Maja, erzähle uns von dir...

Biene Maja

"Vor gar nicht allzu langer Zeit" gelangte eine Biene namens Maja durch die gleichnamige Zeichentrickserie zu Weltruhm. Der Titelsong, Karel Gotts erfolgreicher Schlager, wird seit den 1970er Jahren unwiderruflich mit der kleinen frechen Biene in Verbindung gebracht und begleitet sie als stetiger Ohrwurm durch Fernsehserien und Hörspiele.

Anders in der Bücherwelt. Dort kennt man die Biene schon viel länger – seit nun 100 Jahren! 1912 erfand der in Ahrensburg geborene Autor Waldemar Bonsels (1880-1952) die Biene Maja, die sich – wie viele seiner literarischen Figuren – nach einem Ausbruch aus den Konventionen der Gesellschaft sehnt. Während sie sich in der fiktionalen Welt gegen Ende der Geschichte jedoch dem bürgerlichen Bienenstaat unterordnet, brach die Biene Maja der realen Welt tatsächlich aus Konventionen aus, nämlich aus denen des Literaturbetriebes: Bonsels Buch war schon zu damaliger Zeit ein bahnbrechender Erfolg und wurde in über 40 Sprachen übersetzt. Allein die deutsche Ausgabe von Die Biene Maja und ihre Abenteuer ist mehr als zwei Millionen mal verkauft worden und gehört damit heute zum erfolgreichsten Buch in der Geschichte der Deutschen Verlags-Anstalt GmbH.

Beim Schreiben der Abenteuer der Biene Maja konnte Waldemar Bonsels aus seiner eigenen, schon seit der Kindheit gehegten Begeisterung für die Natur schöpfen. Seine Abenteuerlust und Weltoffenheit, welcher er durch Reisen in Deutschland, Europa und Asien nachkam, zeigen sich auch in den Wesenszügen der kleinen Biene. Darüber hinaus erzählen seine Geschichten von Gefühlen wie Freundschaft, Angst, Trauer und Neugierde. Während dem Autor Waldemar Bonsels bis heute Antisemitismus-Vorwürfe nachhängen, besitzt "Die Biene Maja" einen pädagogischen Wert, der sie in die Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur eingereiht hat.


Eine flotte Biene

Acht Jahre nach der ersten Textausgabe der Biene Maja, erschien zum ersten Mal eine illustrierte Version der Geschichte. Die Honigbiene Maja bekam ein Gesicht. Seitdem haben Illustratoren das Werk von Jahrzehnt zu Jahrzehnt liebevoll neu aufbereitet, sodass wir heute auf eine imposante Reihe wunderschöner Ausgaben des Kinderbuchklassikers zurückblicken können.

Jeder kennt das Bild der dicken, knallgelben Biene Maja, das durch das Werbe-Programm der 1970er Jahre in Zeitschriften, Broschüren, Comics und Malbüchern geprägt wurde. Weitaus früher, bereits 1920, entstanden die 16 farbigen Steinzeichnungen Fritz Frankes, welche die erste illustrierte Ausgabe zierten. Einige Jahre später erschienen Die Abenteuer der Biene Maja mit Illustrationen von Franziska Schenkel und farbiger Deckelillustration auf grünem Leineneinband. Eine Neugestaltung des Bilderbuches gelang in den 1940er Jahren Ottmar Frick und Waltraut Frick-Kirchhoff. Etwa zur gleichen Zeit erschienen auch neue Illustrationen von Anton Kolnberger. Eine ganz besondere Überraschung war der Biene Maja zum 95. Geburtstag vergönnt. 2007 veröffentlichte die Deutsche Verlags-Anstalt eine bibliophile Neuausgabe mit den 44 farbigen Originalillustrationen von Waltraut und Ottmar Frick, in schöner Halbleinenausstattung. Neben dieser Ausgabe finden Sie beim ZVAB Sonderauflagen und Jubiläumsausgaben aus einer 100-jährigen Erfolgsgeschichte.

Etwas weniger bekannt als Die Biene Maja und ihre Abenteuer ist die Fortsetzungsgeschichte von Waldemar Bonsels, welche 1915 erschien und ebenso erfolgreich verkauft wurde. Mit Himmelsvolk. Ein Märchen von Blumen, Tieren und Gott setzte der Autor seinen Streifzug durch die Natur fort und bestärkte seine Rolle als Vermittler der Tier- und Pflanzenwelt. Auch dieses Buch bebilderten die Illustratoren Waltraut und Ottmar Frick und Anton Kolnberger. Himmelsvolk wurde dem Genre der Neuromantik bzw. des literarischen Jugendstils zugeschrieben. Heute gilt die Erzählung außerdem als Märchen für Kinder und Erwachsene.

Ob alt, ob jung, Waldemar Bonsels hat durch seine Liebe zur Natur die Kulturlandschaft von Generationen geprägt. Mit stets pädagogischem Hintergedanken vermittelt er uns:

"Das beste Buch ist das, welches dem Leser seinen eigenen Reichtum fühlbar macht."