Alte Bücher als Spiegel ihrer Zeit: Rosemarie Stange vom Antiquariat Stange, Heidelberg; ab Herbst 2014 Mecklenburg

Was bedeutet der Beruf des Antiquars für Sie?
Eine ständige Weiterentwicklung, denn die Berufsausbildung des Antiquars ist im Grunde nie abgeschlossen. Täglich lerne ich Neues hinzu. Ein guter Antiquar sollte entwicklungsfähig sein.

Was fasziniert Sie an alten Büchern und Autographen?
Alte Bücher sehe ich als Spiegel ihrer Zeit. Am meisten fasziniert mich die Sprache und deren Wandel im Laufe der Jahre, Jahrzehnte und Jahrhunderte.

Wie sind Sie Antiquarin geworden?
Universitätsabschluss, danach Buchhändlerlehre mit Schwerpunkt Antiquariatskunde. Weitere Etappen: Kunstantiquariat, Auktionshaus, Verlag, Sortimentsbuchhandlung und schließlich, vor genau fünf Jahren, Eröffnung des eigenen Antiquariats.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Sicherlich nicht anders als bei meinen Kollegen. Neben den anfallenden Routinearbeiten bin ich vorrangig bemüht, den Überblick über mein Angebot zu behalten und die Titel in den Regalen zumindest annähernd auch im Kopf zu haben. Bücher einkaufen ist wesentlich leichter als Bücher verkaufen.

Was war Ihr spektakulärster Kauf?
Die kleine aber exquisite Bibliothek einer 104-jährigen "Weltenbummlerin", bestehend aus alten Reisebeschreibungen und -führern, die gar nicht erst den Weg ins ZVAB gefunden hatten, da sie vorher schon verkauft wurden.

Von welchen Stücken sind Sie persönlich besonders begeistert?
Ich habe eine ausgesprochene Vorliebe für Lederbände. Wenn sie dann noch besonders schön ausgestattet sind - Goldschnitt, Lesebändchen, Blindprägung - und mit einer Widmung von alter Hand versehen aus einer Zeit, die ich nur aus den Geschichtsbüchern kenne - tja, dann ist die Versuchung doch sehr groß, dieses Exemplar erst einmal im privaten Bücherschrank verschwinden zu lassen.

Wie kommen Sie an Ihre Bücher?
Das ist in der Universitätsstadt Heidelberg das geringste Problem. Sie werden mir - schlicht und einfach - angeboten.

Wenn man als Laie an alte Bücher denkt, dann denkt man wahrscheinlich als erstes an alte Drucke, die mehrere tausend Euro wert sind und die man sich als Normalsterblicher gar nicht leisten kann. Ist das tatsächlich so, oder haben Sie auch etwas für den schmaleren Geldbeutel?
Alte Drucke in dieser Preiskategorie sind mir noch nicht angeboten worden.
Grundsätzlich sind Blätter von guter Qualität mittlerweile durchaus bezahlbar. Selbstverständlich habe ich auch etwas für den schmaleren Geldbeutel. Teure Bücher verkauft man nicht jeden Tag, ich zumindest nicht. Meine Tageseinnahmen werden größtenteils durch den Verkauf von zumeist vergriffenen, aber keineswegs spektakulären Titeln erzielt.

Sie haben den ganzen Tag beruflich mit Büchern zu tun. Haben Sie abends genug von Literatur oder lesen Sie auch privat gerne?
Ich bin zwar den ganzen Tag von Büchern umgeben, ich arbeite und handele mit ihnen, aber ich vertiefe mich ja nicht in diese Bücher. Das geht wirklich erst abends, wenn ich Ruhe habe, da möchte ich dann auch nicht gestört werden.

Ein Autograph und seine Geschichte

Besonders viel Freude bereitet mir das Dekorieren meiner Schaufenster.
So hatte ich einmal einen Brief von Albert Schweitzer aus dem Jahre 1943, geschrieben in Lambarene kurz vor Weihnachten, in der Auslage präsentiert. Eine junge Dame betrat meinen Laden. Sie war zufällig bei ihrem Kurzaufenthalt in Heidelberg an meinem Laden vorbei geschlendert, hatte den Autographen gesehen und war fasziniert davon. Sie stand kurz vor ihrer Abreise nach Schwarzafrika, um dort an einem medizinischen Hilfsprojekt mitzuwirken. Albert Schweitzer war ihr großes Vorbild. In ihrer Bescheidenheit war allein diese Entdeckung in meinem Schaufenster schon ein Geschenk für sie, denn leisten konnte sie sich den Brief nicht. So sind wir doch beide überein gekommen, diese Begegnung als ein gutes Zeichen zu werten, Albert Schweitzer hatte ihr Vorhaben abgesegnet. Überglücklich verließ sie meinen Laden. Eine Woche später bekam ich einen Anruf: "Sind Sie das Antiquariat in Heidelberg, das einen Albert Schweitzer-Brief im Schaufenster anbietet? Ich habe schon alle anderen Antiquariate angerufen, Sie sind meine letzte Hoffnung." Der junge Mann, ein Freund der besagten Dame, rief aus Passau an. Er wollte noch am selben Tag nach Heidelberg fahren, den Autographen kaufen, um ihn dann seiner Freundin am nächsten Morgen, ihrem Geburtstag, beim Frühstück zu überreichen. Und so geschah es dann auch.
Angesichts katastrophaler Wetterbedingungen kam er erst gegen Mitternacht in Heidelberg an. Bis 2 Uhr morgens erzählte er begeistert und begeisternd von ihrem gemeinsamen Projekt in Afrika um dann, nach einem stärkenden Tee, wieder die Rückreise nach Passau anzutreten. Freude und Überraschung hätten nicht größer sein können, wie er mir später am Telefon berichtete.


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