Verwandte Artikel zu Maya mein Mädchen

Maya mein Mädchen - Softcover

Gyde Callesen

 
9783985952007: Maya mein Mädchen

Inhaltsangabe

Viele Menschen, die sich selbst verletzen, schreiben ihrem Körper die blutigen Spuren der Vergangenheit ein. Ein Tabuthema, wie auch die oft in diesem Zusammenhang gestellte Diagnose Borderline, ein Syndrom, das keinesfalls das Problem einer Minderheit darstellt. Abseits von psychologischer Fachliteratur oder Selbsterfahrungsberichten legt Gyde Callesen mit 'Maya mein Mädchen' einen Roman vor, der sich diesem Thema einfühlsam und kenntnisreich annähert. Ein Roman, der auf literarisch anspruchsvolle Weise die Frage nach dem Selbst radikal und bedingungslos stellt, der magisch anmutend von dem Leben einer jungen Frau in einer zersplitterten Welt erzählt. 'Maya mein Mädchen' ist ein Buch über eine junge Frau, die ihrer eigenen Geschichte auf der Spur ist und verzweifelt um ihre Identität kämpft. Sie ist eine Grenzgängerin, unterwegs an Grenzen zwischen Leben und Tod, zwischen Traum und Wirklichkeit. Dies ist eine Neuauflage des 2003 erstmals erschienenen Romans.

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Gyde Callesen ist Schriftstellerin und Dozentin und veröffentlichte bisher 12 Bücher, darunter mehrere Lyrikbände, zwei Romane, Kurzprosa und ein Kinderbuch. Die gebürtige Flensburgerin studierte Germanistik, Philosophie, Biologie und Pädagogik in Aachen und Hannover. Für ihr bisheriges Werk wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Sie absolvierte langjährige Kampfkunstausbildungen und diverse körpertherapeutische Ausbildungen. Seit 2007 leitet sie eine eigene Schule für Literarisches Schreiben, an der sie Erwachesenen, Jugendlichen und Kindern das Handwerkszeug des Schreibens vermittelt. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist außerdem die performative Zusammenarbeit mit Musikern, bildenden und darstellenden Künstlern.

Von der hinteren Coverseite

Das kalte Glas an ihrer Stirn. Daneben ihre zu kleinen Hände auf der Fensterscheibe. Dahinter würde ein anderes Leben beginnen, sie wußte nur nicht wann. Immer wieder stand sie so dort, als müßte die kalte Fensterscheibe sie daran erinnern, daß sie fühlen kann. Eine angenehme Kühle. Das Fenster bot Durchblick und Widerstand zugleich. Es ließ den Blick offen, aber hielt sie auch fest. Wonach sie Ausschau hielt, konnte sie nicht sagen. Stundenlang lagen ihre Augen auf den Novemberweiden hinter dem Fenster. Novemberweiden im Frühjahr, im Sommer, im Herbst. Starr waren ihre Augen, entfernt, auf dem Weg in eine andere Zeit. Niemand fragte nach ihr, und ihre Einsamkeit blieb ungestört. Sie zählte die Zeit nicht, sie wollte sich nicht erinnern. Als sie nichts mehr spürte, drückte sie die Stirn und die Hände noch ein wenig fester gegen das Fenster. Maya, mein Mädchen ist die Erzählung über eine junge Frau, die ihrer eigenen Geschichte auf der Spur ist, die verzweifelt um ihre Identität kämpft. Sie ist eine Grenzgängerin, unterwegs an Grenzen zwischen Leben und Tod, zwischen Traum und Wirklichkeit.

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

"Dazwischen. Mein Lebensraum ist das namenlose Dazwischen. Zu krank, um tadellos zu funktionieren. Zu gesund, um auffällig zu sein. Irgendwann muss man sich entscheiden, wo man hingehören will, muss man sein Leben in dieser luftleeren Zone beenden, eine Identität finden... Zu Stein geworden ist die kalte Einsamkeit. In mir verglühte Asche. Ein dunkler Krater ohne Boden. Taub sind die Gefühle geworden, die Gedanken erblindet. Der letzte Tanz um den schweren Sog, in dem alle Hoffnung erloschen ist. In dem es kein Gestern, kein Morgen und keine Farben gibt. Gefesselt an das Schachbrett der Auswegslosigkeit. Schachmatt. Eine Flamme, die immer kleiner wird. Die nicht dafür reicht, sich zu wärmen. Totenstille Zeit. Eine schwere Gleichförmigkeit geistert tonlos am Fenster vorbei, trübt den Glanz der Augen. Der Sinn ist in der Wüste verdurstet auf dem Weg zur Oase. Sein Skelett ist dünn, sandig, ein monotoner Schatten dort, wo es keine Grenzen gibt. Eine ewige Nacht drückt auf die Lider. Der Kampf um das Licht ist mühsam geworden. Ein Vorhang aus Blei hat mich lebendig begraben. Abgeschnitten von Euren Worten, Eurer Wärme und meinem Leben. Wie ein abgebrochener Schlüssel. Ich kann mich nicht mehr finden und nicht auf die Suche machen nach mir. Das sind die zerfetzten Teile ohne Zusammenhalt. Zum Zaungast geworden im Zirkus des eigenen Lebens. Das Programm ist bunt und gefährlich. Mein Film spult ab und bleibt immer an derselben Stelle stehen. Ich sehe mich lachen, nicken, verstehen und verzweifeln. Wo bin ich?"

„Über diesen Titel“ kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.