Faksimiles – Die Faszination mittelalterlicher BuchkunstChristian Ziereis

Das Wort Faksimile stammt aus dem Lateinischen fac simile, was so viel bedeutet wie "mach es ähnlich". Und damit ist klar, was ein Faksimile einer mittelalterlichen Handschrift ist, nämlich möglichst deren detailgetreue Nachbildung. Bei einem guten Faksimile kann man bereits bei normalem Betrachtungsabstand Nachdruck und Original nicht mehr unterscheiden. Dies wird zum einen dadurch erreicht, dass wo immer möglich die Materialien des Originals auch beim Faksimile verwendet werden: Gold und Silber, Edelsteine, Holz und Leder. Selbst das mittelalterliche Pergament wird durch Spezialpapier ersetzt, das in Haptik, Farbe und Grammatur dem Original gleichkommt. Zum anderen werden sämtliche Gebrauchs- oder Alterspuren, Risse, Löcher und Nähte, sogar Wasserränder einer Originalhandschrift im Faksimile nachempfunden. Die Materialien, der hohe und aufwendige Anteil an Handarbeit sowie weitere Faktoren erklären auch den relativ hohen Preis von guten Faksimileausgaben.

Wozu ein Faksimile?

Aus dem Mittelalter haben einige prächtig illuminierte Handschriften bis in unsere Tage überdauert. Diese werden zum größten Teil in Museen oder Bibliotheken verwahrt. Aufgrund des konservatorischen Auftrags dieser öffentlichen Einrichtungen, werden die Prachthandschriften nur äußerst selten der Öffentlichkeit gezeigt. Und selbst dann kann natürlich nicht geblättert werden und es ist leider nur eine Doppelseite zu sehen. Damit also auch der interessierte Laie Zugang zu diesen Werken erhält, die sicherlich zu den schönsten Büchern der Menschheitsgeschichte zählen, werden – oft in limitierter Auflage – hochwertige Faksimileausgaben hergestellt. Dazu haben uns das eingestürzte Stadtarchiv in Köln oder die durch Feuer verwüstete Anna Amalia Bibliothek in Weimar vor Augen gerufen, wie schnell selbst in heutiger Zeit einmalige Kunstschätze für immer verloren sind.

Grob einteilen lassen sich die illuminierten, also von Malern mit farbenfrohen Miniaturen ausgestatteten Handschriften aus dem Mittelalter in drei Kategorien:

Bibeln und Evangeliare

Vor allem im frühen und im Hochmittelalter (etwa 7. bis 13. Jahrhundert) wurden Bücher ausschließlich in den Schreibstuben der Klöster hergestellt. Dadurch wird verständlich, dass vor allem christlich liturgische Schriften und die Bibel kopiert und prächtig ausgestattet wurden. Zu den berühmtesten Evangeliaren und Bibeln, häufig in Auftrag gegeben von Päpsten und Kaisern, gehören:

Book of Kells
Irland, um 800
Bamberger Apokalypse
Reichenau, um 1000
Kreuzritterbibel
Paris, um 1250
Evangeliar Heinrichs des Löwen
Helmarshausen, um 1175

Stunden- und Gebetbücher

Ab dem 14. Jahrhundert entstanden zunächst in Italien und Frankreich private Ateliers, die berühmte Buchmaler hervorbrachten. Von diesem Zeitpunkt traten oft das reiche Bürgertum und der Adel als Mäzenen auf und ließen sich zur privaten Andacht Gebetbücher anfertigen, die von Malergenies wie Jan van Eyck oder Simon Bening mit Miniaturen ausgestattet wurden:

Très Riches Heures
Frankreich, um 1415
Schwarzes Stundenbuch
Brügge, um 1475

Weltliche Handschriften

Neben Büchern, die der privaten Andacht oder der christlich-herrschenden Repräsentanz dienten, gab es natürlich auch Bücher mit profanem Inhalt: Jagdbücher, Kräuterkunde, Atlanten, Alchemie oder viele andere wären hier als Themen zu nennen:

Das Buch der Jagd
Paris, um 1400
Splendor Solis
Nürnberg, um 1575

Über den Autor: Christian Ziereis (Antiquariat Gebrüder Ziereis)

Die Brüder Christian und Georg Ziereis betreiben in der Regensburger Altstadt ein Ladenantiquariat spezialisiert auf mittelalterliche Buchkunst. Ihre jahrelange Erfahrung auf diesem Gebiet geben Sie in Vorträgen und Veranstaltungen weiter. Mit mehr als 250 verschiedenen Faksimileausgaben verfügen Sie über eines der größten Sortimente Europas.

Bitte beachten Sie, dass die Faksimile-Bilder auf dieser Seite mit ausdrücklicher Genehmigung des Antiquariats veröffentlicht wurden.