Bobkes Welt: Radsport auf die wilde Tour
Sprache: Deutsch
Verlag: Covadonga Verlag, 2006
- Hardcover
- Gebraucht

Anbieter: medimops, Berlin, Deutschlandmedimops
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Bestandsnummer des Verkäufers M03936973253-V
- Titel
- Bobkes Welt: Radsport auf die wilde Tour
- Autor
- Roll, Bob
- Verlag
- Covadonga Verlag
- Erscheinungsjahr
- 2006
- Zustand
- very good
- Einband
- Hardcover
- Sprache
- Deutsch
- ISBN-10
- 3936973253
- ISBN-13
- 9783936973259
„Bobkes Welt“ ist eine Sammlung außergewöhnlicher Episoden im originalen, unverblümten, oft martialischen Rennfahrer-O-Ton – ein Buch so tumultartig, absurd und doch unwiderstehlich wie ein legendäres Paris-Roubaix im Regen. Eine wahnwitzige Achterbahnfahrt über Kopfsteinpflaster, Pyrenäenpässe und Singletrails, die ihm endlich auch auf dem alten Kontinent den verdienten Ruhm für seine extravagante, bissig-verschrobene und lyrische Sicht des Radsports bescheren dürfte. Und viele, sehr viele spontane Lacher.
„Inhaltsangabe“ gehört möglicherweise zu einer anderen Auflage dieses Titels.
Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.
Der Tag, an dem die harten Männer weinten
5. Juni 1988
Giro d'Italia, 14. Etappe: Chiesa Valmalenco-Bormio
In Europa nennen sie uns die »Giganten der Landstraße«. Wenigstens werden die einheimischen Stars des Radsports auf diese Weise in der Presse und von den Tifosi verehrt. Wir Amerikaner im Team 7-Eleven hingegen galten vor allem als mehr oder minder talentierte Eindringlinge, die nur des Adrenalins und des Geldes wegen in Europa fuhren. Unsere bisher bescheidenen Erfolge - hin und wieder mal ein Sieg - glichen eher vereinzelten Stichwunden als un-barmherzigen, tödlichen Schnitten in die Halsschlagader. Doch die Etappe über den Gavia beim Giro 1988 sollte auf einen Schlag alles ändern. An einem der dramatischsten Tage der Radsportgeschichte knackten wir die Brust des europäischen Straßenrennsports und taten uns an seinen Herzen gütlich.
Vor der Gavia-Etappe waren seit Tagen immer dichtere Wolken aufgezogen, dunkel wie schwarzes Leder. Und am Vorabend, als wir gerade den Streckenverlauf nach Bormio besprachen, öffnete der Himmel seine Pforten und kalter Regen prasselte darnieder. Keine Frage, uns stand eine epische Etappe bevor, und Drew verkündete, dass er bereit war für den »totalen Krieg« auf dem Gavia.
Der Startschuss erfolgte in garstigem, kalt die Beine hoch kriechendem Regen im Tal unterhalb von Chiesa Valmalenco. Angeführt von den Bongos, die Coppino (Franco Chioccioli, den Doppelgänger von Fausto Coppi) im Rosa Trikot hatten, rollte das Peloton widerwillig aus der Stadt hinaus. Nicht so aggressiv wie für gewöhnlich, aber voller Angst nahm das Feld Kurs auf die Dolomiten.
Die erste echte Hürde war nach siebzig Kilometern der Passo dell' Aprica auf 1.181 Metern Höhe. Als wir den Gipfel in geschlossener Formation überquerten, verwandelte sich der Regen schlagartig in Schnee, der auf der Straße liegen blieb. Mit Ausnahme von Ariosteas Hirnchirurgen Stefan Joho, der hier zu Hause war und allein vorne raus fuhr, begnügten sich alle Jungs damit, sich so lange wie möglich in der relativen Sicherheit des Pelotons zu verschanzen. Die Abfahrt vom Aprica jagte mir ziemliche Angst ein, weil die gefrorenen Eisblöcke, die wie meine Hände aussahen, es nicht mehr schafften, die Bremshebel zu betätigen. Ich schlitterte nur so durch die Kurven und rammte andere Fahrer, um irgendwie an Tempo zu verlieren.
Als es wieder flacher wurde, riss Roberto Pagnin aus, konnte aber nur ein paar Sekunden rausholen, da Del Bongo nun zu einem Teamzeitfahren an den Fuß des Gavia ansetzte. Aua! Meine Beine fühlten sich bereits wie versteinerte Bretter an, als wir durch Ponte di Legno kamen, den letzten bewohnten Außenposten vor dem Gavia. Dann, als sich alle Kletterer und Klassementfahrer an die Spitze begaben, passierten wir das Schild für den Bergpreis. 18 verfluchte Kilometer bis nach oben. Ummh, ummh, ummh - lecker!
Normalerweise wäre nun der Zeitpunkt gekommen, an dem ich mich ins Gruppetto der Sprinter zurückfallen lassen und mein Bestes versuchen würde, irgendwie im Zeitlimit das Ziel zu erreichen. Ich sprintete also ein letztes Mal zu Andy nach vorne, um ihm seine Regenjacke zu bringen, die ich am Teamfahrzeug geholt hatte. »Viel Glück, Püppchen - brat ihnen eins über«, gab ich ihm mit auf den Weg.
Doch als ich endlich mein Tempo fahren konnte und wieder von unserem Mannschaftsauto eingeholt wurde, sah ich einen offenkundig äußerst aufgeregten Mike. Und weil das so selten vorkam, machte mich dieser Anblick schlagartig nervös. Er schrie etwas von einem heftigen Schneesturm auf der Passhöhe, reichte mir Skihandschuhe, eine Wollmütze, eine trockene Jacke und sagte: »Bring das nach vorne zu Andy!«
»Scheiße«, sagte ich: »Machst du Witze?«
»Zur Hölle, nein! Bring endlich Andys Klamotten nach vorne. Auf der Stelle!«
Ich schüttelte den Kopf, biss auf die Zähne und begann, Stück für Stück wieder zur Spitzengruppe aufzuschließen. Ich brauchte fünf Kilometer, dann hatte ich sie endlich eingeholt: Andy, Breuk, Giovannetti und Giupponi. Ich brüllte zu Andy: »Hier, nimm den Mist. Oben auf dem Pass tobt ein Schneesturm.«
Andy schien überrascht zu sein, mich nach zehn Kilometern im Berg noch an der Spitze zu sehen. Er schaute mich an, als käme ich vom Mars. Als ich allmählich wieder aus der Spitzengruppe zurückfiel, sah ich zwei Spitzkehren über mir, wie das Maglia Ciclamino im Solo davonflog - bis es im heftigen Schneetreiben verschwand, und mit ihm sein Träger Johan van der Velde.
Ich sah auch viele der gefeierten Favoriten für die Gesamtwertung in diversen Stadien der Verzweiflung. Slim Zim litt, und Coppino war nur noch ein erbärmliches Häuflein Elend. Visentini war drauf und dran aufzugeben, und Delgado hatte gerade entschieden, dass dieser Giro d'Italia für ihn nicht mehr als eine Tour-Vorbereitung sein sollte.
Abgesehen von seiner Länge, seiner Steilheit und der fast 1.500 Höhenmeter wartete der Gavia noch mit einer anderen üblen Besonderheit auf: Die letzten 15 Kilometer waren nicht asphaltiert! Wenn es trocken war, ersticktest du am Staub... aber bei Regen und Schnee musstest du alle Kraft allein dafür aufbringen, nicht umzufallen, während deine Räder immer tiefer im Morast versanken.
Auch wenn es noch zehn Kilometer bis zur Passhöhe waren, wurde die Schneedecke auf dem Schlammpfad immer dicker. Ich kämpfte weiter - zumeist allein, aber hin und wieder passierte ich auch die schneebedeckten Überreste einer Radsportikone. Drei Kilometer vor dem Gipfel ging es durch einen Tunnel, der mich kurzzeitig vom ständigen Gestöber der Flocken erlöste. Kopfschüttelnd befreite ich meine Rennmütze etwas vom Schnee, der sich auf ihr angesammelt hatte, und ließ mir von einem der ganz wenigen Tifosi am Straßenrand eine Tasse heißen Tee geben.
Vorne blieb ein äußerst hartnäckiger Andy an Breuk dran. Die beiden lagen knapp zwei Minuten hinter Van der Velde, der sich die Bergwertung sicherte. Ich überquerte die Passhöhe in den Top 20, und Och', der auf dem Gipfel mit unseren Regenklamotten wartete, fielen fast die Augen aus dem Kopf, als er sah, dass der große böse Bobke zwar nun langsam starb, aber immer noch in Gesellschaft der Kletterer fuhr. Ich schnappte mir eine Regenmütze, langfingrige Handschuhe und eine Oakley-Brille und machte mich von der Passhöhe auf ins 15 Kilometer entfernte Bormio. Eigentlich hatte ich gedacht, ich könnte 15 Kilometer Abfahrt in jedem nur denkbaren Zustand bewältigen. Zu jeder Zeit und an jedem Ort der Welt. Doch vermutlich habe ich mich in meinem ganzen Leben nie dermaßen geirrt.
Nach einer brillanten Kletterpartie fuhr Van der Velde einsam an der Spitze und trug virtuell bereits das Rosa Trikot. Doch um weiter Zeit zu gewinnen, hatte er keine zusätzlichen Klamotten übergezogen. Und so kauerte nach nur zwei Kilometern Abfahrt ein geschlagener Van der Velde tränenüberströmt am Straßenrand. Vollkommen unterkühlt kroch er in ein Auto, um sich aufzuwärmen. Erst eine Stunde später stieg er wieder aus und auf sein Rad. Die Ziellinie passierte er außerhalb des Zeitlimits. Nun waren Drew und Breuk also allein in Front.
Überall in Europa verbreitete sich die Nachricht von den unmenschlichen Bedingungen bei der 14. Etappe des Giro 1988 wie ein Lauffeuer. Die Augen eines ganzen Kontinents klebten an den Fernsehapparaten, als Andy und Breuk in der Yeti-kompatibelsten Manier aller Zeiten um den Tagessieg kämpften. Breuk hatte am Ende das Quäntchen Kraft mehr in den Beinen und gewann. Eine Sekunde vor Andy. Doch zur absoluten Überraschung jedes Mannes, jeder Frau und jedes Kindes in Europa hatte sich ein amerikanisches Radsportteam das Rosa Trikot des Giro d'Italia geholt. Andrew Hampsten kletterte aufs Podium und streifte sich La Maglia Rosa über.
Unterdessen stampfte ich gesenkten Blickes voran und folgte den Reifenspuren durch den Schnee. Nach einem Kilometer war mir entsetzlich kalt. Nach zwei Kilometern war ich völlig durchgefroren. Nach nur drei Kilometern kicherte ich wie...
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