Michel Daniek, auch wenn er es selbst vielleicht gar nicht hören möchte, ist einer von denen, die dir bewusst machen das soviel du dich auch sorgst und soviel du dich auch bemühst, immer noch diese extra Meile zu gehen ist. Michel geht diese extra Meile, aber er hat die große Gabe sie freudig und fröhlich zu gestalten. Beides dieser Mann und seine Bücher sind eine wahre Inspiration.
Michel, Jahrgang 1964, lebt nach seinen Überzeugungen und ist ein begnadeter Mechaniker, Erfinder und Designer, ein praktisches und intellektuelles Multitalent. Unter seinen Freunden liebevoll "Solarmichel" genannt, half er schon vielen Leuten auf ihrer Suche nach einem ecologisch verantwortungsvollerem Lebensstil, ihr Leben mit Solarstrom zu realisieren.
Er veröffentlichte diverse Artikel zu verschiedenen Umwelt-Themen bei Equapio und auf seinen eigenen Blogs. Eine schwere Krankheit erschütterte 2012 sein idyllisches Familienleben, brachte ihm aber viele gute Erkenntnisse über das Leben und die Liebe.
Meine kleine Geschichte:
Die Flucht:
Ich war 19 Jahre alt, als ich ein Traveller wurde. Oder ich sollte vielleicht besser sagen, als ich ein Flüchtling unserer Zivilisation wurde. Ich begab mich auf diese Flucht weil ich erkannte, dass unsere Gesellschaft dabei ist sich in eine tödliche Sackgasse zu verrennen.
Meine Lehre als Industrie-Mechaniker bei der Firma Bosch gab mir die nötigen Einblicke in die Regeln und Abhängigkeiten der modernen Sklaverei und der kommerziellen Ausbeutung all unserer Resourcen. Nicht nur die ganze Erde, sondern auch unsere menschlichen Werte werden dabei vermarktet. Alles schien mir wie vergiftet von dieser Ignoranz und Dekadenz in unserem Gesellschafts-System. Mir wurde schlecht davon und ich musste fort von dort.
Die Suche:
Ich weigerte mich einfach dabei mitzuspielen und verließ noch am selben Tag meiner Abschlussprüfung, die ich übrigens mit Belobigung bestand, mein Heimatland. Ich wollte einfach ein kleines Teilchen einer Lösung sein und nicht ein weiteres Rädchen des Problems. Meine 15 Jahre dauernde Suche nach einem besseren Ort und nach solidarischeren Menschen gab mir immer sehr viel Hoffnung, aber bescherte mir natürlich auch viele Endtäuschungen. Nirgendwo auf der Welt schien es wirklich besser zu sein. In einigen Ländern war es damals noch sehr schön, aber die Entwicklungen gingen auch dort in die selbe falsche Richtung. Schon bald erkannte ich, dass es auf der Welt kein Entrinnen davor gab, dass wir hier alle im selben Boot sitzen, und dass die Probleme die wir heute haben überall auf der ganzen Welt genau sie selben sind. Das Problem das ich in unserer Gesellschaft erkannte war im Grunde das große Problem der gesamten Menschheit. Denn im Grunde spiegelt es nur einen kollektiven Bewusstseins-Zustand wieder, der zwar viele Namen trägt, aber noch viel viel tiefer geht als das, was wir unter “Kapitalismus” oder “Globalisierung” verstehen.
Die neue Heimat:
Als ich 1997 nach Andalusien kam gefiel mir die Abgeschiedenheit die den Alpujarras innewohnt. Man fühlt sich hier oft wie inmitten von unberührter Natur. Und doch gab es hier viele Traveller wie mich. Sie alle kamen und gingen wie in einem Taubenschlag. Hier fühlte ich mich verbunden mit Meinesgleichen und doch auch wie in einer Blase geschützt, durch die wunderschöne wilde Natur rings herum.
Die solare Revolution:
Ich war 33 als ich wieder sesshaft wurde. Wie alle jungen Leute wollte ich mein Leben radikal verändern. Da ich damals schon wusste, dass unser Gesellschafts-System nicht auf die Dauer überlebensfähig sein würde, beschloss ich einfach so zu tun, als gäbe es schon jetzt nicht mehr. Ich spielte sozusagen den globalen Notstand und versuchte mich in allem so unabhängig zu machen wie ich nur konnte. Durch meinen Beruf und meiner Bastelleidenschaft gelang mir das am leichtesten im Energiesektor. Die Solarenergie wurde mein Steckenpferd und ich erfand sehr viele praktische Dinge, die sich allein mit der Kraft der Sonne betreiben ließen. All dies stieß auf soviel Begeisterung dass ich darüber ein kleines Solar-Büchlein schrieb, das sogar in 4 Sprachen übersetzt wurde und sich bis heute, noch sehr gut verkauft. Das aktive recycling von kaputten Dingen wurde mein zweites Hobby das sich in einen Beruf verwandelte. Einerseits tat ich das um Geld zu sparen, aber auch mit dem Bewusstsein, dass wir eines Tages vielleicht keine neuen Sachen mehr werden kaufen können.
Energie-Bewusstsein:
Durch meine langjährige Arbeit als Solar-Techniker erkannte ich dann zumindest einen wahren Grund unserer kollektiven Misere: Unser Energie-Bewusstsein. Wie können wir nur annehmen das schon alles gut geht, wenn wir jedes Jahr noch mehr Energie benötigen als heute schon. Die Energie-Verschwendung scheint kein Ende zu kennen. Wir alle heizen, beleuchten, fahren, fliegen, bauen, verbrauchen... heutzutage wie besinnungslos. Wir verbrennen einfach all die kostbaren Bodenschätze, die unsere nachfolgenden Generationen sicher viel besser zu nutzen wüssten, falls es sie überhaupt noch geben sollte. Wir benutzen bis heute überall Kernenergie, obwohl die Risiken ganz offensichtlich nicht mehr zu kontrollieren sind, und noch nicht einmal eine adequate Entsorgung zur Verfügung steht.
Das Warten auf den Weltuntergang:
Leider sieht es nicht nur im Energie-Bereich so schlimm aus. Man denke nur mal an die Bevölkerungs-Expolsion, oder die Gen-Manipulationen, den Verfall der Medizin, oder der Religionen. Unser Plasikmüll-Problem, oder dem alten Wunsch nach weltweiten Frieden. Doch eins scheint mir doch sehr signifikant, wir leben als erste Generation in der Geschichte der Menschheit ganz nach dem Motto: “Nach uns die Sinnflut”.
Die Zahl jener, die diese Sackgasse erkennen, ist in den letzten 30 Jahren erschreckend gestiegen. Heute kommt es mir schon fasst so vor, als würden wir alle nur darauf warten bis endlich etwas geschieht. Wir wissen alle, dass es so nicht weitergehen kann, doch was sind wir wirklich bereit dafür zu tun?
In den meisten Bereichen sind die technischen und ökologischen Alternativen schon längst vorhanden, werden aber einfach noch nicht ausreichend genutzt. Wir alle stehen wie erstarrt vor unserer vielleicht größten Herausforderung in der Menschheits-Geschichte. Wir müssen lernen unseren Verstand wirklich zu gebrauchen noch bevor es zu spät ist, doch noch immer siegt anstatt dessen unsere konservative Bequemlichkeit.
Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert ! (Albert Einstein)
Meine Neugeburt:
Ich hatte eine riesige Wut auf all diesen Wahnsinn, und sie hat mich mein Leben lang angetrieben, und tut es vermutlich noch immer. Doch heute, nach einer Nahtoderfahrung im Jahr 2012, weiß ich, dass all dies nicht wirklich so schlimm ist wie es vielleicht aussieht. Das Leben ist ständig in Bewegung. Arten kommen und gehen schon immer auf diesem Planeten. Wir Menschen werden für unsere Fehler bezahlen, und das ist auch gerecht so. Doch es macht gar nichts, alles ist Teil einer größeren Wahrheit, in der die Zeit keine Rolle mehr spielt. Dann macht es gar nichts mehr aus, wenn unsere Erde vielleicht erst in ein paar hundert-tausend Jahren wieder neues Leben hervorbringen wird. Alles was war bleibt für immer erhalten, jede Information über jeden erdenklichen Moment ist im Kosmos gespeichert. Und alles Zeitlose wie die Liebe wird für immer weiterbestehen. Der Tod den wir auf Erden so sehr fürchten ist in Wahrheit nur eine Neugeburt in einen ganz anderen Bewusstseins-Zustand. Diese Erkenntnisse haben mein Leben komplett verändert. Seit her lebe ich endlich in Frieden und weiß mein größtes Glück wirklich zu schätzen, das wir alle haben die hier auf Erden wandeln: Das Leben selbst.
Lasst die Sonne rein!
Michel Daniek -12/2015