„Es gibt Bücher, deren Umschlagdeckel mit Abstand ihre besten Teile sind.“ (Charles Dickens)

Der Einband ist gewissermaßen die Visitenkarte des Buches. Er gibt einen Hinweis darauf, was das spezielle Buch für uns sein könnte: Flüchtige Urlaubslektüre, Zierde des Bücherregals im Wohnzimmer oder herausragendes Stück einer Sammlung. In digitalen Zeiten scheint die Einbandfrage an Bedeutung zu verlieren. Je mehr Texte ganz unkörperlich als Datei daherkommen und ihr Dasein auf Bildschirmen fristen, desto uninteressanter scheint die Frage, welches „Kleid“ man einem Text verpassen könnte und ob dieses Kleid überhaupt zu seinem Wesen passt.

Der Bücherliebhaber jedoch wird einen schönen Einband immer zu schätzen wissen. Die viel besungene Haptik des Buches: sie geht im Wesentlichen zunächst einmal vom Einband aus. Ihn fassen wir an, fühlen ihn, mit ihm fangen wir – im wahrsten Sinne des Wortes – an, zu „begreifen“, was für ein Buch wir in den Händen halten. Doch welche Einbandarten gibt es? Die folgenden Hinweise sollen ein wenig Licht ins Dunkel der Einbandfrage bringen.

Die grundsätzliche Unterteilung erfolgt in Handeinbände und Maschineneinbände, des Weiteren in Ganzbände und Halbbände. Pergamenteinbände etwa sind immer Handeinbände, da sie sich maschinell nicht herstellen lassen. Wichtig sind folgende Unterscheidungen:

  • Pappband: Auch Ganzpapierband genannt, Deckel und Rücken sind komplett mit Papier überzogen. (Beispiel: Insel-Bücherei)
  • Gewebeband: Entweder als Ganz- oder als Halbgewebeband. Beim Ganzgewebeband sind Rücken und Deckel komplett mit Gewebe bezogen, in der Regel handelt es sich um Leineneinbände. Beim Halbgewebeband besteht nur der Rücken und eventuell die Buchecken aus Gewebe, der Deckel ist mit Papier bezogen.
  • Lederband: Wie beim Gewebeband, nur mit Leder statt Gewebe. Gängig sind Schweins-, Kalbs- und Ziegenleder. Beim Halblederband ist der Deckel entweder mit Papier oder mit Gewebe überzogen.
  • Pergamentband: Wie bei Gewebe und Leder, nur mit Pergamentüberzug.
  • Kunstlederband: Anstelle des echten Leders wird aus Kostengründen ein Imitat verwendet, das Leder suggerieren soll.
  • Franzband: Bezeichnet eine besondere Art der Herstellung, bei der der Buchdeckel ohne Falz an den Buchrücken angesetzt ist. Der Name bezeichnet einen ursprünglich eben „franz“ösischen Einband, Einbandmaterial ist immer Leder, echte Franzbände sind Handeinbände.

Die große Zeit der Einbandkunst ist längst vorbei, doch auch heute findet sich noch das eine oder andere bemerkenswerte Stück unter den Neuerscheinungen. Sammelwürdige Einbände jedoch stammen zumeist aus vergangener Zeit. Sie sind in der Regel Zeugnis kunstvoller Einbanddekoration. Häufig besteht diese in einer Prägung des Einbands, entweder als Blindprägung oder farbig. Die Prägung besteht in vertieften Linien und Flächen auf dem Einband, die entweder typographische und ornamentale Verzierungen oder Abbildungen erzeugen.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hat der Schutzumschlag die Bedeutung des Einbands stark vermindert. Rechnet man den Schutzumschlag jedoch im weiteren Sinne zum Einbandmaterial hinzu, so hat man hier ein weiteres Sammelkriterium. Denn auch der Schutzumschlag war und ist natürlich zum Gegenstand kunstvoller Gestaltung geworden, und nicht selten ist es für den Wert eines Buches von Bedeutung, ob es mit dem Original-Schutzumschlag vorhanden ist oder ohne diesen. So findet man beispielsweise durchaus Erstausgaben von Döblins „Berlin Alexanderplatz“, diese jedoch mit dem illustrierten Schutzumschlag zu bekommen, gleicht der Suche nach der Stecknadel im Heuhaufen.