsfeld und Preußen-Süd, er selbst auch. Weitere Stationen seines Lebens verlieren sich in der neuen Unübersichtlichkeit (Habermas).
Nach der Erlangung der Fähigkeit, freihändig zu gehen, erlernte er den Beruf des Diplomgebrauchtwagenhändlers. Während eines Aufbaustudiums verdingte Christian Bosse sich als Ghostwriter für Diplomarbeiten und Kontaktanzeigen in Sexmagazinen.
Seit seiner ersten Berührung mit Gebrauchsprosa in Form einer ungesalzenen Buchstabensuppe in der HO-Gaststätte Sömmerda, versucht er sich an immer neuen Kombinationen der 26 hierzulande bekannten Buchstaben. Dabei interessiert ihn vor allem die kreative Wirkung von Bier und Rotweinen auf die Textproduktion und –rezeption unter besonderer Berücksichtigung der Tatsache, dass in solchen Texten immer etwas besonders berücksichtigt werden muss.
Heute trinkt und arbeitet er je nach erforderlichem Klappentext in Leipzig, Frankfurt und oder oder Rackwitz. Das war kein Schreibfehler. In seiner Freizeit stellt er wehrlosen Frauen nach, oder zwingt herkömmliche Dahergelaufene mit vorgehaltener Waffe über die Bedeutung dieser Wortkombination zu referieren.