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medimops, Berlin, Deutschland
Verkäuferbewertung 5 von 5 Sternen
AbeBooks-Verkäufer seit 10. Mai 2010
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Helden wie wir ...
Annette Simon und Jan Faktor versuchen die politischen und gesellschaftlichen Konflikte ihrer ostdeutschen bzw. osteuropäischen Vergangenheit zu reflektieren und zu analysieren. Ausgehend von den unterschiedlichen Erfahrungen mit dem Prager Frühling 1968 setzen sie sich mit den Verhältnissen in der DDR auseinander. Auch heute, nach der Vereinigung Deutschlands, versuchen sie sich politisch und intellektuell klar zu positionieren.
Annette Simon und Jan Faktor - sie ostdeutsche Psychoanalytikerin, er in Ostdeutschland lebender tschechischer Schriftsteller -, befinden sich nicht nur seit ihrer Jugend in ständigem geistigen Austausch und sind nicht nur seit mehr als zwanzig Jahren verheiratet: sie schreiben auch beide. In ihren in diesem Band vereinten Vorträgen und Essays reflektieren sie von verschiedenen Seiten die politischen und gesellschaftlichen Konflikte ihrer unmittelbaren Vergangenheit. Viele dieser emotional stark besetzten Erlebnisse bedeuteten auch Brüche in ihren vertrauten Wirkungskreisen und brachten immer wieder die Beschäftigung mit dem "Fremdsein" in ihr Leben.
Jan Faktor zog 1978 in die DDR - in ein fremdes Land, dessen Untergrundkultur ihm dann plötzlich nicht geahnte, aber auch fragwürdige Freiräume bot. Er wurde mit der anderen Kultur und als Schriftsteller mit der deutschen Sprache konfrontiert. Nach der deutschen Vereinigung musste er sich mit der Stasi-Vergangenheit einiger seiner Mitstreiter auseinandersetzen - und auch mit dem westdeutschen Kulturbetrieb.
Annette Simon erlebte mit der Okkupation der CSSR eine politische Entfremdung von ihren früheren sozialistischen Idealen und von ihrem vermeintlichen Aufgehobensein innerhalb der DDR. Kritisch analysiert sie in ihren Texten das Weiterbestehen solcher Entfremdungsgefühle sowohl bei ehemaligen Oppositionellen, als auch bei ehemaligen Befürwortern der DDR im deutschen Vereinigungsprozess. Vor allem aber reflektiert sie ihren beruflichen Werdegang als Psychotherapeutin und erhellt dabei die Hintergründe des Psychotherapiealltags in der DDR.Jan Faktor, freischaffender tschechischer Schriftsteller; seit 1978 in der DDR als Kindergärtner, Schlosser, Übersetzer und in der inoffiziellen Literaturszene engagiert.Annette Simon, 1975-91 Psychotherapeutin in Ost-Berlin; 1989 im "Neuen Forum" aktiv. Seit 92 in freier Praxis tätig, seit 96 als Psychoanalytikerin. Lehranalytikerin. Mehrere Vorträge und Veröffentlichungen zu den psychosozialen Prozessen der deutschen Vereinigung.
Über die Autorin bzw. den Autor: Annette Simon war von 1975-91 als Psychotherapeutin in Ost-Berlin tätig und seit 1989 im »Neuen Forum« aktiv. Sie arbeitet seit 1992 in freier Praxis als Psychoanalytikerin und Lehranalytikerin. Mehrere Vorträge und Veröffentlichungen zu den psychosozialen Prozessen der deutschen Vereinigung. Jan Faktor, freischaffender tschechischer Schriftsteller; seit 1978 in der DDR als Kindergärtner, Schlosser, Übersetzer tätig und in der inoffiziellen Literaturszene engagiert. Aus einem Artikel in der Berliner Zeitung anlässlich der Döblin-Preisverleihung 2005 an Jan Faktor: Positives aus dem Dichtergarten des Grauens Keine Romane! Der experimentelle Autor Jan Faktor erhält den diesjährigen Alfred-Döblin-Preis. Sollte ich mein eindrücklichstes Bild von Jan Faktor beschreiben, so wäre es wohl das: Mitte der neunziger Jahre sehe ich vom Balkon der damals noch am Majakowskiring ansässigen Literaturwerkstatt aus im Garten diesen schmalen Mann, wie er, eben noch mit Rollschuhen seine Runde auf der Bühne drehend, plötzlich in den Liegestütz ausweicht und das Gewicht so ausbalancierend, dass sein Körper nur auf den Armen zu schweben scheint - seine Texte vorliest. Ich hatte sämtliche Protagonisten der Prenzlauer-Berg-Szene bis dahin für ausgesprochen unsportlich gehalten. In diversen Abhandlungen, die über den literarischen Underground der achtziger Jahre in der DDR geschrieben wurden, wird der Name Jan Faktor in einem Atemzug mit Stefan Döring und Bert Papenfuß genannt. Jan Faktor war der "Schalksnarr" (Adolf Endler) der Szene. Seine seriellen Texte über einen Mann namens Georg gerieten im Vortrag zu Performances, die mitunter solange dauerten, wie die Stimme durchhielt. Sie betrachteten den deutschen Wortschatz quasi von außen. Faktors Muttersprache ist Tschechisch, die Großmuttersprache Deutsch. »das Zukünftige wird immer zukünftiger/das Sorgende immer sorgender/ und/ das Hiesige immer hiesiger«, hieß es in dem 33-seitigen Text »Georgs Sorgen um die Zukunft« von 1982/83, der sowohl mit der Grammatik als auch mit der Sucht nach Übertreibungen in einer ideologisierten Sprache spielte. Der 1951 in Prag geborene Jan Faktor war der Liebe wegen 1978 nach Deutschland gekommen. Daraus wurde eine Partnerschaft seit 28 Jahren ist er mit der Psychoanalytikerin Annette Simon verheiratet. Sie haben gemeinsam Texte aus dem Tschechischen nachgedichtet, anfangs auch die Faktors, und 2000 den gemeinsamen Essayband »Fremd im eigenen Land« veröffentlicht, eine Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit, deren gemeinsamer Kulminationspunkt die Ereignisse des Prager Frühlings 1968 sind, die Jan Faktor als Siebzehnjähriger vor Ort erlebte. Eine Anpassung an die danach herrschenden Verhältnisse war ihm nicht mehr möglich. Ein Studium der Datenverarbeitung brach er nach drei Semestern ab und arbeitete in diversen Jobs, unter anderem zwei Jahre als Lastenträger in den slowakischen Bergen. Bis 1989, als der Band »Georgs Versuche an einem Gedicht und andere positive Texte aus dem Dichtergarten des Grauens« in der Reihe »Außer der Reihe« des Aufbau-Verlages erschien, hat sich Faktor fast ausschließlich in der inoffiziellen Literaturszene engagiert und sie nicht nur durch seine experimentellen Texte, sondern auch durch Manifeste und »Selbstbesudelungen« bereichert und schon 1987 eine radikale Selbstüberprüfung der unabhängigen Literatur gefordert, lange vor den Auseinandersetzungen um die Stasiverstrickungen des Untergrundes von 1992. Im Jahr 2000 hat er sich in seinem Aufsatz »Warum aus uns nichts geworden ist. Betrachtungen zur Prenzlauer-Berg-Szene zehn Jahre nach der deutschen Einheit« noch einmal selbstkritisch zu Wort gemeldet. »Wenn man sich den heutigen Zustand der Szenerie anschaut, müsste folgende nüchterne Generalisierung erlaubt sein: ALLES IST BEIM ALTEN GEBLIEBEN.
Titel: Fremd im eigenen Land?
Verlag: Psychosozial-Verlag
Erscheinungsdatum: 2000
Einband: Softcover
Zustand: very good
Anbieter: nika-books, Nordwestuckermark-Fürstenwerder, NWUM, Deutschland
8° , Broschur, 145 Seiten, Das Buch ist in einem sehr guten Zustand. 9783898060042 Sprache: Deutsch Gewicht in Gramm: 204. Artikel-Nr. 81039
Anzahl: 1 verfügbar
Anbieter: medimops, Berlin, Deutschland
Zustand: good. Befriedigend/Good: Durchschnittlich erhaltenes Buch bzw. Schutzumschlag mit Gebrauchsspuren, aber vollständigen Seiten. / Describes the average WORN book or dust jacket that has all the pages present. Artikel-Nr. M03898060047-G
Anzahl: 2 verfügbar