Eckard Michels

Ich wäre fast 1986 im Alter von 24 Jahren in die Fremdenlegion eingetreten. Von famliärer Seite bestand und besteht noch heute eine gewisse Affinität zu Frankreich, die mich damals auf diese verrückte Idee gebracht hatte. Stattdessen beschloss ich, lieber mein Geschichtsstudium in Hamburg zu beenden. Der Zufall und der Mangel an attraktiven beruflichen Alternativen wollten es, dass ich eine Karriere als professioneller Historiker einschlug, obwohl ich dies eigentlich nie geplant hatte. Nach der Promotion in Hamburg 1993 zu einem deutsch-französischen Thema und einem Zwischenspiel im Bonner Haus der Geschichte lebte ich ein Jahr in Paris, um mein Buch über die Deutschen in der Fremdenlegion zu recherchieren und zu verfassen. Wenn ich schon nicht selber Legionär geworden war, wollte ich mich wenigstens als Historiker diesem Thema nähern. Seit 1997 arbeite ich als Dozent für Geschichte am Londoner Birkbeck College. Im Laufe der Jahre habe ich noch andere Bücher zu Themen der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts geschrieben: über die Ursprünge des heutigen Goethe-Instituts, die in die Weimarer Republik zurückreichen; den Kolonialoffizier Paul von Lettow-Vorbeck, der im Ersten Weltkrieg als Verteiger Deutsch-Ostafrikas berühmt wurde sowie den "Kanzleramtsspion" Günter Guillaume, über den Willy Brandt stürzte. Pünktlich zum 50. Jahrestag erscheint mein Buch über den Besuch des iranischen Schahs 1967 in der Bundesrepublik und die Erschießung des Studenten Benno Ohnesorg in West-Berlin anlässlich einer Demonstration gegen diesen Statsbesuch, was zum Auslöser des westdeutschen "1968" wurde.