Ingo Böhme

Ich kam erst über lange Umwege zum Schreiben. Nach vielen gescheiterten Versuchen, das passende Studium für mich zu finden, gelangte ich nach 2 Semestern VWL in Bonn, 2 Semestern Mathe in Mainz und 8 Semestern Wirtschaftsinformatik in Mannheim ans CDI. Das CDI war in den 90er Jahren, als das Arbeitsamt jeden Job-Suchenden zum IT-ler umschulen ließ, DIE Adresse für die Ausbildung und den ersten Schritt in die IT-Welt.

Nun konnte man mir dort nicht mehr viel beibringen, weil ich seit meinem 15. Lebensjahr - und das lag 1990 bereits knapp 12 Jahre zurück ;-) - programmierte. Mit Begeisterung. Manchmal - sehr zum Leidwesen meiner jeweiligen Partnerin - sogar nachts. So absolvierte ich dort eine - für mich - Proforma-Aufbildung zum "Organisationsprogrammierer UNIX" . Na ja, um irgend einen Schein in der Hand zu haben.

Ich hatte kaum meine letzte Klausur geschrieben, da holte mich der Institutsleiter als "Instruktor" - oder Dozent, wie man heute sagen würde - an Bord. Diesen Job machte ich sehr gerne, musste ihn aber aus gesundheitlichen Gründen nach zwei Jahren aufgeben.

Dann packte ich meine Sieben Sachen und Zug nach San Agustín auf Gran Canaria. Dort schrieb ich erstmals etwas, nämlich (1993!!!) einen Fernkurs für ein Schweizer Lehrinstitut. Und das machte mir so viel Spass, dass ich, kaum von meiner Schnapsidee, in der Fremde mein Glück zu finden, geheilt, mich als Redakteur bei IT Zeitschriften bewarb.

Der damalige Chefredakteur der Zeitschrift DOS International gab mir eine Chance. Wie ich später erfuhr weniger aus Überzeugung, ich sei so toll, wie ich mich fühlte, sondern weil auch er vorhatte, nach Spanien auszuwandern. Jedenfalls blieb ich zwei Jahre bei der DOS, die zwischenzeitlich - mehrfach umbenannt - unter dem Namen PC Magazin im Handel zu bekommen ist. Nun ja ... viel ist leider nicht übrig geblieben, von unserem damaligen Enthusiasmus.

Egal! Von 1995 bis 2005 stand ich dann auf Freiers-Füßen ... sprich: Ich arbeitete als freier Journalist für nahezu alle Computermagazine. Ein paar zaghafte Versuche, das Genre zu wechseln, schlugen kläglich fehl. In der Zeit verfasste ich größtenteils Artikel. Aber von Zeit zu Zeit überredeten mich meine Lektoren dann doch dazu, mich wieder einmal an einem Buch zu versuchen. Und stets war es mein Ego, das mich dazu trieb. Denn unter finanziellen Gesichtspunkten waren Artikel deutlich lukrativer.

Doch 2005 änderte sich so einiges in meinem Leben. Meine Frau starb und ich - ehemals Mr Kinderhasser - war alleine mit meinen damals 5-jährigen Zwillingen. Ein wenig Sicherheit musste her. Und die fand ich bei der Zeitschrift PC Professional (ehemals Zieff Davis Verlag), wo ich im Bereichen Security schrieb. Zugegeben grundsätzlich ein ganz interessantes Thema. Besonders, wenn die latente kriminelle Energie so ausgeprägt ist, wie bei mir. Aber bei der PC Pro erwies es sich als eher dröge. So war es für mich nicht so schlimm, als 2007 eine Heuschrecke den Verlag übernahm und sich für ein paar Euro mehr entschied, die der Verkauf der Adressen anstelle der gesamten Zeitschrift brachte. Dass dabei 100 Leute ihren Job verloren ... aber was reg ich mich auf.

Nach einer gemütlichen Zeit der Arbeitslosigkeit, die ich in den Cafés von München sehr genossen habe, kam ich wie die Jungfrau zum Kinde in die Redaktion der MAC UP - heute leider auch den Weg alles Irdischen gegangen. Ich sollte dort als Redakteur arbeiten. Meine Aussage "Ich kenn mich nich´mit Macs aus und will es auch gar nicht" wischte der Chefredakteur - der Mann der Patentante meiner Kids - mit den Worten weg "Ich kenn Dich als guter Redakteur und Du sollst die Artikel ja nur in Form bringen". Mit der Aussage "Ich bring´ aber meinen Tablett-PC mit und redigiere da drauf" war der Deal perfekt und ich fing Anfang 2008 an. Und was soll ich sagen ... es dauerte keine 2 Wochen und ich war infiziert. Und heute steht kein einziges Windows-Gerät bei mir rum und jeder, der mich die letzten Jahre kennengelernt hat, hält mich für den eingefleischten Macianer. Wenn die wüsten, dass es eher eine Saulus-Paulus-Geschichte war ...

Ich arbeitete ein Jahr bei der MAC UP und geriet natürlich in den gerade beginnenden iPhone Hype. Tja und was soll ich sagen ... es hat mich gepackt. Und als ich mich dann auch noch durch diese superhyperdumpfbackigkomplizierterscheinende ... und nach 6 Monaten der Geduld und Toleranz wunderbare Entwickleroberfläche Xcode von Apple gewöhnt hatte, gab es für mich kein Zurück mehr.

Mittlerweile arbeite ich wieder als Programmierung. Nach knapp 20 Jahren hab ich der Journaille den Rücken gekehrt und mich als iOS Entwickler anstellen lassen, wo ich unter anderen in Auftrag für diesen großen deutschen Versicherungskonzern (neeee, ich darf doch keine Namen nennen ;-) eine iPad App für den Bereich Investor Relations konzipiert und realisiert habe. Hey ... und trotz des schnöden Themas ist es eine wirklich schöne App geworden.

So. Nun tun mir die Finger weh. Denn im Gegensatz zu meinen Büchern, die ich mit Spracherkennung gesprochen/-schrieben habe, hab ich diese Bio getippt. Na ja ... ist mir leicht gefallen. Denn Prosa ist auch der Bereich, in dem ich mich künftig versuchen werde ... schau mer ma

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