Bernhard Schulz

B.S., „bezet“, Bernhard Schulz (* 22. April 1913 in Lindlar; † 24. März 2003 in Osnabrück) ist ein längst anerkannter Meister des Feuilletons und der Kurzgeschichte, der uns im Stil eines poetischen Realismus seine Erfahrungen und Beobachtungen mitteilt. Einer, der die Sprache so sehr beherrscht, dass er modische Klischees nicht nötig hat und nur durch die innere Einfachheit des Stils eine überzeugende Harmonie der Sprache erreicht und konzentriert Welt einfängt: unseren kleinen Alltag und das uns nicht von den Stühlen reißende Milieu. Wer noch kann so schreiben und die Sprachbrücke zwischen uns und dem Leben bauen mit Worten der Humanität und einer nicht zu zerstörenden Liebe zum Leben? Man hat jeden Moment das Gefühl, dass die Geschichten authentisch und voll Leben sind. B.S. war ein immer liebevoller Sucher nach den menschlich echten Haltungen und ein scharfer Beobachter mit Herz. Lächeln und leise Wehmut, aber nie die Resignation oder tödliche Trauer stehen über diesem breit gefächerten Werk der Feuilletons, Geschichten, Erzählungen und Romane. Und was diese Literatur so liebenswert macht, ist die Fabulierlust, die dem Leser zugleich Schmerz und Glück ins Herz legt. Nicht die Lust zu philosophieren, zu dramatisieren brilliert, nur die Freude an der lebensnahen Nuance und die still daherkommende und immer treffende Pointe. Ein Meister der kleinen Form ist Bernhard Schulz mit seinen souverän durchkomponierten Geschichten, die in einer Zeit der Schreibexperimente mit Ihrem einfachen und verblüffend eleganten Stil höchste literarische Qualität präsentieren.

Alle große Dichtung ist Spiegelung des Lebens. Und wenn "Die Welt" und die "Bremer Nachrichten" B.S. mit dem weltbekannten Meister des Feuilletons, Victor Auburtin oder mit dem Kalendergeschichtenerzähler Johann Peter Hebel vergleichen, so tun sie recht. Die "Berliner Morgenpost" schrieb: "Die Welt dieses ausgezeichneten Feuilletonisten liegt in Niedersachsen, und wenn man von der Autobahn ins Grüne herunterfährt, dann kann es geschehen, dass einem die Kindheitsgeschichten, die B.S. schreibt, entgegenkommen." Und wir lasen jahrzehntelang täglich in der Osnabrücker Zeitung „bezets“ Familiengeschichten, die betrüblichen wie die erfreulichen, wortwörtlich und schön verpackt in Feuilletons und Kurzgeschichten. Das "Oberbayrische Volksblatt" hat das auf diesen Nenner gebracht: „Es ist ein leiser, guter Humor auf diesen Seiten, viel unsentimentale Einsicht in das Leben der kleinen Leute, ein dörflicher Böll, doch versöhnlicher."

Stimmen einiger Osnabrücker Kritiker: Manfred Böhmer schrieb: „Der ironische Feuilletonist entwickelte sich im Lauf der Jahre zu einem Erzähler, der skeptisch gestimmt gegen zweifelhafte Segnungen der Technik, abgenutzte Worte und falsche Ideale - mit Vorliebe, aber ohne Sentimentalität das einfache Leben beschreibt." „Es ist das Besondere an diesem Autor", sagte Karl Kühling, "dass er im Alltag das nicht-alltägliche, im Absonderlichen das Liebenswürdige zu finden versteht, dass er es mit einem stillen Lächeln erzählt und dass in das Lächeln gelegentlich eine heimliche Träne schimmert."„Hinzu kommt die gute, klare und beherrschte Sprache des Autors," schrieb Hanns-Gerd Rabe, "eine Sprache, die keiner modernen Verschrobenheit verfällt, keiner barocken Unlesbarkeit, sondern die sich in ihrem Stil der wertvollen Substanz der deutschen Sprache bewusst ist." Die Liebe der Leser und das positive Echo der Kritiker da konnte der Erfolg nicht ausbleiben. „Ich habe mit fast atemlosem Entzücken sein neues schönes Buch gelesen" schrieb Ludwig Bäte in einer Buchbesprechung. Und Helmut Hertel sagte es so: „Wer seine Bücher kennt, weiß, dass ihn auch hier ein literarischer Leckerbissen erwartet."

„Herr über tausend Kurzgeschichten" hat ihn einmal eine Zeitung genannt. Er ist durch die Schule des Feuilletons gegangen und hat eine eigene Literaturform lebendig werden lassen: beschaulich, humorig und beispielhaft. Er sieht dem kleinen Mann auf die Hände, in die Augen und ins Herz - und das ohne Sentimentalität. So zu schreiben, das ist sein Stil.

Und die Themen? Sie liegen für ihn auf der Straße. Aus allem, was er sieht und hört und aufnimmt, werden Geschichten. „Ich brauche mich nur zu bücken", sagt er, doch bevor er sich bückt, beobachtet er scharf und kritisch, aber nie ohne Herz. Immer stellt er sich auf die Seite der Schwachen, der Enttäuschten, der vom Leben Gebeutelten. Er überzeugt, wenn er ganz schlicht unseren Alltag und ein Milieu schildert, das sonst niemand wahrnimmt.

Er selber, will man ihm zum Mittelpunkt machen, zieht sich bescheiden zurück: so wie er mit seiner Sprache umgeht, ruhig und genau, behutsam und humorig.

Mehr Infos zu Bernhard Schulz:

Offizielle Homepage: http://bernhardschulz.de/

Wikipedia Artikel: https://de.wikipedia.org/wiki/Bernhard_Schulz

CV Bernhard Schulz

Jedermanns Lebenslauf beginnt mit der Feststellung, wann und wo er geboren wurde. Also, ich kam am 22. April 1913 in Lindlar zur Welt. Es war ein Ostersonntag, ein Morgen voller Glockengeläut und Narzissenduft, aber in den Gardinen hing Pulvergeruch und am Himmel von der Wahner Heide her der Donner Kruppscher Kanonen. Der Weltkrieg mit der Nummer Eins kündigte sich an. Nach acht Jahren Volksschule bemühte ich mich in Engelskirchen und später in Wipperfürth um Kenntnisse in Deutsch, Latein und Griechisch. Als Berufsziel gab ich „Journalist“ an. Die Rheinisch-Bergische Zeitung in Bergisch Gladbach nahm mich als Volontär und Mitarbeiter an. Eine Zeit, die 1936 durch meine Einberufung zum Militärdienst unterbrochen wurde. Ich diente in Neumünster bei der Infanterie. Aus dem Waffenrock entlassen, erhielt ich eine Anstellung als Redakteur in einem Verlag in Hannover, aber in der Gardine hing schon wieder Pulvergeruch und am Himmel der Donner Kruppscher Kanonen. Diesmal standen die Kanonen auf dem Truppenübungsplatz Bergen-Belsen. Am 1. August 1939 forderte die Wehrmacht meine Dienste als Gewehrschütze an. Den Winter über lag ich in eine Zeltbahn gehüllt auf der Erde in der Eifel. Dann wurden mir Holland, Belgien, Frankreich und die Kanalinsel Alderney angeboten, und als Abenteuer besonderer Siegeszuversicht der Feldzug in Russland. Vor Berlin geriet ich 1945 in amerikanische Gefangenschaft. In Rheinberg bei Wesel lag ich, diesmal in eine Ami Zeltbahn eingewickelt, sechs Monate ohne Dach auf einem Acker: Rache für Auschwitz. Den Namen Auschwitz habe ich damals zum ersten Mal gehört. Nach der Entlassung fand ich in Osnabrück bei einer Tageszeitung eine Anstellung als Redakteur bis zum Eintritt ins Rentenalter. Ich bin verheiratet und habe drei Kinder, und in den Gardinen…, aber lassen wir das.

Ich über mich

Geboren wurde ich 1913 in Lindlar. Ich besuchte die Paritätische Höhere Lehran¬stalt in Engelskirchen und das Humanisti¬sche Gymnasium in Wipperfürth und gab als Berufsziel Journalismus an. In Ber¬gisch Gladbach volontierte ich bei der Rheinisch Bergischen Zeitung, Verlag Johann Heider. In dieser Zeit haben zwei Personen meine Bemühungen schreiben zu lernen, väterlich wohlwollend und tat-kräftig unterstützt: der Rektor Dr. Anton Jux in Bergisch Gladbach und in Engels¬kirchen der Zeitungsverleger Edmund Schiefeling. Ich arbeitete als Redakteur, Lektor und freischaffender Journalist in Eckernförde, Hannover und Berlin. Nach acht Jahren Militärdienst, Krieg und Ge¬fangenschaft fand ich in Osnabrück als Redakteur einer Tageszeitung den neuen Anfang. Buchausgaben meiner Romane, Erzählungen und Kurzgeschichten erschie¬nen in Verlagen in Berlin, München, Frankfurt am Main, Heil¬bronn, Hamburg und Köln. Ich lebe im Ruhestand in Osnabrück, wohne zur Mie¬te, bin verheiratet und habe drei Kinder.

BERNHARD SCHULZ wurde 1913 in Lindllar geboren, einem Dorf im Oberbergischen Land, in dem er "mit dem Duft von Heu in der Nase zwischen Hühnern und Kaninchen aufwuchs", wie er gerne sagt. Nach dem Besuch der Volksschule, einer Zwergschule, gaben ihn die Eltern an ein Internat ab, in dem Latein und Griechisch gepaukt wurde mit dem Ziel, aus den Zöglingen Missionare zu machen. B. S. neigte eher dazu, so erfolgreich schreiben zu lernen wie Ludwig Ganghofer oder doch mindestens so spannend wie Karl May, die beide unter der Bank geschmökert wurden. Aus Karl May wurde so wenig wie aus dem Geigenspiel, das im späteren Leben dem Zustand anhaltender Erwerbslosigkeit dienen sollte. Immerhin war der Weg zum Gedruckten vorgezeichnet. B.S. entschloß sich, Journalist zu werden, um die „Tyrannei, die bereits an Knaben verübt wurde, zu bekämpfen“. Als Redakteur arbeitete er „von der Pike auf" bei Zeitungen, Zeitschriften und Pressediensten. Sein Weg führte von Köln über Hannover nach Berlin. Im August 1939 berief ihn der „Größte Feldherr aller Zeiten" zu den Waffen. Die Waffen waren das Gewehr 98 und zwei Patronentaschen. Es folgten ein harter Winter in einem Wald an der belgischen Grenze. Der Marsch durch Frankreich bis Cherbourg, die Einnahme der Kanalinsel Aldlerney und der lange Feldzug in Rußland.1945 kehrte B.S. aus amerikanischer Gefangenschaft nach Osnabrück zurück, in die ursprüngliche Heimat seiner Familie. Dort wirkte er als Feuilletonchef an der Zeitung "Neue Tagespost“. 24 Bücher und fast 2.400 Kurzgeschichten sind seit 1934 bisher erschienen. „Die Krähen von Maklaki" (1967), Erzählungen aus dem Winterfeldzug in Rußland wurden sogar ins Russische übersetzt. Die Leser unter Gorbatschow lobten an diesem Buch die „humane Haltung des Autors“ und seinen „Protest gegen den Krieg".

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