Ein alter Traum von Liebe: Roman
Sprache: Deutsch
Verlag: List Taschenbuch, 2004
- Softcover
- Gebraucht

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- Titel
- Ein alter Traum von Liebe: Roman
- Autor
- O'Faolain, Nuala:
- Verlag
- List Taschenbuch
- Veröffentlichungsjahr
- 2004
- Zustand
- Befriedigend
- Einband
- Taschenbuch
- Sprache
- Deutsch
- ISBN-10
- 3548604269
- ISBN-13
- 9783548604268
- Artikelgewicht
- 4 Gramm
- Verkäuferkataloge
- Literatur & Fiktion
Ein großartiger Roman über die Schmerzen der Leidenschaft und die Unbedingtheit der Liebe.
„Inhaltsangabe“ gehört möglicherweise zu einer anderen Auflage dieses Titels.
Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.
An den Wochenenden verbrachten Hugo und ich
die meiste Zeit im Bett. Wir wohnten in der Mansarde
eines weitläufigen Hauses mit Türmchen
und Giebeln zwischen Kastanienbäumen am
Rand eines Parks im Süden von London. Unsere breite
Matratze lag auf dem Boden vor hohen, von Wind und Wetter
verzogenen Fenstern, die man zu einem feuchten Balkon
hin aufstemmen konnte. Eine Taube brütete in jenem Frühling
im Geäst auf gleicher Höhe mit unseren Kissen. Ihr Nest
schaukelte im Wind und durch das Blätterdach ergossen sich
auf unsere Körper Sprenkel grünen Lichts. An den Werktagen
arbeiteten wir. Ich stand früh auf und ging in zwei Pubs
putzen, um mein Journalistik-Studium und meinen Lebensunterhalt
zu finanzieren, während sich Hugo an seinen
Schreibtisch in dem kleinen Erker des Zimmers setzte. Tagsüber
studierte er Jura und abends Journalistik. Aber an den
Wochenenden spielten wir.
Wir lebten auf der Matratze wie auf einem Floß. Alles, was
wir brauchten, stellten wir um uns herum auf den Fußboden,
damit wir nur die Arme danach auszustrecken brauchten.
Wenn es kalt war, lagen wir unter der Steppdecke und im
Sommer rekelten wir uns auf den sonnenbeschienenen Laken.
Hugo brachte gewöhnlich Kaffee und Toast aus der Küche
hoch. Das Brot verwahrte er im Zimmer, denn die anderen
Studenten, die mit uns das Haus teilten, pflegten wie Heuschrecken
über alles Essbare herzufallen, wenn sie Freitag
nachts aus den Pubs und Discos zurückkamen. Hugos Mutter hatte ihm eine echte Kaffeemaschine geschenkt, ein Utensil,
das Anfang der siebziger Jahre selbst in London kaum
jemand besaß. Sie hatte sie aus dem Ausland mitgebracht, ich
weiß nicht von wo, er erzählte mir sehr wenig von ihr, und
ich habe sie nie kennen gelernt. Sie schenkte ihm immer etwas
Teures, wenn er mit ihr zum Supper ging.
So nannte er es, wenn er mit ihr zu Abend aß. Ich hatte
mich gerade erst daran gewöhnt, dass man die Mahlzeit am
Abend Dinner nannte, und es verwirrte mich, wenn Hugo
nun Supper dazu sagte. In Kilcrennan existierte ein solches
Mahl überhaupt nicht, ebenso wenig wie echter Kaffee. Man
nahm sein Dinner ein, wenn man aus der Schule kam, oder,
bei uns zu Hause, wenn Mammy eins zubereitet hatte. Später
gab es Tea. Das Wort Supper kannte ich nur im religiösen
Kontext als Abendmahl. Aber warum es mich insgeheim
peinlich berührte, wenn Hugo ein so bescheidenes Wort wie
Supper für Dinners in teuren Restaurants verwendete, weiß
ich nicht.
Ich beobachtete ihn ständig, während er mich nur selten
ansah. Und doch war er verrückt nach mir. Es verging kaum
eine Stunde, in der er nicht vom Schreibtisch aufstand und
über meine Hüfte strich, mich auf den nachdenklich geöffneten
Mund küsste oder meine Hand zu einer Liebkosung
veranlasste. Er zeigte mir, dass er mich brauchte, oder besser:
mich begehrte. Bald nachdem wir begonnen hatten
zusammenzuleben, war mir aufgefallen, dass er, wiewohl er
unablässig meinen Körper und meine Haare pries, nie etwas
über mein Gesicht sagte. Ich fühlte mich daher viel sicherer,
wenn ich mich mit ihm im Dunkeln auf der Matratze wälzte,
als wenn er mich ansah.
Als wir in dem vom unablässigen Gurren und Kollern der
Tauben erfüllten Zimmer lebten, war Hugo in seinem letzten
Studienjahr vor dem Jura-Examen. Auf dem Lehrplan stand
auch Rechtsgeschichte, darunter eine Stunde Geschichte des
Scheidungsrechts. Eines Tages warf er die fotokopierten Protokolle
einer Gerichtsverhandlung im Oberhaus aus dem Jahr
1856 auf das Bett: Talbot gegen Talbot. Es war an einem
Sonntagabend und wir waren dabei, uns auf die kommende
Woche vorzubereiten. Ich liebte diese Stunden, in denen wir
zielstrebig in dem großen Zimmer hin und her liefen, bis die
zerknitterten Zeitungen weggeräumt und die Krümel aus dem
Bett geschüttelt waren. Hugo war gewöhnlich etwas gereizt,
das heißt: meiner überdrüssig, und in Gedanken bereits bei
der Arbeit. Doch ich war rundum ausgefüllt und zufrieden.
Draußen dämmerte es, und wir waren in Sicherheit.
Ich wohnte nur kurze Zeit in dem Haus zwischen den Kastanienbäumen.
Mit dreiundzwanzig wurde ich aus dem Garten
Eden vertrieben und jetzt bin ich fast fünfzig. Vor Jahren
war ich einmal im Fitness-Raum eines Hotels auf Madeira
(oder war es Malta?) - an einem Ort jedenfalls, der heiß und
auf britische Art langweilig war. Ich machte mir gerade Notizen
für einen Artikel, als mein Blick nach oben auf den stummgeschalteten
Fernseher fiel. Aus irgendeinem Grund lief auf
allen Kanälen eine Debatte aus dem kanadischen Parlament in
Ottawa. Hinter dem stattlichen Redner saß ein schlanker
Mann, den Kopf geistesabwesend auf die verschränkten Hände
gestützt. Ich glaube, dieser Mann war Hugo. Mir wurde
einen Augenblick lang ganz heiß. Diese Hände ...
Ich bin ihm heute dankbar dafür, dass er mir damals jene
Akte in die Hand gedrückt hat. Außer ihm kannte ich niemanden,
der mit dem gleichen Ehrgeiz Jura studierte. Er war
nicht nur so gewissenhaft, Fotokopien zu dem behandelten
Lehrstoff mit nach Hause zu bringen und durchzuarbeiten,
er heftete sie anschließend sogar zusammen, um sie mir zu
lesen zu geben, anstatt sie mit den anderen durchgearbeiteten
Materialien einfach wegzuwerfen.
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