Inhaltsangabe
Kaum zu glauben, daß sich in einer Kleinstadt wie der unsrigen eine reife Frau von achtundzwanzig Jahren auf eine Clique kaputter Typen einläßt, aber genau das ist mit Cora Bunyan passiert, und ich muß es ja wissen, schließlich war sie meine Frau. Inzwischen ist es genau ein Jahr her, daß der Alptraum begann und mein guter Freund Walter Skelly zum ersten Mal seinen Verdacht äußerte. Als wir nach dem Mittagessen aus Louie's Bar & Grill kamen und wieder auf die Büroräume der Barntrosna Versicherung zusteuerten, nahm er mich beim Arm und sagte: "Larry, schau mal her. Ich will dich ja nicht beunruhigen, aber da ist etwas, worüber du, finde ich, Bescheid wissen solltest. Es geht um Frauen - Cora. Die haben Bedürfnisse, verstehst du, was ich meine? Du mußt ihnen ein bißchen Beachtung schenken, das ist alles." Als Walter mit seiner Geschichte zu Ende war, konnte ich mich nur noch mit Mühe auf den Beinen halten. Ich sah ihn an und kläffte: "Ich kann's nicht fassen, daß du so was sagst! Ausgerechnet du, Walter! Du solltest dich wirklich was schämen!" Er tat sein Bestes, versuchte sich zu entschuldigen, aber ich hatte mich bereits abgewandt, denn ich wollte nichts mehr hören. "Nimm deine Pfoten weg!" fuhr ich ihn an und ging allein ins Büro zurück. Doch den ganzen Nachmittag über gingen mir seine Worte nicht aus dem Kopf. Um halb vier hielt ich es nicht mehr aus. Ich trat aus meinem Büro und stellte mich, ein Tintenfaß in der Hand, in seine Tür. "Walter!" brüllte ich, und als er den Kopf hob, schüttete ich ihm den Inhalt mitten ins Gesicht. Bevor er reagieren konnte, war ich schon über alle Berge. Inzwischen wußte ich, weshalb Skelly versucht hatte, mich gegen Cora aufzustacheln. Und ob ich es wußte - seit wir in die Stadt gezogen waren, hatte er ein Auge auf sie geworfen, wie alle Männer in diesem miesen Provinznest. Ich schwor mir, ihm den Garaus zu machen, falls er sich je an sie heranwagen würde. Mit einer.357 Magnum würde ich ihm ein Loch in den Schädel pusten, groß genug, daß man sich darin schlafen legen konnte. "Hast du das gehört, Skelly!" fauchte ich den Spiegel in der Toilette an. Hätte ich damals auch nur ein Zehntel dessen gewußt, was ich heute weiß, so hätte ich begriffen, daß Walter mir nur helfen wollte. Daß er tat, was jeder Freund als seine Pflicht angesehen hätte. Aber ich war blind. Blind! Ich hatte nur Augen für Cora, und sie wußte es. Sie hatte es vom ersten Tag an gewußt. Als ich an dem Abend aus dem Büro ging, sprach ich noch kurz mit Walter Skelly. Ich sagte ihm, daß ich ihn nie wieder sehen wollte, so lange ich lebte. "Hast du das kapiert, Skelly?" knurrte ich und schnippte mit Daumen und Zeigefinger meinen Hutrand zurück. Er fing an, irgend etwas von Cora daherzumurmeln, aber ich unterbrach ihn und sagte, wenn er unbedingt noch ein Tintenfaß an den Kopf haben wollte, sollte es mir recht sein, und einen Schlag in die Fresse könnte er auch gern haben. Damals wußte ich es natürlich noch nicht, aber das war meine letzte Chance, den Gang der Dinge aufzuhalten und die tragische Kette von Ereignissen zu vermeiden. Und jetzt war es zu spät.
Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.
Kaum zu glauben, daß sich in einer Kleinstadt wie
der unsrigen eine reife Frau von achtundzwanzig Jahren auf eine Clique kaputter
Typen einläßt, aber genau das ist mit Cora Bunyan passiert, und ich muß es ja
wissen, schließlich war sie meine Frau. Inzwischen ist es genau ein Jahr her,
daß der Alptraum begann und mein guter Freund Walter Skelly zum ersten Mal
seinen Verdacht äußerte. Als wir nach dem Mittagessen aus Louie's Bar & Grill
kamen und wieder auf die Büroräume der Barntrosna Versicherung zusteuerten, nahm
er mich beim Arm und sagte: "Larry, schau mal her. Ich will dich ja nicht
beunruhigen, aber da ist etwas, worüber du, finde ich, Bescheid wissen solltest
... Es geht um Frauen - Cora. Die haben Bedürfnisse, verstehst du, was ich
meine? Du mußt ihnen ein bißchen Beachtung schenken, das ist alles."
Als Walter mit seiner Geschichte zu Ende war, konnte ich mich nur noch mit Mühe
auf den Beinen halten. Ich sah ihn an und kläffte: "Ich kann's nicht fassen, daß
du so was sagst! Ausgerechnet du, Walter! Du solltest dich wirklich was
schämen!" Er tat sein Bestes, versuchte sich zu entschuldigen, aber ich hatte
mich bereits abgewandt, denn ich wollte nichts mehr hören. "Nimm deine Pfoten
weg!" fuhr ich ihn an und ging allein ins Büro zurück. Doch den ganzen
Nachmittag über gingen mir seine Worte nicht aus dem Kopf. Um halb vier hielt
ich es nicht mehr aus. Ich trat aus meinem Büro und stellte mich, ein Tintenfaß
in der Hand, in seine Tür. "Walter!" brüllte ich, und als er den Kopf hob,
schüttete ich ihm den Inhalt mitten ins Gesicht. Bevor er reagieren konnte, war
ich schon über alle Berge. Inzwischen wußte ich, weshalb Skelly versucht hatte,
mich gegen Cora aufzustacheln. Und ob ich es wußte - seit wir in die Stadt
gezogen waren, hatte er ein Auge auf sie geworfen, wie alle Männer in diesem
miesen Provinznest. Ich schwor mir, ihm den Garaus zu machen, falls er sich je
an sie heranwagen würde. Mit einer .357 Magnum würde ich ihm ein Loch in den
Schädel pusten, groß genug, daß man sich darin schlafen legen konnte. "Hast du
das gehört, Skelly!" fauchte ich den Spiegel in der Toilette an.
Hätte ich damals auch nur ein Zehntel dessen gewußt, was ich heute weiß, so
hätte ich begriffen, daß Walter mir nur helfen wollte. Daß er tat, was jeder
Freund als seine Pflicht angesehen hätte. Aber ich war blind. Blind! Ich hatte
nur Augen für Cora, und sie wußte es. Sie hatte es vom ersten Tag an gewußt.
Als ich an dem Abend aus dem Büro ging, sprach ich noch kurz mit Walter Skelly.
Ich sagte ihm, daß ich ihn nie wieder sehen wollte, so lange ich lebte. "Hast du
das kapiert, Skelly?" knurrte ich und schnippte mit Daumen und Zeigefinger
meinen Hutrand zurück. Er fing an, irgend etwas von Cora daherzumurmeln, aber
ich unterbrach ihn und sagte, wenn er unbedingt noch ein Tintenfaß an den Kopf
haben wollte, sollte es mir recht sein, und einen Schlag in die Fresse könnte er
auch gern haben.
Damals wußte ich es natürlich noch nicht, aber das war meine letzte Chance, den
Gang der Dinge aufzuhalten und die tragische Kette von Ereignissen zu vermeiden.
Und jetzt war es zu spät.
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