Gottfried Wolmeringer

57 geboren, hatte ich es natürlich nicht leicht, obwohl es das Jahr des Griffs in den Kosmos war. Es war aber auch ein kalter Winter und man schob mich bedenklich nahe an den Kohleofen, damit ich nicht erfror. Neugierig, wie ich seit dem Eisprung war, zog ich behende den Schürhaken aus der Aschetür. Man fand mich brüllend, mit dem am Ende glühenden Eisen in meinen Fäusten.

Wie war das noch mit Herkules?

Ich jedenfalls hatte meine Bestimmung gefunden, nämlich die eines Schmiedes; Herr über den Stahl und das Feuer.

Zunächst war es dieses Eisen und der Stahl der mich forderte. Schließlich leitet sich der Name des Bergwerksortes Volmerange (Vvalanbriga) von Valand, einem keltischen Heroen ab, den wir im Deutschen Wieland nennen.

"Was du ererbt von deinen Vätern hast,

erwirb es, um es zu besitzen!

Was man nicht nützt, ist eine schwere Last... <<

Es war eine mehrtausendjährige Last, die mich rief. Nachdem ich mitgeholfen hatte Mio. Tonnen des harten Metalls zu gewinnen und Edelstähle für den Bau der Saturn V zu laborieren, verdingte ich mich bei einer Softwareschmiede. Hatte doch ein François-Georges Volmerange bereits 1910 die elektromechanische Rechenmaschine erfunden.

Losgelöst von den ehernen Gesetzen der erdgebundenen Elemente hämmerte ich Jahrzehnte aus virtuellen wolkenschloßgleichen Gedanken fassbare Kodekaskaden, die die turingvollständigen Maschinen zu beeindruckensten Kapriolen auf der GKS gesteuerten Mattscheibe bewegten.

Doch wieder reizte mich das Neue.

Die Schmiede des Wortes, die Autorenschaft, rief zu neuen Taten.

Schon seit Jahrhunderten in unserer Familie gepflegt, die ob ihrer stets raren Mitgliederzahl selbst einen Highländer zu Völkerschaften werden läßt, trete ich nun das schwerste Erbe an. Von ersten althochdeutschen Urkunden über Werke aller Arten, vom Strategien der Kriegsführung aus der Feder des Tapfersten der Tapferen, Übersetzungen aus dem Japanischen bis zu Hunderten Büchern über Kosmologie findet sich alles in unseren Annalen was überhaupt nur in Worten geschmiedet sein kann.

„Da steh ich nun, ich armer Tor, und bin so winzig nur, so elend wie zuvor!"

Wie soll ich's wagen mit meinen Ahnen, mit Titanen mich zu messen?

Hier kann mich retten nur ein Kryptonym...

Denn niemand bin ich, niemand kann ich sein.

Denn nur der den keiner kennt und keiner nennt schafft Werke aus sich selbt von Wert.

Drum komm du edles Feengespinst,

birg mir mein Haupt,

wie einst der Nibelungen Sproß

Denn Nacht und Nebel,

Niemand gleich...

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