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Briefe aus Simbabwe: Roman in Briefen - Softcover

Kara Benson

 
9783981079814: Briefe aus Simbabwe: Roman in Briefen

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

"Am nächsten Tag unternahmen wir wieder einen Ausritt, diesmal führte uns Sello, ein Pferdepfleger, an. Judy, sehr erfahren im simbabwischen Busch, ritt immer dicht hinter ihm her. Danach kam erst einmal eine Lücke, weil meine Beine und mein Hinterteil zu sehr unter dem Muskelkater zu leiden hatten, um mein Pferd Manondo andauernd anzutreiben. Außerdem war ich die einzige echte Touristin in der Gruppe, und ich erlaubte mir, es mir gut gehen zu lassen. Das heißt, ich konnte ein bisschen faul sein, mich von meinem Pferd tragen und die Gegend auf mich wirken lassen. Manondo war ein kluges Pferd und nahm das sofort an. Er passte sich meinem Rhythmus an, und ich genoss die Landschaft. Auch war ich nicht allzu erpicht darauf, mich auf diesen engen, gewundenen Pfaden schneller fortzubewegen. Auf oder mit einem Pferd einen Berg hinabzurollen, entspricht nicht unbedingt meiner Vorstellung von einer angenehmen Freizeitgestaltung.
Janet ritt mit ihrem blue heeler Kelly, der sich stets dicht an ihrer Seite hielt, direkt hinter mir. Janet hatte Kelly aus Australien mitgebracht. Seit sieben Jahren war Simbabwe ihr Zuhause und würde es, wie sie hoffte, auch bleiben.
Mein Blick wanderte über das Land, als ich plötzlich in einer Entfernung von nur knapp zweihundert Metern Elefanten entdeckte: eine große Kuh mit einem kleinen Kalb und einem halbwüchsigen Jungtier. Ich wandte mich zu Janet, um ihr meine Entdeckung zu zeigen, doch sie hatte sie auch bereits erspäht, denn Kelly, dessen Blick sie gefolgt war, stand wie erstarrt da. Wir versuchten nun leise die zwei von der schnellen Truppe vor uns auf die Tiere aufmerksam zu machen, aber die schienen taub zu sein. Zu sehr waren sie in ihre Diskussion darüber vertieft, wie frisch die Elefantenspuren waren. Die waren in der Tat sehr frisch! Die Elefanten verhielten sich absolut ruhig, in der Hoffnung, wir würden sie nicht sehen. Schließlich rief Janet leise nach ihren Freunden. Leise, jedoch zulaut für die Elefantenmutter. Kräftig trompetend ergriff sie, ihre Jungen im Schlepptau, die Flucht, rannte die Schlucht hinunter und die andere Seite wieder hinauf. Wir folgten ihnen ein kurzes Stück. Sie waren nur etwa fünf- bis sechshundert Meter entfernt, hatten aber im dichten Busch eine gute Deckung. Wir beobachteten sie noch eine Weile, ließen sie dann aber in Ruhe. Elefantenmütter sind sehr fürsorglich und jederzeit bereit, ihre Jungen zu verteidigen. Ihr Trompeten war ein Zeichen von Stress. Wir wollten sie nicht noch mehr aufregen und machten uns wieder auf den Weg.
Wir nahmen uns vor, noch Felsenmalereien zu besichtigen. Auf dem Weg dorthin kamen wir durch ein Tal namens elefant vlei - ein tiefer liegendes Grasland, das von Elefanten geschätzt wird; seinen Namen trägt es offensichtlich zu Recht. Es war geradezu ein ergreifendes Gefühl, über diese Grasebene zu reiten, wo seit Tausenden von Jahren Elefanten beheimatet sind, da hier nie Menschen gelebt haben.
Später zog ein Gewitter mit schwarzen Wolken auf, die rasch näher kamen. Wir mussten, dort wo der Boden es erlaubte, einen flotten Trab hinlegen und schafften es gerade noch, trocken zu Hause anzukommen.
Am späten Nachmittag hätte ich noch mal ausreiten können, aber ich zog es vor, im Bett zu liegen, zu lesen und mich zu entspannen. Meggie versüßte mir dieses Dolce Vita, indem sie Tee und Kuchen brachte.

Im Camp gibt es keine Elektrizität. Als ich am späten Abend nach dem Essen dann ganz allein, lediglich mit meiner kleinen Petroleumlampe ausgestattet, zu meiner Hütte lief, kamen mir wieder die Löwen in den Sinn."

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