Ausgezeichnet durch individuelle Vermittlung: Dr. Thomas Schröder vom Antiquariat am Ballplatz, Mainz

Was bedeutet der Beruf des Antiquars für Sie?
Die Bereitstellung von nicht mehr selbstverständlich vorhandenen Texten. Eine Aufgabe, die im Zeitalter des Internets sicherlich einfacher geworden ist, die aber in Zeiten der "schnellen Verkäufe" (kaum einer der großen Verlage hält ja seine wichtigen Autoren und Texte langfristig auf Lager) sehr notwendig bleibt - zudem ja der bekannte Kanon der Bildung durch Schulen und Universitäten immer weiter reduziert und schabloniert wird.
Die Buchvermittlung im Antiquariat, wo es ja um Einzelexemplare geht, zeichnet sich zum Glück durch individuelle Vermittlung aus.

Was fasziniert Sie an alten Büchern und Autographen?
Ihre Geschichte.
Bücher führen eine Tradition mit sich, die beim Kauf einer geschlossenen Sammlung ganz offensichtlich ist: die Bücher haben in einem Bewusstseins- oder Arbeitsprozess zueinander gefunden. Über das Antiquariat werden sie sich in einen anderen Zusammenhang einordnen.
Viele Titel aber führen ihre historischen Botschaften versteckter mit sich: durch interessante Einlagen, Kommentierungen, Widmungen, Ex Libri und vieles andere mehr.

Wie sind Sie Antiquar geworden?
Durchs antiquarische Bücherkaufen und die Freundschaft zu AntiquarInnen. Der Wunsch, sich eine eigene kleine Bibliothek zusammenzustellen, führte mich schnell in Antiquariate. Auch in den siebziger und achtziger Jahren war es schon so, dass vieles nur dort erschwinglich, nicht weniges aber überhaupt nur dort zu finden war. Als ich in den neunziger Jahren beruflich von Berlin nach Frankfurt kam, wurde mir das Antiquariat Marx zu einer Art intellektuellem Fluchtpunkt. Und gemeinsam mit seinen damaligen Betreibern, Petra Gienandt und Joachim Walter, kam es dann nach wenigen Jahren zur Unternehmensgründung in Mainz.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Zum Glück ist jeder Tag anders! Es gibt natürlich Rituale wie das Aufbauen des Straßenverkaufstisches bei schönem Wetter oder das Kochen einer Kanne Kaffee, wenn die Interessen und Anliegen der Kunden einmal zu chaotisch werden.

Was war Ihr spektakulärster Fund bzw. Kauf?
Die besseren Geschäfte ergeben sich meist aus Kommissionierungen und das sind ja recht rationale Abläufe, gerade nicht spektakuläre. Ein wirklich schöner Fund, der einen persönlich freut, misst sich dagegen nicht nur an seinem materiellen Wert. Beispiele hierfür gibt es erfreulicherweise sehr viele. Exemplarisch nennen würde ich die deutsche Übertragung von Chateaubriands "Geist des Christentums" durch Hermann Kurtz, von deren Existenz ich bis zum Angebot des Buches gar nichts wusste.

Von welchen Stücken sind Sie persönlich besonders begeistert?
Von Handexemplaren und gewidmeten Geschenken der Autoren. Hier hatte sich einiges aus Lesungen in der Buchhandlung Windfelder aus den fünfziger und sechziger Jahren erhalten (Döblin, Brod, Butor) und wir setzen diese Tradition durch eigene Veranstaltungen und Kooperationen (Stasiuk, Abonji u.v.a.) fort. Unsere letzte Veranstaltung im März war "Oh Mann, oh Manns - Exilerfahrungen einer berühmten deutschen Schriftstellerfamilie", eine Buchvorstellung von Dieter Strauss, der schon mehrfach seine Bücher bei uns vorgestellt hat.
In diesem Monat veranstalten wir am 7. ein Cembalo-Konzert. Witthart Malik (Trier) spielt von Bach die Ouvertüre nach französischer Art, die Chromatische Fantasie und Fuge sowie das Concerto nach italienischem Gusto.
Am 29. April ist der Literaturwissenschaftler und Autor Andreas Kelletat bei uns zu Gast. Er liest aus seinen literarischen Texten und entwickelt im offenen Gespräch Gedanken zu dem Thema: "Fußnotenfreiheit - läßt sie sich finden? Vom Literaturwissenschaftler zum Selberschreiber." Der Mainzer Komparatist Dieter Lamping führt in den Abend ein. Beide Veranstaltungen beginnen um 19:30 Uhr.

Wenn man als Laie an alte Bücher denkt, dann denkt man wahrscheinlich als erstes an alte Drucke, die mehrere tausend Euro wert sind und die man sich als Normalsterblicher gar nicht leisten kann. Ist das tatsächlich so, oder haben Sie auch etwas für den schmaleren Geldbeutel?
Das Buch ist seiner Idee nach ein Massenmedium und das soll es auch bleiben.
Es ist gut, wenn Bücher preiswert zu erwerben sind und wir versuchen immer, sie günstig anbieten zu können. Allerdings ist augenblicklich ein realer Wertverlust zu konstatieren, der das Buch als intellektuellen Gegenstand nivelliert.

Sie haben den ganzen Tag beruflich mit Büchern zu tun. Haben Sie abends genug von Literatur oder lesen Sie auch privat gerne?
Es vergeht kein Tag ohne Lesen. Vielfältiger als in einem Antiquariat können die Anregungen zu Lektüren, Bilderreisen oder enzyklopädischen Streifzügen kaum sein. Dazu habe ich das Interesse an der literaturwissenschaftlichen Arbeit nicht verloren.



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