Tadeusz Kantor wurde am 6.4.1915 in Wielopole Skrzynskie geboren und starb am 8.12.1990 in Krakau. Der weltweit bewunderte Theater-Regisseur und Künstler thematisierte die Schrecken und die Gräueltatendes 20. Jahrhunderts. Mit der Gründung des Teatr Cricot² (ein Anagramm von to circ – 'das ist Zirkus') im Jahr 1955 befreite Kantor das Theater von der Dominanz des Textes und attackierte die Einfallslosigkeit der offiziellen Bühnen. Die Tote Klasse erhielt Einladungen rund um den Globus und wurde über 1500 Mal gespielt. Auch die nächsten Inszenierungen Wielopole, Wielopole (1980), Die Künstler sollen krepieren (1985), Ich kehre hierher nicht mehr zurück (1988) und das postum aufgeführte Spektakel Aujourd’hui c’est mon anniversaire (1991) bekräftigten den internationalen Ruf. In seinem 'Theater des Todes und der Liebe' gedachte Tadeusz Kantor der Chassidim, der frommen Ostjuden. Die Installation Das Brett der letzten Rettung, jedes Jahr an Kantors Todestag am 8. Dezember von Leslaw und Waclaw Janiciki realisiert, erinnert an die Ermordung der Chassidim in Auschwitz.
Die Monographie enthält Texte von und über Tadeusz Kantor, ausführliche Interviews mit Kantor, den Schauspieler/innen, dem Dokumentarfilmregisseur Andrzej Sapija und dem Fotografen Günther K. Kühnel. Außerdem vermitteln ein Text über Anselm Kiefers Beziehung zu Kantors Kunst und zahlreiche Fotos ein lebendiges und facettenreiches Bild des polnischen Künstlers. Tadeusz Kantor ist anlässlich seines 100. Geburtstages Repräsentant des polnischen Kulturjahres 2015.
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Klaus Dermutz, geb. 1960 in Judenburg (Österreich), Studium der Theologie, Philosophie und Soziologie in Graz und Berlin, 1992 Promotion über Tadeusz Kantors Theater. Von 2001–2009 gemeinsam mit dem Burgtheater-Direktor Klaus Bachler Herausgeber der Buchreihe Edition Burgtheater. Publikationen über das Theater von Christoph Marthaler (2000), Peter Zadek (2001), Gert Voss (2001), Otto Sander (2002), Andrea Breth (2004), Ignaz Kirchner und Martin Schwab (2007) sowie Das Burgtheater 1955–2005 u. a. 2010 Publikation der Gespräche mit Anselm Kiefer unter dem Titel Die Kunst geht knapp nicht unter. Die Leidenschaft für Fußball zeigt sich im Buch Ernst Happel. Genie und Grantler (2015). Klaus Dermutz lebt in Berlin.
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