Dem Lieblingsautor auf der Spur – in Bührnheims Antiquariat und Literatursalon

Antiquariat Bührnheim
Antiquariat Bührnheim
In Leipzigs Musikviertel befinden sich heute die Hochschule für Grafik und Buchkunst, das Geisteswissenschaftliche Zentrum der Leipziger Universität, die Hochschule für Musik und Theater, die Universitätsbibliothek – und seit 2008 Bührnheims Antiquariat und Literatursalon. Folgen Sie uns in die sorgfältig renovierte private Wohnung von Dieter Bührnheim und seiner Frau in einer Stadtvilla aus dem Jahre 1892…

Wie sind Sie Antiquar geworden und wie kam es zu der Spezialität „signiertes Buch“?
Als Ausgleich zu meinem anstrengenden Job in der Energiebranche habe ich vor über 30 Jahren begonnen, signierte Bücher und Widmungsexemplare zu sammeln. Anstoß hierfür war Henry Miller, der meine seinerzeitige Leidenschaft, Signaturen auf Ersttagsbriefen (FDC) zu sammeln, „dämlich“ fand. Danach nutzte ich jede Buchmesse und viele Lesungen, um dort direkt mit den Schriftstellern Kontakt aufzunehmen und sie um eine Signatur bzw. Widmung zu bitten. Oft gab ich die Bücher auch auf den Postweg in alle Welt, um ihnen zu einer Widmung oder Einzeichnung zu verhelfen. Es haben sich dadurch nebenbei ganz schöne Kontakte zu Autoren ergeben, aber leider kamen andererseits auch oft Bücher nicht wieder zu mir zurück.

Was macht den Wert eines signierten Buches aus?
Ein signiertes Buch ragt als Einzelexemplar immer aus der gedruckten Auflage heraus. Denn dieses eine hatte der Autor im Gegensatz zu allen anderen selbst in der Hand. Das ist natürlich etwas Besonderes und wird auch von den Sammlern deshalb gesucht. Noch wertvoller wird es meines Erachtens, wenn der Autor eine persönliche Widmung hineinschreibt. Dabei spielt es für mich auch keine Rolle, wenn der Name eines Anderen in dem Buch steht, welches ich z.B. käuflich erwerbe, weil der Autor für mich unerreichbar oder gar schon tot ist. Preislich gibt es alles, vom „normal“ teuren Band, den es auch noch neu und unsigniert in den Buchhandlungen gibt, bis hin zu hochpreisigen Raritäten, deren Autoren schon verstorben sind und die zu Lebzeiten wenig signierten. Auch wenn ein Schriftsteller mit einer renommierten Auszeichnung (zum Beispiel mit dem Nobelpreis für Literatur) bedacht wird, steigt der Wert seiner signierten Bücher und Widmungsexemplare an.

Literatursalon
Literatursalon
Welchen Unterschied macht der Sammler zwischen einem Autogramm und einem Autograf?
Ein Autograf ist ja eher die eigenhändige Niederschrift (z.B. ein Briefes oder die Handschrift eines Werkes) eines bekannten Autors oder Musikers. Im günstigsten Fall hat der Autor dann auch noch unterschrieben, also signiert. Im Buchbereich ist es aber meist so, dass ein zuvor gedrucktes Buch signiert wird. Als Autograf wird hier ein Widmungsexemplar bezeichnet, das einen persönlichen Bezug zum Sammler darstellt.

Es gibt viele verschiedene Gründe, signierte Bücher zu sammeln. Welche begegnen Ihnen bei Ihren Kunden am häufigsten?
Oft sammeln Kunden signierte Bücher von einem oder mehreren bestimmten Schriftstellern. Einfach, weil es ihr Lieblingsautor ist, sie diesem Autor oder der Autorin persönlich nie begegnet sind und weil viele auch glauben, aus Handschriften Charaktere erkennen zu können.

Nach wessen Signatur sind Sie schon ein Leben lang auf der Suche?
Ich habe lange Zeit nach einer Signatur von Vladimir Nabokov gesucht. Nach mehr als zwei Jahrzehnten ist es mir dann gelungen, eine zu bekommen. Signierte Bücher von Brigitte Reimann oder auch Maxi Wander suche ich seit Anbeginn meines Sammelns vergeblich und hoffe trotzdem immer noch. Hier kommt mein Lebensspruch von David Ben Gurion zur Anwendung: „Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist“.

Wieviel Wert kommt bei diesem Sammelgebiet dem eigentlichen Inhalt des Buches zu?
Natürlich interessiert mich persönlich auch noch der Inhalt des Buches. Aber ich muss gestehen, dass ich von bestimmten Autoren Signaturen sammelte, ohne dass der Text des Buches die eigentliche Rolle spielte. Aber damit ein bestimmter Schriftsteller interessant wird, musste er oder sie sich natürlich mit den Texten erst einmal von den anderen abheben. Interessant sind auch Autoren, die auf Bestsellerlisten stehen, in Literatursendungen auftreten bzw. erwähnt werden oder einen Preis verliehen bekommen, z.B. den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, den Ingeborg-Bachmann-Preis, den Georg-Büchner-Preis, den Booker-Prize als renommiertesten Literaturpreis Großbritanniens oder den Pulitzerpreis der USA. Am interessantesten ist hier für mich der jährlich verliehene Nobelpreis in all seinen Facetten.

Ein an das Antiquariat angeschlossener Literatursalon erfordert zusätzlichen Aufwand und viel Organisationsgeschick. Welche Vorteile bietet das Format „Antiquariat & Literatursalon“?
Ich habe mich 2008, als ich den Literatursalon ins Leben rief, entschlossen, ein Antiquariat zu eröffnen, in das meine Sammlung signierter Bücher eingeflossen ist und das über die Jahre über Ankäufe noch erweitert wird. Einfach, weil ich damit die Veranstaltungen im Salon finanziere. Zusätzlich nehmen wir einen minimalen Eintritt, weil das nicht immer ganz aufgeht. Mir schwebte der Literatursalon als Traum schon viele Jahre vor. Mit meinem Eintritt in den (Un)Ruhestand hatte ich endlich die Zeit dazu. Und er versetzt mich in die privilegierte Lage, Autoren und Akteure einzuladen, die mich ganz persönlich interessieren. Die Idee hinter der Sache ist auch, dass ich über diese private Initiative einen Raum schaffen wollte, in dem sich Kulturinteressierte zu Lesungen und Vorträgen zusammenfinden, um Neues zu erfahren und über Literatur, Musik oder aktuelle Politik zu diskutieren und zu philosophieren.

Antiquariat Bührnheim
Antiquariat Bührnheim
Welcher Literatursalon-Abend bleibt Ihnen in unvergesslicher Erinnerung?
Unvergessen ist mir ein Abend mit Michael Krüger, dem Hanser-Verleger. Er war ein sehr kluger, umgänglicher Gesprächspartner, der wunderbar ausführlich über sein langes Verlegerleben berichtet hat. Überhaupt sind Literatursalon-Veranstaltungen in der Regel keine Lesungen im eigentlichen Sinne. Das heißt, es gibt natürlich Lesungen, aber vornehmlich Gespräche und Diskussionen zum gelesenen Text bzw. zu einem bestimmten Thema. Oder im Falle der Verleger- und Lektorenabende Hintergrundinformationen für die Besucher, die man sonst nirgends lesen kann und ansonsten auch nicht erfährt. Wunderbar ist es, wenn die Gäste sich wirklich einbringen, das Wort ergreifen und sich Gespräche entwickeln, die Besucher im günstigsten Fall das Buch schon gelesen haben, um das es an diesem Abend geht. Denn das ist Literatursalon im eigentlichen Sinne - dass ein Austausch passiert, gern auch im Anschluss an die Veranstaltung bei einem Glas Wein und Knabbereien.


Aus dem Katalog von Bührnheims Antiquariat