Ich bin 1942 in Teplitz-Schönau (heute Teplice), im damaligen Sudetenland, geboren. 1946 wurden wir aus der Heimat vertrieben. Über lange Irrwege und viele Stationen gelangten wir ins Flüchtlingslager Ebelsbach. Dort habe ich mit meiner Familie mehr als sechs Jahre gelebt. Über diese unruhigen Flucht-Zeiten habe ich bei Klett-Cotta ein Buch veröffentlicht, „Flüchtlingskinder gestern und heute“, das meine Lebensgeschichte und den Ausblick eines alten Psychoanalytikers auf die heutigen Zeiten enthält. Nach dem Abitur habe ich für das Lehramt an Volksschulen studiert mit den Fächern Mathematik und Physik. Weil mich meine eigene Psyche und die der Kinder immer interessiert hat, habe ich eine psychoanalytische Ausbildung begonnen und als analytischer Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeut abgeschlossen. 1973 habe ich begonnen, Kinder mit psychischen Störungen psychotherapeutisch zu behandeln. Wenig später habe ich auch angefangen, zu veröffentlichen und habe mittlerweile mehr als 200 Beiträge in Zeitschriften und für den Rundfunk veröffentlicht. Mein erstes Buch erschien bei rororo als Taschenbuch und befasste sich mit Kinderträumen. Es ist in dritter Auflage im Mabuse-Verlag erschienen. Ich habe später an der Fakultät für theoretische Medizin über die Träume von Kindern promoviert, war lange Zeit in eigener Praxis niedergelassen und wurde später therapeutischer Leiter des Therapiezentrums „Osterhof“ in Baiersbronn. Während dieser Zeit habe ich viele Bücher über fast alle psychischen Störungen bei Kindern und Jugendlichen verfasst oder herausgegeben, es sind, zähle ich auch einzelne Buchkapitel hinzu, bis heute über dreißig. Besonders interessiert hat mich die befremdliche Zunahme der Diagnose von ADHS, der Aufmerksamkeits-Hyperaktivitäts-Störung. Waren es 1991 noch etwa 1500 Kinder mit dieser Diagnose, so waren es im Jahr 2011 in Deutschland bereits 757 000 Kinder und Jugendliche, 558 000 davon sind Jungen, dies sind etwa 75 %. Mittlerweile erhalten etwa 12 % aller zehnjährigen Jungen diese Diagnose, also jeder achte Junge. Erklärt wird dieses Störungsbild mit einer angeborenen Störung der Transmitterfunktionen. Um den Jungen ihre Seele zurückzugeben, habe ich eines meiner wichtigsten Bücher verfasst: „Die Psychoanalyse des Jungen“, das in dritter Auflage erscheint. Für meinen Einsatz für die unruhigen Jungen wurde mir 2013 der Diotima-Ehrenpreis der Deutschen Psychotherapeutenschaft verliehen. Mit Christiane Lutz und Arne Burchartz gebe ich für den Kohlhammer Verlag eine Buchreihe heraus (Psychodynamische Psychotherapie mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im 21. Jahrhundert). Zurzeit arbeite ich an einem neuen Buch meines Lebensthemas „Jungen verstehen“, wiederum für den Verlag Klett-Cotta. Meine Vorstellung ist es, dass Unruhe, Aufmerksamkeitsstörungen sowie Impulsivität wieder eindeutige Aufgaben der Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapie und der Pädagogik werden sollten. Jungen brauchen Verständnis, Beziehung und Erziehung – jedoch keine Medikation.