André Baganz (* 8. Mai 1961 in Ost-Berlin) ist ein deutscher Buchautor, dessen Leben und Wirken eng mit seinen Erfahrungen als politischer Gefangener in der DDR verbunden ist.
Kindheit, Jugend und Fluchtversuch
Baganz wuchs als Sohn einer Lehrerin in Wismar und Streichwitz auf und erlernte den Beruf des Kfz-Mechanikers. Aufgrund seiner Hautfarbe – sein leiblicher Vater war Schwarzafrikaner – war er in der DDR, wie er später beschrieb, dem Alltagsrassismus ausgesetzt.
Diese Erfahrungen trugen zu seinem Entschluss bei, das Land zu verlassen. Im August 1981 versuchte Baganz zusammen mit seinem Freund, Andreas A., über die innerdeutsche Grenze aus der DDR zu fliehen. Der Versuch scheiterte: Die beiden wurden wegen versuchten ungesetzlichen Grenzübertritts festgenommen und in die Untersuchungshaftanstalt in Frankfurt (Oder) gebracht.
Spektakulärer Ausbruch und Haft
Nur einen Monat später, am Morgen des 20. September 1981, war André Baganz an einem der spektakulärsten und gewalttätigsten Gefängnisausbrüche der DDR-Geschichte beteiligt. Zusammen mit drei Mitgefangenen plante er den gewaltsamen Ausbruch aus der U-Haftanstalt. Bei der Durchführung kam es zu einer blutigen Geiselnahme, in deren Verlauf ein Volkspolizist getötet und ein Gefängniswärter angeschossen wurde. Die Geiselnehmer wurden schließlich von einer Spezialeinheit des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) überwältigt.
Baganz wurde wegen des gemeinschaftlichen Ausbruchs und der Geiselnahme zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe verurteilt. Er verbrachte die Haftjahre bis zur Wende in der berüchtigten Strafvollzugsanstalt Bautzen II.
Leben nach der Wende und Wirken als Autor
Nach dem Ende der DDR wurde André Baganz am 8. Mai 1991 aus dem Strafvollzug entlassen. Er ließ sich im Köln/Bonner Raum nieder, wo er zunächst in seinem erlernten Beruf arbeitete und anschließend 20 Jahre lang als Taxifahrer in Köln tätig war.
Heute lebt Baganz als Schriftsteller in Bonn. Er ist verheiratet und hat drei Töchter sowie mehrere Enkelkinder.
Seine Erfahrungen aus der politischen Haft verarbeitete er in seinem Buch „Der Solist“ (das auch unter den Titeln „Lebenslänglich Bautzen II“ und „Endstation Bautzen II“ erschien). Damit leistete er einen Beitrag zur Aufarbeitung der Justiz- und Haftverhältnisse in der späten DDR.