Alfred Becker

Alfred Becker * 1938, studierte Anglistik und Theologie an der Universitäten Göttingen und Regensburg. Im Rahmen eines Oberseminars „Altenglische Dichtung“ bei Professor K.-H. Göller befaßte er sich mit den „Versen vom Wal“, der in Runen gehaltenen Inschrift auf der Vorderseite des Franks Casket, - die älteste im Original erhaltene Stabreimdichtung. Dabei erkannte er die Relation von Rune und Bild und Zahl, ein Thema, das er im Rahmen seiner Dissertation weiterverfolgte. Seine Studien führten ihn nach London, wo er sich am Britischen Museum und dort in der British Library weiter mit dem Gegenstand befaßte. – Seine Arbeit war, wie sein Doktorvater später bekundete, „... die aparteste und selbständigste aller bei mir entstandenen Dr.-Dissertationen.“ – Während jener Zeit war der Verfasser als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Regensburg tätig, von wo aus er einer Einladung nach Texas/USA folgte, um dort an der Midwestern University als Gastprofessor zu lehren. Nach seiner Rückkehr arbeitete er als Lehrer und Privatdozent in Bremen und Niedersachsen. Seine Forschungen, vertieft nach seinem Eintritt in den Ruhstand, verbinden ihn mit Fachkollegen weltweit.

Aber warum steht dieses eine Objekt im Mittelpunkt der Betrachtungen? Weil es nur nach und nach seine tiefere Bedeutung preisgab: Nachdem die Beziehung zwischen Bild und Text (Vorderseite) geklärt war, enthüllte die Bilderfolge ihren Sinn. Dann trat die Zahl in den Vordergrund, 72 Runen; dann deren Runenwert, hier 720. Schließlich deren Kalenderfunktion. Ein solarer 10-Jahres-Kalender und sein lunares Pendant, synchronisiert durch einen metonischen Zyklus Es folgten die Wochentage, vertreten durch die Gottheiten hinter den Bildern, die Jahreszeiten, der Zodiak und das Äon. – Es dürfte nördlich wohl kein Denkmal geben, das soviel in sich verbirgt und dem soviel abgewonnen wurde wie dem Runenkästchen von Auzon, wie es nach seinem Fundort auch genannt wird.

Weitere Veröffentlichungen:

Alfred Becker: Franks Casket. Zu den Bildern und Inschriften des Runenkästchens von Auzon. (= Sprache und Literatur. Regensburger Arbeiten zur Anglistik und Amerikanistik. Band 5). Carl, Regensburg 1973, ISBN 3-418-00205-6.

Alfred Becker: Franks Casket Revisited. In: Asterisk. A Quarterly Journal of Historical English Studies. 12/2, 2003, S. 83–128.

Alfred Becker: The Virgin and the Vamp. In: Asterisk.A Quarterly Journal of Historical English Studies. 12/4, 2003, S. 201–209.

Alfred Becker: A Magic Spell „powered by“ a Lunisolar Calendar. In: Asterisk. A Quarterly Journal of Historical English Studies. 15, 2006, S. 55–73.

Alfred Becker: Franks Casket; Ein Schicksalszauber und der Lunisolarkalender In: Andreas Zautner, Der gebundene Mondkalender der Germanen, bookra, Leipzig 2013, S. 176–187; Englische Ausgabe: Andreas Zautner,The Lunisolarsolar Calendar of the Germanic Peoples BoD 2021.

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