Tarnschriften sind Bücher und Druckwerke, die verbotene oder gefährliche Inhalte in einem unverfänglichen Gewand präsentieren. Die meisten Tarnschriften exisieren aus der Zeit des Nationalsozialismus in Europa und wurden entweder von kommunistischen Gruppen oder den Alliierten herausgegeben. Eine Bibliographie Heinz Gittigs der bekannten Tarnschriften von 1933 bis 1945 verzeichnet schon mehr als 1.000 Titel, die in diesem Zeitraum erschienen sind.

Später waren es Untergrundgruppen wie die RAF, die Texte in dieser Art veröffentlichten. Aber auch Tarnschriften aus der DDR sind uns erhalten geblieben.

Durch ihre Seltenheit sind Tarnschriften beliebte Sammelobjekte. Entdecken Sie jetzt eine Auswahl der Tarnschriften, die im ZVAB erhältlich sind und immer wieder zum Nachdenken und Schmunzeln einladen.


Deutsche Tarnschriften zur Zeit des Faschismus und Nationalsozialismus

Vi kom alligevel.
1943

Tarnschrift der norwegischen Exilregierung für Dänen mit Texten von Nordahl Grieg, Terje Wold und anderen.

Noch fahren U-Boote aus.
1943

Tarnschrift einer gleichaussehenden Broschüre der Kriegsmarine zum Anwerben von Jugendlichen zur Marine. Die durchweg getarnte Schrift soll die Jugendlichen u.a. mit einer Aufzählung der gegnerischen Mittel zum Aufspüren von U-Booten verunsichern.

Im Kampf um das Reich
1944

Der ursprüngliche Text stammt von Bismarck, der hier wie ein Band der Reclam Universal-Bibliothek gestaltet ist. In Wahrheit enthält das Buch jedoch Ein Rechenschaftsbericht – Im Kampf um das Reich von Karl Heinz Bergmann der Bewegung Freies Deutschland. Der Inhalt umfasst Kapitel wie Obdachlos - Heimatlos - Ein Volk auf Wanderschaft und Die Menschen im Kriege.

Das Leben eines U-Bootmanns.
1942

Außen als ein Werbeprospekt der Nationalsozialisten getarnt, vorne mit einem Bild des Marine-Ehrenmal in Laboe, hinten mit einem Aufruf "Freiwillige für die U-Bootwaffe vor!", zeigt der Comic innen das wahre Leben und Schicksal der deutschen Seeleute.

Der Mittelstreckenlauf im Bild.
1937

Enthält in Wirklichkeit "Die Kommunistische Internationale" Nr. 4 1937 mit Texten von Georgi Dimitroff, Peter Wieden und anderen.

Suren-Gymnastik mit Sportgerät.
1937

Enthält tatsächlich "Die Kommunistische Internationale" Nr. 2 1937 mit Texten von M. Ercoli [d.i. Palmiro Togliatti] u.a. zum Spanischen Bürgerkrieg und anderen Themen der Internationale.

Deutsch für Deutsche
1935/1978

Ursprünglich herausgegeben im Juni 1935 vom Schutzverband deutscher Schriftsteller Sektion Frankreich, wurde diese Tarnschrift 1978 von Zweitausendeins als Nachdruck wieder aufgelegt. Mit einem Nachwort von Theo Pinkus. Die Tarnschrift erschien 1935 im Format 8 x 12 cm und wurde für diese Ausgabe um 25% vergrößert.

Augen auf! Das Büchlein zur Unfallverhütung für jung und alt!
1937

Dieser Titel verbirgt Die Kommunistische Internationale mit Texten von Georgi Dimitroff und Klement Gottwald, die unter anderem über den Spanischen Bürgerkrieg informieren.

Das kleine Buch der Dichterbilder
1938

Dieses angeblich literarische Buch enthält tatsächlich zwei Texte von Julio lvarez del Vayo und Juan Negrin über den Spanischen Bürgerkrieg.

Don Juans schönstes Liebesabenteuer
1937

Enthält in Wirklichkeit: Georgi Dimitroffs Die Volksfront zum Kampf gegen Faschismus und Krieg. Der Text erschien zuerst 1936 in der "Prawda".

Spätere Tarnschriften

Besetzte Häuser und wem sie gehören
1982

Eine Auflistung besetzter Häuser in Kreuzberg mit Anschrift und Telefonnummern der Eigentümer, getarnt als amtliches Fernsprechbuch.

Die rote Zora

Das bekannte Jugendbuch verbirgt bei dieser Tarnschrift die Texte der gleichnamigen Gruppe Rote Zora, die in den 1970er Jahren in Deutschland aktiv war. Der Name der Gruppe geht dabei tatsächlich auf dieses Buch zurück.

Im gesamten Tarnschriften-Angebot stöbern