Alexander Mehlmann

Alexander Mehlmann kam auf der anderen Seite des Borgopasses, der wohl (nach Bram Stoker) gottloseste Tummelplatz für Vampire, Wölfe und Fledermäuse, ungefähr ‚dort, wo das finstre Czernowitz an Lodomerien grenzt‘ (Peter Hammerschlag), somit tief im Herzen des von Gregor von Rezzori so meisterlich besungenen Maghrebinien, zur Welt. Das Studium der Mathematik an der Technischen Universität Wien verlief in den (vermutlich) althergebrachten Bahnen. Doch selbst im nüchternsten Wortschatz des Erbsenzählens verspürte er den schon längst verloren geglaubten Hauch pythagoräischer Poetik.

Gegen Ende seiner Lehrjahre fand er den provisorischen Passierschein ins Niemandsland zwischen Mathematik und Literatur. Mit einem Vortrag zur spieltheoretischen Interpretation der Teufelswette in „Faust“ erlangte er 1984 die Lehrbefugnis für das Fach Operations Research. Sein besonderes Interesse galt nunmehr mathematischen Methoden und Modellen zur Untersuchung literarischer Formen und Konfliktsituationen. Die Bandbreite seiner ganzjährig abgehaltenen Vorlesung mit Übung „Mathematik und Literatur“ reichte vom Schreiben unter mathematischen Zwängen - Oulipo, Perec, Queneau - bis zu den mathematischen Motiven in der Literatur. Im Rahmen des im Museumsquartier beheimateten kulturellen Projektes math.space betreute er laufend Veranstaltungen literarisch-mathematischen Zuschnitts.