Dietmar Schultke, Jahrgang 1967, unterhielt seit seinem zehnten Lebensjahr eine Brieffreundschaft mit einer in New York lebenden Deutsch-Amerikanerin. Der Briefwechsel weckte sein Fernweh und als 16-Jähriger wollte er in die USA auswandern. Nach dem Schulbesuch absolvierte Schultke eine Lehre zum Zerspanungsfacharbeiter für Bohrwerkstechnik und arbeitete danach in diesem Beruf. Von 1987 bis 1988 diente er als wehrpflichtiger DDR-Grenzsoldat an der innerdeutschen Grenze. Sein Einsatzort war der Brocken im Harz. Wegen des rigiden Überwachungsapparates unternahm er keinen Fluchtversuch. Ein Verstoß gegen die Dienstwaffenordnung (er ließ nach einer Grenzschicht seine Kalaschnikow im Wald zurück) führte zu einer Degradierung. Schultke bezeichnete die Degradierung als sein glücklichstes Erlebnis bei den Grenztruppen. Zwischen 1988 und 1990 arbeitete er als Krankenpflegehelfer. Im Winter 1989/90 erfolgte die Ausreise über das Notaufnahmelager Marienfelde nach Westdeutschland. Im Sommer 1990 bereiste er für mehrere Monate die USA und Kanada. Danach holte Schultke das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nach und belegte ein Studium der Politikwissenschaften, Raumplanung, Erziehungswissenschaften und Psychologie an den Universitäten Duisburg und Dortmund.1994 war er beim Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen in New York tätig und 2000 auf der Expo 2000 in Hannover. Dietmar Schultke arbeitet als Referent für historische Bildung und ist als Experte und Zeitzeuge zum Grenzregime der DDR mehrfach für Filmdokumentationen tätig gewesen. Er ist Mitglied im Verband deutscher Schriftsteller. Seit 2018 bietet er für historisch interessierte Bürger Führungen auf den Brocken an, wobei seine Erlebnisse als DDR-Grenzsoldat im Mittelpunkt stehen