Inhaltsangabe
Dokumente einer untergehenden Zeit „En Détail – Alte Wiener Läden“ enthält 70 teils großformatige Schwarzweißfotgrafien und erweitert die Austriaca-Reihe des Holzhausen Verlages („Der Wiener Naschmarkt“, „Der Wiener Fasching“, „Palast der Blüten – Das Schönbrunner Palmenhaus“). Wer kennt nicht den Greißler ums Eck, die Fleischhauerei, das Geschäft für Haushaltswaren, die Eisenhandlung, in der man die Nägel noch einzeln bekommt, das Zuckerlgeschäft, die Feinbäckerei, den Schuster oder das Knopfgeschäft und viele andere dieser typischen kleinen Wiener Geschäfte? Noch gibt es einige von ihnen. Oft stehen sie für traditionelle Erzeugungs- und Verkaufskultur und werden von Generation zu Generation weitergegeben. Sie dienen der Nahversorgung oder erzeugen auf individuelle Bedürfnisse ausgerichtete und weit gesuchte Spezialanfertigungen. Ihr Sortiment ist en détail. Jedes dieser noch existierenden Läden ist ein Stück historisches Wien. Leider gibt es aber viele von ihnen nur noch in unseren Erinnerungen, mehr und mehr haben ihre Rollbalken für immer heruntergelassen. Einerseits sind ihre Besitzer zu alt geworden, andererseits haben sich längst neue Wirtschaftsformen entwickelt, die den heutigen Konkurrenzbedingungen besser standhalten. Viele Geschäfte stehen seit Jahren leer oder sind der Filiale einer Großkette oder ähnlichem gewichen. Einige wenige werden wieder genutzt, als Wohnung, als Café, als schicke Galerie oder als Raum für Veranstaltungen. Die 1973 geborene Fotografin Petra Rainer hat auf ihrer Entdeckungsreise durch eine Reihe der noch existierenden kleinen Wiener Läden staunend festgehalten, was ihr wichtig war: Interieurs, Menschen, oftmals die Gesichter der GeschäftsinhaberInnen, die mit und in ihrem Geschäft leben. Petra Rainers liebe- und respektvoller Blick ruht auf vielen Détails und dem Betrachter eröffnet sich eine Welt, in der die Zeit seit Jahren stillzustehen scheint, eine Geschäftswelt, die – das wird offensichtlich – bessere Zeiten gesehen hat. Petra Rainers Aufnahmen lassen die wechselvolle Geschichte des Fotografierten erahnen, machen Unsichtbares wie Einsamkeit, Leere, Langeweile, die Spuren des Überdauerns aber auch die Schönheit kleiner Dinge und besonders die Würde der abgebildeten Menschen sichtbar. Dennoch geben sie kein Geheimnis preis. Sie erfassen aber das Wesentliche eines Bestandteils österreichischer Alltagskultur, der in den nächsten Jahren vermutlich ganz verschwinden wird. Petra Rainer wollte aufbewahren. Aus diesem Grund hat sie fotografiert, was sich vor und hinter den Auslagen der kleinen Läden verbirgt, die sich in Wien zweifelsohne auf besondere Weise entwickelt und bis jetzt erhalten haben. Sie hat dies auf einfühlsame, vielleicht auch melancholische und ruhige Weise getan und sich dabei vor der möglichen Gefahr gehütet, der Nostalgie nach der „guten alten Zeit“ zu erliegen. Fünfzehn namhafte österreichische AutorInnen, Manfred Chobot, Harald Friedl, Bodo Hell, Siegfried Hetz, Heinz Janisch, Ilse Krüger, Barbara Neuwirth, Dine Petrik, Silvia Pistotnig, Norbert Silberbauer, Evelyn Steinthaler, Linda Stift, Christin Siiri Vallinkoski, Monika Vasik und Mella Waldstein haben auf Petra Rainers Fotos mit sehr unterschiedlichen Beiträgen, mit Essays, Gedichten, Beschreibungen von Geschäften und Werkstätten, persönlichen Erinnerungen oder surrealistischen Geschichten, mit Miniaturen reagiert. Da erzählt beispielsweise Harald Friedl von einem Fleischer, der kurz bevor er in Pension geht, seine „letzte Sau“ absticht. Oder Mella Waldstein beschreibt die „Alois Frimmel Knopfniederlage“ im 1. Wiener Bezirk. Manfred Chobot erinnert sich an seine Kindheit, als seine Eltern noch eine Großhandlung am Yppenplatz besaßen, und in „Tassen im Schrank“ gedenkt Bodo Hell eines altmodischen Hausratgeschäfts. Das Vorwort stammt von Gerhard Roth, einem weiteren prominenten Schriftsteller und „Archivar“ österreichischer Geschichte.
Über die Autorin bzw. den Autor
"Auf meinen Entdeckungsreisen traf ich immer besondere Menschen, die ihre Räume und das darin Verborgene wie Schätze hüten. Jedes Mal, wenn ich einen dieser Läden betrat, vergaß ich den Lärm um mich herum. Ich tauchte in mir fremde Welten ein, die mich neugierig machten." (Petra Rainer im Vorwort)
„Über diesen Titel“ kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.