"Jeder Tag ist anders" - Das Leben im Versandantiquariat Jenischek

Was bedeutet der Beruf des Antiquars für Sie?
Für mich ist es ein schöner Beruf, der mich mit vielen interessanten Büchern und Menschen zusammenbringt, der aber auch eine Vielzahl verschiedener Tätigkeiten bedarf. So ist der Antiquar mal Kaufmann, Kunsthändler, Sammler, Archivar, Logistiker, Lagerist, Packer oder Sachverständiger. Die Möglichkeit, in einem kaufmännischen Beruf vielen „Moden“ zu trotzen und dennoch - oder gerade deshalb - gute Geschäfte zu machen, ist schon etwas Besonderes. Dabei halte ich eine nachhaltige Arbeitsweise für wichtig. Ordentlich geführte Katalogeinträge, realistische Zustandsbeschreibungen, höflicher und kompetenter Umgang mit Kunden und Kollegen sind eine Selbstverständlichkeit. Das Antiquariat ist teilweise die letzte Möglichkeit, an eine Vielzahl von Schriften und Veröffentlichungen der vergangenen Jahre heranzukommen. Auch diese Tatsache sollte ein Antiquar berücksichtigen und nicht nur auf das „schnelle Geschäft“ setzen. So verkaufen sich gerade sehr spezielle Werke manchmal natürlich viel langsamer; diese zu erhalten, sehe ich aber auch als Auftrag an das Antiquariat.

Was fasziniert Sie an alten Büchern und Autografen?
Es gibt immer weniger Dinge im alltäglichen Gebrauch, die die Zeit überdauern. So geht für mich z.B. von einem Liederbuch, also einem Gebrauchsgegenstand aus dem 17. Jahrhundert eine große Faszination aus. Die Vorstellung, welche Geschichten dieses Büchlein erzählen könnte, wo es die letzten hundert Jahre verbracht hat oder in welchem Besitz es sich befand, finde ich sehr spannend.

Wie sind Sie Antiquar geworden?
Während meiner Schulzeit interessierte ich mich hauptsächlich für Musik und Literatur und besonders für Philosophie. Eine Ausbildung im Bereich der Musik war nicht zu bekommen, sodass ich 1998 eine Lehre zum Buchhändler mit Schwerpunkt Antiquariat im schönen Zentral Antiquariat, Leverkusen, begonnen habe. Nach dem erfolgreichen Abschluss hatte ich meine berufliche Berufung gefunden und mit 21 Jahren das Antiquariat zusammen mit meiner Frau gegründet und mich selbstständig gemacht.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Gegen 9.00 Uhr komme ich meist im Büro an und bearbeite die Anfragen per E-Mail und drucke die Bestellungen der vergangenen Nacht aus. Dann wird erst mal gefrühstückt und der weitere Tag bei einer Tasse Kaffee oder Tee geplant. Wenn ich Ankauftermine habe, bereite ich diese vor und fahre zu den Terminen raus. An reinen Bürotagen fange ich mit dem Katalogisieren und Sichten der letzen Ankäufe an. Später fahre ich in mein Lager, sortiere die neu katalogisierten Bücher ein und suche die bestellten Bücher heraus. Wieder zurück im Büro erstelle ich Rechnungen, verpacke die Bücher (oder lasse sie verpacken) und mache die Sendungen postfertig. Natürlich kommt meistens irgendetwas dazwischen, so ist jeder Tag anders.

Was war Ihr spektakulärster Fund bzw. Kauf?
In den letzten Jahren gab es eine Vielzahl von Ankäufen die mich begeistert haben, toll sind vor allem immer die überraschenden Funde. Wenn man in manchen Bibliotheken schon mit nichts Interessantem mehr rechnet und dann im Keller oder Dachgeschoss doch noch eine schöne Sammlung spezieller Fachschriften findet. Vom Besitzer längst vergessen oder als uninteressant und veraltet abgetan, findet sie dann bei mir einen Platz im Sortiment. Spektakulär und sehr arbeitsintensiv war auch mal eine sehr umfangreiche Firmenbibliothek, von der ich zusammen mit einem Kollegen über 10 Tonnen Bücher angekauft habe.

Schwerpunkte Ihres Antiquariates sind die Gebiete regionale Literatur zum Bergischen Land und Köln, wissenschaftliche Fachschriften, Kunst und Musik. Wie wichtig ist es, sich als Antiquar zu spezialisieren und welche Bereiche bieten sich dafür an?
Früher, als man im Antiquariat noch themenspezifische Kataloge herausgegeben hat, war eine Spezialisierung sehr wichtig. Heute verzichten viele Antiquariate darauf. Manche Schwerpunkte setzen sich zum Teil von ganz alleine, aufgrund der Vielzahl zu einem Thema angebotener Bücher. Es entscheidet zum Beispiel der Standort eines Antiquariats mit über die angebotenen Bücher, so bekommt man in Bergisch Gladbach mehr Bergische Literatur angeboten als in Hamburg.

Wie kommen Sie an Ihre Bücher?
Den überwiegenden Teil unserer Bücher kaufen wir von Privatpersonen an, die sich über unsere Homepage, Werbung oder auf persönliche Empfehlung bei uns melden. Die Bücher stammen dann oft aus Nachlässen oder großen Privatsammlungen. Oft kaufen wir auch Bestände aus Fach- und Firmenbibliotheken an.

Ihr Vater ist im Versandantiquariat für Versand, Logistik, Lagerhaltung und größere Ankäufe zuständig. Wie gut funktioniert dieser „umgedrehte“ Familienbetrieb und haben Sie als vergleichsweise junger Antiquar manchmal mit Vorurteilen zu kämpfen?
Als wir das Antiquariat 2001 mit geringen finanziellen Mitteln gegründet haben, war ich auf die Hilfe meiner Familie und von Freunden angewiesen. Daraus hat sich, als mein Vater Rentner wurde, eine prächtige Zusammenarbeit entwickelt.
Gegen große Vorurteile aufgrund meines Alters hatte ich eigentlich nie zu kämpfen. Auch wenn der eine oder andere mal etwas verwundert schaut, wenn ich dann, nach dem telefonischen Erstkontakt, vor ihm stehe und mich als Inhaber des Antiquariats vorstelle. 

Auf Ihrer Homepage bieten Sie neben alten Büchern einen „Likör der Bücher“ zum Kauf an. Können Sie die Beziehung zwischen Büchern und Alkohol an dieser Stelle nochmal erläutern?
Aus einer Laune heraus nach einem Besuch bei Freunden in Frankreich, haben wir erstmalig vor 5 Jahren einen Rotwein-Walnuss-Likör hergestellt, der im Antiquariat zwischen unseren Büchern lagert und reift. Erst als besonderes Geschenk für gute Kunden und Freunde des Antiquariates gedacht, stellen wir nach größerer Nachfrage und zum Anlass eines Marktes am Altenberger Dom mittlerweile 80 Flaschen pro Jahr her. Zugegebenermaßen ist die Idee vom Wein zum Buch nicht neu, aber zu antiquarischen Büchern passt ein gereifter Likör noch besser.

Sie haben den ganzen Tag beruflich mit Büchern zu tun. Haben Sie abends genug von Literatur oder lesen Sie auch privat gerne?
Wenn ich den ganzen Tag in Büchern „wühle“, schnuppere ich in viele Bücher rein und nehme mir manchmal Interessantes mit nach Hause. So lese ich privat auch noch recht viel, meistens aber Fach- und Sachbücher. Bei Belletristik bin ich manchmal etwas „geschichtenvoll“ und mir fehlt die Muße, mich auf den Autor einzulassen. Wenn die Stimmung passt, gehe ich aber voll in Literatur auf und lese gerne große Klassiker und große Autoren wie Hesse, Sartre, Joseph Roth, Heine aber auch „Modernes“ aus den 60er bis 80er Jahren.




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