Maria Dombrowski

Ich bin im berüchtigten, seinerzeit größten Arbeitslager weltweit, GuLAG/Vorkuta, geboren worden. Meine Eltern waren deutsche Kriegsgefangene und haben sich dort erst kennen gelernt. Beide stammten aus der Freien Stadt Danzig, dem heutigen Gdansk in Polen. Als erst 3jährige wurde ich auf Anordnung der Lagerverwaltung meinen Eltern weg genommen und in ein weit entferntes sowjetisches Waisenhaus gesteckt. Damit meine Eltern mich nicht finden konnten, verblieb ichjeweils ein Jahr in einem Heim. Kaum hatte ich neue Freundinnen im Heim gefunden und mich an den Ablauf gewöhnt, schön musste ich über Nacht wieder fort von da. Einmal konnte meine Mutter in einem Heim besuchen, danach wurde ich ganz schnell wieder fortgebracht, damit es nicht noch einmal passiert. Dann kam die Zeit, in der die Haftbedingungen gelockert wurden und die Lagerverwaltung den Eltern erlaubte, ihre Kinder wieder zu sich zu holen, aber leider unter erschwerten Bedingungen, die ich in meinem zweiten Buch schildere. Im Februar 1956 kam ich mit meinen Eltern als letzte Heimkehrer nach West-Deutschland, weil man in Ostdeutschland keinen von den Heimkehrern herein ließ. So war Danzig, ihre Geburts- und Heimatstadt für meine Eltern für immer verloren.

Danach besuchte ich mit Erfolg eine deutsche Schule. Nach der Schulentlassung begann ich eine Lehre als Rechtsanwalts-und Notargehilfin. Nach erfolreicher Gesellenprüfung arbeitete ich noch eine Weile als solche in Anwalts- und Notarbüros. Mit 21 Jahren besuchte ich eine Sprachschule, arbeitete aber halbtags, um mir das Geld dafür zu verdienen. Ein Jahr Studium mit dem Zertifikat in Pädagogische Psychologie folgte dem nach. Zwei Jahre Abendschule bei der Akademie für Werbung und Verkaufsförderung im Goethe Institut Frankfurt schloß ich mit einem Diplom ab. Ich habe dazu jahrelang in Werbeagenturen als Mediasachbearbeiterin gearbeitet. Es hielt mich nirgends wirklich lange, auch weil die zu verrichtenden Arbeiten so gar nicht meinen eigentlichen Intentionen entsprachen. Schon als Kind bescheinigten mir die Lehrer, dass ich eine gute Schreibe habe. In meiner Jugendzeit versuchte ich mich beim Gedichte schreiben, aber immer kam mir etwas dazwischen, auch weil ich Geld für meinen Lebensunterhalt verdienen mußte. Erst als ich mit 54 Jahren arbeitslos wurde und für alle Arbeitsstellen auf einmal zu alt geworden war, begann ich ernsthaft an das Schreiben eines Buches zu gehen, was in mühsamer Kleinarbeit ausartete, aber ich gab nicht auf. Mein Ehrgeiz war und blieb, lesbare Bücher zu schreiben, was mir hoffentlich gelungen ist.

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