Moon of Witchcraft (Das RosenRote Schlüsselloch) - Softcover

Buch 4 von 5: Das RosenRote Schlüsselloch

Rudolph, Sophia

 
9783948592202: Moon of Witchcraft (Das RosenRote Schlüsselloch)

Inhaltsangabe

Aus einer Not geboren, lebt ein alter Pakt neu auf. Hexen und Werwölfe leben Seite an Seite und kämpfen um ihren Fortbestand. Doch ist die Motivation des Bündnisses auf beiden Seiten fraglich. Finden Jessa und Quinn den wahren Weg zueinander?

Die Inhaltsangabe kann sich auf eine andere Ausgabe dieses Titels beziehen.

Über die Autorin bzw. den Autor

Im Südwesten Deutschlands geboren, entwickelte Sophia Rudolph früh eine Leidenschaft für das Lesen und Schreiben. Noch größer als ihre Leidenschaft dafür, sich in geschriebenen Texten zu verlieren, ist die, sich auf Reisen quer durch Europa zu neuen Geschichten inspirieren zu lassen. Leidenschaft spielt auch in ihren Geschichten eine große Rolle.

Auszug. © Genehmigter Nachdruck. Alle Rechte vorbehalten.

Kapitel 1 – Kinder des Mondes »Meine Schwestern, unsere Göttin hat uns reich gesegnet. Ich sehe Glück und Erfolg in unserer Zukunft. Unser Zirkel wird wachsen und gedeihen, so wie der Mond, der heute neu am Himmel geboren wird und den die Göttin bald wieder voll und leuchtend am Firmament über uns wachen lässt. Vor uns liegt eine Zukunft, wie sie unsere Ahninnen nicht hätten erträumen können.« Jessas Magen zog sich krampfhaft zusammen, als sie die Worte ihrer Tante hörte. Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des Zirkels stand sie im Garten um den weißen Marmorbrunnen versammelt, und sah zu Cynthia. Ihre Tante hatte die Arme in die Luft gestreckt, wodurch das silberfarbene Gewand ihr bis zu den Schultern rutschte. Die Kapuze war mit Haarnadeln an ihrem blonden Haar befestigt. Für einen Unwissenden sah es so aus, als hielte ihre Macht allein die Kopfbedeckung an ihrer Stelle. Doch es war nicht diese Show, die ihre Tante veranstaltete, die Jessa abgrundtief abstieß, es waren ihre Worte. In jedem von ihnen spürte sie die Lüge. Sie unterdrückte den Drang, ihre Tante dessen zu bezichtigen. Aber man beschuldigte die Anführerin eines Zirkels nicht ungestraft eines Vergehens jedweder Art. Erst recht nicht die Anführerin des eigenen Zirkels. »Was ist?« Jessa warf ihrer Cousine, die neben ihr stand, einen kurzen Blick zu, dann schüttelte sie den Kopf. Sie wollte Ava nichts über ihr Gefühl sagen, solange sie selbst nicht erklären konnte, weshalb sie davon überzeugt war, dass Cynthia log. Avas Blick war durchdringend, als versuche sie, die Antwort aus Jessas Gedanken zu lesen. Soweit Jessa allerdings wusste, war Ava dazu – glücklicherweise – nicht in der Lage. »Vor vielen Jahren wurden wir unterdrückt, gejagt und mussten um unser Leben fürchten. Diese Zeiten sind zum Glück lange vorbei. Wir haben gelernt, uns zu verstecken, unsere Kräfte heimlich zu meistern. Wir wurden stärker und heute gibt es keine Gefahr mehr, die uns noch etwas anhaben könnte. Noch nie waren wir so sicher, wie in diesen Tagen.« Unauffällig presste Jessa eine Hand gegen ihren Bauch, als das Ziehen darin noch stärker wurde. Cynthia log sie an. Sie alle. Sie spürte es mit jeder Faser ihres Herzens und verstand nicht, wieso sonst keiner auf diese offenkundigen Lügen reagierte. »Ava, komm zu mir.« Cynthia streckte die Hand nach ihrer Tochter aus. Jessa sah aus den Augenwinkeln, wie Ava ihr einen besorgten Blick zuwarf, ehe sie zögernd an die Seite ihrer Mutter trat. Wenigstens eine der Anwesenden weiß, dass unsere Anführerin lügt, schoss es Jessa durch den Kopf. Ihre Cousine wusste ebenfalls, dass die Worte ihrer Mutter nicht der Wahrheit entsprachen. Ob sie es wie Jessa spürte, oder aus anderem Grund wusste, konnte Jessa nicht sagen. »Wie der Mond bald in seiner ganzen Kraft erstrahlen wird, so wird auch Avas volle Macht unseren Zirkel erleuchten. Sie soll euch an meiner Seite demonstrieren, zu welcher Größe und Stärke jede Einzelne von euch fähig ist. An ihrem einundzwanzigsten Geburtstag werden wir uns hier erneut versammeln und der Göttin für ihre Kraft und Weisheit, an der sie uns durch Ava teilhaben lässt, danken.« Jessa schrie vor Schmerz auf. Sie konnte ihn nicht länger unterdrücken. Ihr Körper krampfte sich zusammen und zwang sie in die Knie. Sie sah noch den zornigen Blick ihrer Tante und den besorgten ihrer Cousine, ehe sie das Bewusstsein verlor. Als sie wieder zu sich kam, lag Jessa auf der Couch im Wohnzimmer, ein kühles Tuch auf der Stirn, die Beine auf die Rückenlehne der Couch gelegt. »Was ist passiert?« »Du hast die Versammlung gestört, das ist passiert!« Jessa wandte leicht den Kopf und sah gerade noch, wie ihre Tante mit wehendem Umhang das Wohnzimmer verließ und die Tür zur Küche lautstark hinter sich ins Schloss fallen ließ. »Die Idealbesetzung einer bösen Stiefmutter im Märchen«, murmelte Danielle und nahm Jessa das Tuch von der Stirn. »Geht es wieder?«, fragte ihre beste Freundin sie und half ihr, sich aufzusetzen. »Mir geht es gut, aber sagt mir jetzt bitte jemand, was passiert ist?« Sie sah zwischen Danielle, die neben ihr saß, und Ava, die mit dem Rücken an der Wand lehnte, hin und her. »Du hast irgendetwas gespürt«, erklärte Ava schließlich und sah Jessa erwartungsvoll an. »Und jetzt wäre ein guter Zeitpunkt, zu sagen, was das war.« Jessa erinnerte sich an den krampfartigen Schmerz, das Wissen, dass ihre Tante log, während sie gesprochen hatte. Sie mied Avas Blick und schüttelte den Kopf. »Mir war nur übel. Ich hab wohl was Falsches gegessen.« Sie ahnte, dass keine der beiden ihr Glauben schenkte. Aber genauso wenig fragten sie noch ein weiteres Mal. Danielle legte einen Arm um ihre Schulter und drückte sie für einen Moment an sich. »Dann bin ich ja froh, dass es nichts Ernstes ist. Ich sehe dich morgen auf der Arbeit, ja?« Jessa nickte. Sobald sich Danielle verabschiedet hatte, erhob sie sich von der Couch und ging die Treppe hinauf in ihr Schlafzimmer. Im Erdgeschoss fiel die Eingangstür ein zweites Mal ins Schloss. Kurz darauf klopfte Ava an Jessas Tür und streckte den Kopf ins Zimmer. »Ma ist noch einmal weg. Können wir jetzt sprechen?« Jessa sah in die blauen Augen ihrer Cousine und bemühte sich um einen unschuldigen Gesichtsausdruck. »Es gibt nichts zu bereden. Ich sagte doch schon, mir war nur übel.« »Und ich glaube dir nicht.« Ohne auf eine Einladung zu warten, betrat Ava das Zimmer und legte ein großes, in braunem Leder gebundenes Buch auf Jessas Bett. »Ich glaube, du weißt, dass Ma heute Abend verdammt viel Bullshit erzählt hat.« »Tante Cynthia erzählt sehr oft Bullshit, wenn mir davon jedes Mal schlecht werden würde …« »Während des Dreimondes um ihren einundzwanzigsten Geburtstag manifestieren sich bei einer Hexe Kräfte, die sie bis dahin nicht kannte. In dieser Zeit entscheidet sich auch oft, welchen zukünftigen Weg eine Hexe einschlagen wird«, zitierte Ava mit einer Hand auf dem braunen Ledereinband. Jessa sah ihre Cousine verständnislos an. »In fast einem Monat wirst du einundzwanzig«, erklärte ihr Ava und schlug das Buch auf. »Das heißt, der letzte Vollmond läutete deinen Dreimond ein. Die drei Vollmonde um deinen Geburtstag herum. Jetzt zeigt sich deine wahre Kraft.« Nun lachte Jessa laut los. Sie konnte nicht anders, sie ließ sich auf das Bett zurückfallen und lachte, bis ihr der Bauch schmerzte und ihr die Tränen kamen. »Ich meine es ernst, Jessa. Du bist viel mächtiger, als du glaubst. Ma … sie hat dich absichtlich im Dunkeln darüber gelassen, was du alles könntest, wenn deine Magie ihr volles Potenzial zeigt.« Mit diesen Worten brachte Ava ihre Cousine dazu, ihr Lachen abrupt zu beenden. »Was meinst du damit?« Jessa setzte sich wieder auf und sah zu, wie Ava einige Seiten des Buches umblätterte. »Ma hat es mir gegeben, um mich auf meinen Geburtstag vorzubereiten. Hier drin stehen Dinge, von denen sie uns nie erzählt hat. Ich glaube, selbst die meisten Hexen ihrer eigenen Generation wissen nichts von dem, was in diesem Buch steht. Rituale, Tränke, Beschwörungsformeln. Das Wissen von Jahrhunderten ist hier versammelt. Es wurde von den Frauen geschrieben, die sich damals erfolgreich vor den Verfolgungen hier in Salem verstecken konnten. Ihr Wissen ist hier drin verwahrt.« »Und Cynthia behält es für sich«, flüsterte Jessa und klang dabei wenig überrascht. Sie überflog die Seiten des Buches, die Ava ihr zeigte. Alte Seiten mit beinahe verblasster Tinte. Kaum mehr leserliche Buchstaben in einer Handschrift, die schwer zu entziffern war und trotzdem … Jessa streckte die Hand nach dem Buch aus, ließ ihre Finger über die Tinte streichen. »Der Pakt, den wir eingegangen sind, mag gefährlich sein, aber er wird unser Überleben sichern. Bedenket, alle, die uns folgen werden und diese Zeilen dereinst lesen: In der dunkelsten Stunde schickt unser die Große Mutter die Kinder des Mondes zum Schutz.« Jessa hielt inne und hob langsam den Blick, um Ava anzusehen. »Ich sagte doch, in dir steckt mehr Magie, als du ahnst.« Vom Erdgeschoss hörten sie, wie die...

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