Bisse: 17 ungewöhnliche Geschichten

 
9783939882022: Bisse: 17 ungewöhnliche Geschichten
Review:

17 Geschichten sind in der Anthologie ... versammelt, die zumeist der unheimlichen Phantastik zuzurechnen sind. Aber hin und wieder, so wie in der ersten Erzählung, werden auch die Fühler in Richtung der anderen Genres ausgestreckt.
Es ist eigentlich keine Ansichtsache sondern eine Sache von Erziehung und Anstand, die der jüngeren Generation völlig abgehen, findet eine alte Dame, die sich gegenüber ihrer Freundin in Briefen über die Nachbarn beschwert und schließlich einen Gegenstand in ihrem Schrank deponiert, der nur von den Kindern von nebenan stammen kann. Doch das Ding scheint ein Eigenleben zu entwickeln. Sie ahnt ja nicht, was wirklich in ihm steckt.
In Hohe Minne träumt Anna von der großen Liebe, doch während des Italienurlaubs mit ihrem neuen Freund muss sie feststellen, dass er eigentlich nur an einem interessiert ist: sich, so oft er kann, Spaß mit ihr im Bett zu holen. Ernüchtert und enttäuscht verlässt sie ihn und versucht, sich durch einen Ausflug in ein altes Kastell abzulenken. Dessen Besitzer ist sehr freundlich und zuvorkommend, scheint ihre Gefühle zu verstehen und die wahre Liebe zu kennen. Doch welchen Preis muss sie dafür zahlen?
Der Klang der Harfe verzaubert Elke vom ersten Augenblick an, als sie das Instrument aus dem Nachlass ihrer Tante erhält, die sich als Musikerin ins Ausland zurückgezogen hat. Sie kann es nicht lassen, auf dieser zu spielen und vergisst dabei alles um sich herum. Dabei wurde mit dem Instrument eine ernste Warnung mitgeschickt, die sie aber nicht beachtet, bis es zu spät ist.
Einsam ist der Macht-haber , der seiner zarten Gefangenen die Geschichte seines Lebens erzählt, aber doch irgendwie sein Ziel nicht erreicht, denn am Ende zieht sie es lieber vor, aus dem Leben zu scheiden, als ihm ihr Herz zu schenken. Aber auch wenn er die Menschen über Jahrtausende begleitet hat, kann er immer noch nicht begreifen, warum sie so viel Angst vor ihm haben. Dabei will er nicht viel von ihnen.
Ein Rentner tut für seine bettlägerige Frau alles. Er entfernt auch die Schädlinge aus ihrem Kräutergarten und vernichtet sie, damit sie nicht wiederkommen. Allerdings nicht ohne einen kleinen Hintergedanken.
Ähnlich verhält sich ein junger Mann, der auch nach vierzig Jahren immer noch für seine Mutter da ist und ihr versucht, ein guter und perfekter Sohn zu sein. Er erlaubt sich jedoch ein Geheimnis vor ihr zu haben, das er nur mit einem schlammigen Tümpel teilt, zu dem er sich nachts hinschleicht, um der Wassermusik zu lauschen, die ihn von allen Enttäuschungen seines Lebens befreit.
Die Bundesminsterin für Gesundheit rät mit dem Rauchen aufzuhören, doch trotz aller Repressalien gibt es immer noch genug Süchtige, die dieser Leidenschaft frönen und nicht davon ablassen können. Sie sind längst in das Visier einer anderen Macht geraten.

Dies sind nur die Highlights der Sammlung, in der die düster-makaberen Geschichten dominieren. Gerade durch die Alltäglichkeit mit der Erzählungen wie Schädlinge und Wassermusik beginnen, entsteht ein krasser Gegensatz zu dem Grauen, dass sich gerade zum Ende hin immer mehr in die Geschichte einschleicht. Etwas weniger ernst und bedrohlich geht es in Ansichtssache zu, bei der das Schmunzeln immer wieder im Hals stecken bleibt; und sie ist auch nicht die einzige dieser Art.
... steht bei ihr (Ju Honisch) ... nicht im Vordergrund, durch plakative Schilderungen und Gewalt Spannung zu erzeugen. Bei ihr haben die Figuren mehr zu sagen, sie beobachtet und entwickelt ihr Verhalten Hin und wieder lässt sie das eine oder andere bewusst auch ungesagt, um das Gruseln noch angenehmer zu gestalten..

Geheimtipp für alle Fans gehobenen Horrors, die sich lieber realistisch und leise Schauer über den Rücken jagen lassen und einer Prise bitterbösen schwarzen Humors nicht abgeneigt sind. (Christel Scheja auf literra.info)

Bisse ist keine leichte Lektüre, die man in einem Rutsch durchliest. Das gelingt vielleicht noch bei den ersten Geschichten. Die erste ist passend zu den anderen Stories ungewöhnlich, jedoch eher im Science Fiction-Bereich angesiedelt. Und auch 'Der Jogger' hinterlässt zumindest noch ein Gefühl von 'das geschieht ihnen recht'. Aber dann werden die Geschichten immer düsterer und man braucht hinter fast jeder Story ein kleines Verdauungspäuschen.
Gekonnt und stilsicher lässt Ju Honisch einen mit ihren Geschichten die Haar zu Berge stehen und der eine oder andere Kloß bildet sich beim Lesen im Hals. Man sollte keine all zu depressive Grundstimmung mitbringen, das könnte verheerende Folgen haben... trotzdem kann man nicht aufhören weiterzulesen. Die gruseligen und teilweise morbiden Geschichten ziehen einen zu sehr in ihren Bann.

Die Stimmung der Geschichten erinnert mich teilweise an Stefan Grabinski, einem polnischen Autor des unheimlichen Genres, der um die Jahrhundertwende lebte. Die Autorin selber beschreibt die Geschichten stehen in der klassischen Gruseltradition von Dahl oder SAKI. Was den Kern sicher auch recht gut trifft.

Zu erwähnen wäre noch, dass zu einigen der Kurzgeschichten sogar Lieder der Autorin existieren, die soweit ich weiß in nächster Zeit auch auf einer zum Buch passenden CD erscheinen werden.
...
So ist dieses Buch für alle Freunde der unheimlichen Literatur wärmstens zu empfehlen.

Kirstin Tanger (Kirstin Tanger auf sf-fantasy.de)

Ich habe relativ lange gebraucht, um es zu lesen - aber das lag nicht etwa daran, dass es mir nicht gefallen hätte, ganz im Gegenteil! Es lag eher daran, dass jede einzelne dieser Geschichten ein wenig Zeit wollte, um verdaut zu werden - sofort die nächste hinterher zu lesen wäre irgendwie falsch gewesen (und außerdem passte die Länge der Geschichten so gut zu 20 Minuten Fahrrad-Ergometer in der Mucki-Bude...)

Meine Meinung kurz zusammengefasst: ich mag dieses Buch. Nein, eigentlich stimmt das nicht - ich liebe es! Ju hat eine unvergleichliche Art, den Finger auf den dunkelsten Punkt der menschlichen Psyche zu legen, verbunden mit hin und wieder etwas Übersinnlichkeit oder futuristischer Technik - eine Kombination, die es einfach nur in sich hat. Dazu kommt eine hervorragende Beobachtungsgabe und die Fähigkeit, Typen zu beschreiben und zu charakterisieren, so dass man sofort einen entsprechenden Typ aus der weiteren Bekanntschaft vor Augen hat und sich sagt: Ja. Kenne ich. Passt. Wirklich beschreiben kann ich es nicht, aber ich kann jedem, der böse kleine Geschichten mag, dieses Buch nur wärmstens empfehlen! Jetzt habe ich es meinem Gatten auf's Auge gedrückt und bin sehr gespannt - eigentlich müsste es genau seinen Geschmack treffen... *g*
Lisande (Lisande auf sf-fantasy.de)

From the Publisher:

Nach dem Tode verlässt die Seele den Körper - glauben wir zumindest. Raucher kennen das Risiko, das sie eingehen. Richtig? Neuerungen erreichen auch den ältesten Wald - irgendwann. Fremde Welten sind oft anders, als man erwartet, und ein Erstkontakt ist immer gefährlich. Die 17 Geschichten von Ju Honisch haben eins gemeinsam: Das Normale ist es, das sich sanft und plötzlich als anormal entpuppt und den Leser frösteln lässt.

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Honisch, Ju
Verlag: Berlin : Hexentorverl. (2007)
ISBN 10: 393988202X ISBN 13: 9783939882022
Gebraucht Softcover Anzahl: 1
Anbieter
Versandantiquariat Behnke
(Stutensee, Deutschland)
Bewertung
[?]

Buchbeschreibung Berlin : Hexentorverl., 2007. Taschenbuch / geringe Gebrauchsspuren Zustand gut Sprache: Deutsch Gewicht in Gramm: 400. Artikel-Nr. 41793

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