Ich habe viele Jahre als Forscher an einem außeruniversitären sozialwissenschaftlichen Institut gearbeitet, das Untersuchungen zur Lebenslage von Kindern und Jugendlichen durchführt.
Seit einigen Jahren bin ich staatlich anerkannter Müßiggänger. Das Schreiben macht mir weiterhin Spaß, meine anderen Hobbys sind Akkordeonspielen und Tangotanzen. Ich lebe in zwei Welten: im Sommer halte ich mich in Portugal und im Winter in München auf.
Weshalb interessiert mich das Thema Liebeskummer? Anlass war - wen wundert es -, dass ich selber Liebeskummer hatte. Und wie jeder Mensch hatte ich keine Lust zu leiden. Ich wollte den Liebeskummer so schnell wie möglich loswerden. Ich las daher sehr viele Ratgeber. Alle Autoren teilten offenbar die Überzeugung, dass erstens der Liebeskummer durch die andere Person verursacht werde und dass man zweitens erst bestimmte Phasen durchlaufen müsse, bevor man den Liebeskummer los sei.
Wenn man sich als Opfer sieht, als jemand, der durch das Verhalten eines anderen Menschen verletzt wurde, dann hat diese Sicht den Vorteil, dass man sich selber bemitleiden und auch des Mitleids seiner Umgebung ziemlich sicher sein kann. Wenn es stimmen würde, dass die Ursache des eigenen Schmerzes in der Außenwelt zu suchen ist, dann hätte man aber keinen Einfluss auf die Quelle des Leidens, man wäre im Grunde hilflos bzw. würde sich in unwirksamen Vorwürfen und Anschuldigungen gegenüber dem Anderen verrennen. Und wenn es wahr wäre, dass man bei Liebeskummer erst eine Reihe von Phasen durchlaufen müsste, dann würde es sehr lange dauern, bis man von diesem Kummer befreit ist.
Da ich weder hilfloses Opfer sein noch den Liebeskummer allzu lange ertragen wollte, fragte ich mich, ob die von den Autoren geteilten Ansichten überhaupt wahr sind. Könnte es eher stimmen, dass die Ursache meines Liebeskummers in mir, d.h. meinen ungeprüften Ansichten und Überzeugungen und nicht im Verhalten des Anderen liegt? Denn wenn dies der Fall ist, dann kann ich etwas tun, nämlich meine bisher für wahr gehaltenen Ansichten in Frage stellen und somit das dadurch erzeugte Leid beseitigen. Und dies könnte sogar sehr schnell gehen. Meine Erfahrungen haben mir gezeigt, dass ich mich mit diesen Überlegungen auf den richtigen Weg begeben habe.
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