»... dass die eigene Arbeit dazu beiträgt, schöne Bücher zu erhalten«: Regina Kurz vom Antiquariat Kurz

Wie sind Sie Antiquarin geworden?
Mein Mann hatte ursprünglich ein Antiquitätengeschäft, in dem er auch Bücher verkaufte. 1979 erwarb er ein altes Bauernhaus, zu dem der sehr umfangreiche Bestand einer Wiener Antiquarin gehörte. Mit diesem Bestand als Grundstock gründete er sein Antiquariat. Sein erster Katalog zum Thema »Luftfahrt« war innerhalb weniger Tage zu 100 Prozent ausverkauft. 1985 lernte ich meinen Mann kennen und fing an, mich im Antiquariat mit einzuarbeiten.

Was fasziniert Sie so an alten Büchern, Postkarten und Fotografien?
Die Authentizität der Gegenstände, mit denen man arbeitet, die »Lebensgeschichte« der Bücher und Dokumente. Die menschlichen Schicksale, die hinter diesen Geschichten stehen, sind genau so faszinierend wie Originalinformationen »aus« der Zeit, Beurteilungen z. B. des geschichtlichen Geschehens oder technischer Entwicklungen zeitnah durch Zeitzeugen. Bücher beeindrucken oftmals durch den guten Erhaltungszustand. Auch noch nach mehreren Jahrhunderten weisen sie nur leichte Gebrauchsspuren auf und zeigen, dass qualitätsvolle buchbinderische Arbeit viele Sammler-Generationen überdauern kann. Interessant ist auch der Weg, den Bücher im Laufe ihres »Lebens« gehen, ihre Wanderschaft quer durch das Land oder rund um die Welt. Fotografien sind Momentaufnahmen bedeutender Ereignisse, bewahren Erinnerungen und sind dadurch wichtige Zeitzeugnisse. Wir können z. B. derzeit eine große Anzahl von großformatigen Originalfotografien aus dem Münchener und bayerischen Raum aus den 1930er bis 1960er Jahren anbieten. Die Fotos zeigen Veranstaltungen, stadt- und dorfgeschichtliche Veränderungen durch Krieg und Wiederaufbau, Landschaftsaufnahmen, aber auch ganz private Themen wie die gemeinsame Mahlzeit oder Kinder im Kindergarten.

Ihr Antiquariat in zwei Sätzen?
Unser Antiquariat zeichnet sich durch sein vielfältiges Angebot an Büchern, Graphiken, Ansichtskarten, Andachtsbildchen, Fotografien etc. aus. Das Antiquariat steht auf »mehreren Beinen«: mit Angeboten in den Datenbanken, auf der eigenen Homepage, in Katalogen und Listen, bei Messen (Antiquaria in Ludwigsburg und MonaLibri in München) sowie dreimal jährlich bei der Auer Dult in München und mit einem Ladengeschäft in Oberaudorf.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Arbeitsbeginn zwischen sieben und neun Uhr. Dann E-Mails und Post abarbeiten, Bestellungen ausführen, Angebote unterbreiten, Suchwünsche bearbeiten, Termine für Buchankäufe und Besichtigungen vereinbaren, Bestände ansehen, Bücher kollationieren und bearbeiten, in Nachschlagewerken, bei Bibliotheken etc. recherchieren, Bücher aufnehmen, Gespräche mit Kunden führen, Erfahrungen mit Kollegen austauschen, Listen und Kataloge zusammenstellen und versenden. Zusätzlich je nach Jahreszeit Messe- und Dultbesuche vor- und nachbereiten. Abends Kollegen- und Auktionskataloge lesen. Unvermeidlich ist natürlich auch der bürokratische Teil mit Buchführung, Finanzamt und Nachlesen von rechtlichen Neuerungen.

Wo kaufen Sie Ihre Bücher?
Überwiegend durch Privatankäufe von Sammlern oder aus Sammlungsnachlässen.

Ihr spektakulärster Kauf?
Eine um 1925 »verpackte« Bibliothek eines bibliophilen Arztes, bei der jedes einzelne Buch in Papier eingepackt war. Die sehr schöne Bibliothek umfasste mehrere tausend Bände.

Eines Ihrer Spezialgebiete sind Kochbücher, Konditoreibücher und alte Speisekarten. Kochen Sie selbst gerne oder warum haben Sie sich auf Bücher rund ums Essen spezialisiert?
Ich koche sehr gerne, daher war es nahe liegend, Kochbüchern einen etwas breiteren Raum in unserem Varia-Angebot zu geben. Neben dem tatsächlichen Nutzen durch die Rezepte sind Kochbücher auch kulturgeschichtlich sehr interessant. Not- und Kriegszeiten haben gerade im 20. Jahrhundert eine Fülle von Kleinschriften hervorgebracht, mit denen die Herausgeber oftmals in sehr kurzer zeitlicher Abfolge durch veränderte Rezepte auf die Mangelwirtschaft reagierten, z. B. mit Rezepten für »falsche Leberwurst« und »Eicheltorte« oder durch die Verwendung von Ei-Ersatz, Milchpulver, Pilzpulver, Wildgemüse etc. Und wo - wenn nicht in alten Kochbüchern - könnten Sie erfahren, wie Sie Hirschohren dünsten, Austern-Klümpe oder einen Schnecken-Häring-Salat zubereiten und Limonaden-Pulver herstellen! Auch lassen sich mithilfe handgeschriebener Rezeptbücher oder Haushaltungsbücher aus den letzten Jahrhunderten viele Einblicke in das alltägliche Familienleben gewinnen.

Neben Kochbüchern kaufen Sie auch Poesiealben aus dem 18. und 19. Jahrhundert an. Wie kam es dazu?
Die oftmals hübsch illustrierten und schön gebundenen Stammbücher kommen meist aus dem studentischen Umfeld. Interessant sind sie besonders dann, wenn die Eintragungen von bedeutenden und bekannten Personen stammen, ein Ortsbezug hergestellt werden kann oder qualitätvolle Zeichnungen enthalten sind. Für Poesiealben des 19. Jahrhunderts finden sich SammlerInnen, die Freude an den farbigen Oblaten und den liebevollen Sinnsprüchen haben.

Das faszinierendste an alten Büchern ist ja die Authentizität, das Wissen, dass sie zum Teil hunderte Jahre alt sind. Sind Sie als Profi bei manchen Stücken immer noch fasziniert, ehrfürchtig oder begeistert?
Die Faszination und Spannung bleiben immer erhalten. Das Wissen, dass die eigene Arbeit dazu beiträgt, schöne Bücher zu erhalten und sie wieder in Sammlerhände zu geben, ist befriedigend. Es macht Freude, dazu beizutragen, dass ein alter Pergamentband durch die richtige Pflege seine alte Schönheit zurückgewinnt und einen neuen Besitzer findet. Und es ist immer wieder erstaunlich, wie unterschiedlich Bücher sein können, wenn man z. B. das »Kleinste Kochbuch der Welt« aus der Zeit um 1900 mit dem Format 25 x 22 Millimeter (!) in der Hand hält (das übrigens 100 Rezepte enthält) und kurz darauf einen - wohl vom Dorfschmied mit Eisenbeschlägen versehenen - großformatigen Ledereinband für ein Missale aus dem 16. Jahrhundert, der 15 Kilogramm wiegt. Spaß macht es auch, junge Menschen für alte Bücher zu begeistern, ihnen die Möglichkeit zu geben, alte Bücher in die Hand zu nehmen und anzuschauen. Auf der letzten Auer Dult in München kam ein kleiner Junge ganz aufgeregt an unseren Stand und bat darum, ein ausgestelltes Buch ansehen zu dürfen. Auf dem Deckel war die Frauenkirche abgebildet. Seine Eltern erzählten, dass ihr Sohn seit einem Besuch in der Frauenkirche so fasziniert von ihr sei, dass er seitdem alles darüber wissen wolle und - obwohl er noch gar nicht lesen könne - sich nicht nur für Bilder, sondern auch für die Texte interessiere. Die Eltern kauften ihm das Buch zum Vorlesen. Vielleicht wurde hier in dem kleinen Jungen eine Leidenschaft geweckt, und ein zukünftiger Sammler wächst heran.

Sie haben den ganzen Tag beruflich mit Büchern zu tun. Haben Sie abends genug von Literatur oder lesen Sie auch privat gerne?
Lesen gehört einfach zum Leben dazu. Und das schöne an der privaten Lektüre ist ja, dass sie nicht zwangsläufig der antiquarischen »Weiterbildung« dienen muss. So lese ich derzeit gerne aktuelle skandinavische Krimis.


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