Olaf Borkner

Wer meine Strategie kennenlernen will, kann mich im Aktienboard-Forum besuchen:

http://www.aktienboard.com/forum/f40/finanzberatung-danke-olaf-borkner-delcarlo-t124785/#post2747552

Vom Kochlehrling zum Wissenschaftler

Angefangen hat alles damit, dass ich mit vier Geschwistern aufwachsen musste, mit denen ich mich nicht sonderlich verstand. Papa war Beamter, Mutter Beamtin, alle Geschwister Beamte.

Ich selbst, obwohl ich's einmal versucht habe, habe es nicht zum Beamten geschafft. Irgendetwas war zwischen uns --dem Staat und mir-- wir verstanden uns einfach nicht, also haben wir uns nach den 18 Monaten Polizeidienst, die ich statt des Wehrdienstes ableisten durfte, gütlich voneinander getrennt.

Und weil ich unbedingt Hochseefischer werden wollte, schickte man mich 14 jährigen Knirps nach dem Volksschulbesuch nach Reit im Winkl in die Kochlehre. Für die, die's nicht wissen; Reit im Winkl liegt hoch in den Alpen, hart an der Grenze zu Österreich. Klar, wer auf einem Hochsee-Trawler Dienst tun will, sollte die Berge kennen, das wird einem jeder Hamburger gerne bestätigen!

Die Kochlehre endete vorzeitig damit, dass ich zu Weihnachten einen Karpfen töten sollte. Aber der sah mich so traurig an, dass ich den Holzhammer, Holzhammer sein ließ und weinend die verrauchte Küche verließ. Meine Lehrherrin schüttelte nur den Kopf und meinte: "Der Bub sollte doch lieber Metzger werden."

So schnell können Karrieren enden.

Dann schickte man mich in die Lehre als Elektriker, bis mich der Chef der Fernsehabteilung zu sich nahm und ich den Rest meiner Lehrzeit als Fernsehtechnikerlehring verbrachte. Damals reiste man mit einem Röhrenkoffer von Kunde zu Kunde und reparierte vor Ort, die riesigen Kisten mit dem kleinen Bildschirm.

Nach einigen Episoden als Musiker versuchte ich's mal mit der Selbstständigkeit mitten im Bayrischen Wald, der damals noch tief und schwarz war. Ich verkaufte Fernsehgeräte und reparierte sie. Aber irgendwie fand ich, war das auch nicht meine Bestimmung, also entschloss ich mich nach Australien auszuwandern.

Dort begann eine wunderbare Zeit. Ich arbeitete bei General Electric, deren Aktien ich heute besitze (nicht alle natürlich), dann für die Firma Matsushita, die heute glaube ich Panasonic heißt. Für drei Jahre arbeitete ich bei TCN9 und ATN7, die damals größten australischen Fernsehketten.

Nach vier Jahren kehrte ich zurück nach Deutschland. Und eigentlich sollte es nur ein Urlaub werden. Meine Rückkehr nach Down Under stand kurz bevor, da las ich eine Annonce in der Süddeutschen Zeitung, in der stand; man könne die Mittlere Reife nachmachen, da konnte ich einfach nicht widerstehen.

Also machte ich die Mittlere Reife und weil's so schön war, gleich noch das Abitur hintendran. Abitur macht man in Bayern im April und Mai, mit dem Studieren fängt man an im November, jedenfalls ist das in München an der TU so. Geld hatte ich keines und so musste ich mir einen Job suchen, als Überbrückung bis zum Studienbeginn.

Hätte die Dame bei Manpower in ihrem Rolodex nur ein Kärtchen weiter vor oder zurück gegriffen, dann wäre mein Leben in völlig anderen Bahnen verlaufen. Denn so schickte sie mich zu MBB als Lektor für englische Handbücher und damit in die Arme einer kleinen süßen Italienerin, die fortan die Regie in meinem Leben übernehmen sollte, aber das wusste ich damals noch nicht.

Noch im selben Jahr stellte sie mich ihren Eltern vor. Die waren entsetzt als sie mich das erste Mal sahen. Flowerpower, mit hellblauen Hosen,einem grünen Hemd, das metallisch glänzte und einem riesigen Schlapphut auf dem Kopf. Natürlich rieten sie ihrer Tochter doch abzulassen von so einem Filou und Herumtreiber. Aber meine Freundin blieb stur und nach sechs Jahren heirateten wir.

Wer die spaßige Geschichte nachlesen will, kann das tun: Das Buch "Italien für Anfänger" beschreibt meine merkwürdigen Erfahrungen in Italien.

Nachdem wir ein Jahr verheiratet waren, legte sich der Widerwille meiner Schwiegereltern und machte Platz einer wirklich beeindruckenden Zuneigung. Die drückte sich darin aus, dass mein Teller beim Zuteilen der täglichen Spaghetti immer voller wurde.

Die Ehe hält seit nunmehr 30 Jahren und glänzt und glitzert stetig neu.

Ich studierte Informatik und weil das mit dem Abschluss ganz gut passte, durfte ich am Lehrstuhl für Bauinformatik von Herrn Prof. Dr. Heinrich Werner zum "Doctor rerum naturalium" promovieren (Doktor der Naturwissenschaften). Professor Werner war stets ein geduldiger und einfühlsamer Doktorvater, der mir, nach meiner Frau, zur wichtigsten Person in meinem Leben geworden ist und mit dem ich bis heute in Freundschaft verbunden bin.

Für eine Karriere an der Universität war ich dann doch schon zu alt und so ging ich nach Italien um mich dort als Unternehmer zu versuchen. Dank der dot.com Blase funktionierte das auch ganz gut und kurz bevor sie platzte, wurde meine erfolgreiche kleine Firma von meinem größten deutschen Geschäftspartner übernommen und man setzte mich als "Amministratore unico" für alle italienische Filialen ein.

Aber bald schon wurde mein Arbeitgeber von einer noch größeren amerikanischen Firma aufgekauft und die brauchten keine Filiale in Italien, die hatten schon mehrere. Also wurde ich vorzeitig in den Ruhestand geschickt.

Ich wusste, dass das mit meiner umlagefinanzierten Rente kaum etwas werden würde, also fing ich an, an der Börse zu spekulieren und das ging in den ersten Jahren fürchterlich in die Hose. Aber ich gab nicht auf und lernte. Das Wichtigste was ich lernte war: Höre auf keine Berater.

Heute kann ich von meinen Dividenden gut leben, die Rente ist nur das Tröpfchen auf dem heißen Lehmboden und verdampft schnell, wenn ich mit meiner Frau zum Essen gehe.

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