Rent á Russian (Hamburger Abendblatt krimibibliothek) - Hardcover

Venske, Regula

 
9783939716907: Rent á Russian (Hamburger Abendblatt krimibibliothek)

Inhaltsangabe

Es ist Sommer in Hamburg, die Hitze lässt die Gefühle brodeln. Und sie manchmal ein wenig außer Kontrolle geraten. Da ist Vera, die unzufrieden ist mit ihrem Ehemann, eigentlich mit ihrem ganzen Familienalltag. So hat sie sich ihr Leben nicht vorgestellt. Zunehmend spinnt sie Gewaltfantasien. Ihre Freundin Renate hingegen ist seit Langem in Veras Gatten Hermann verschossen, einen recht langweiligen Typ. Und Renate spielt gern mit dem Feuer in diesem heißen Sommer. Sie ist wie Vera auch ein eher neurotischer Charakter. Als Jurij auftaucht, spielen die Gefühle aller Beteiligten verrückt. Jurij ist der Lover, der die Hamburger Damenwelt aufmischt. Nicht ohne weitreichende Folgen: Am Ende gibt es einen Toten. Zuvor aber mussten in diesem dritten Teil von Regula Venskes kriminalistischer 'Windel-Trilogie' bereits zehn Entenküken sterben …

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Auf der Uhlenhorst lässt sich’s gut leben – zur Idylle gehören großzügige Altbauwohnungen, die Alster mit ihren Kanälen, Kitas und Kinderboutiquen, Stammrestaurants um die Ecke. Selbst das kleine Verbrechen gehört hier so beiläufig boshaft zum Alltag wie der bürgerliche Lebensstil, der vieles aushält: die Geliebte neben der Ehefrau bei SPD-Arbeitswochenenden, den Exhibitionismus auf dem Balkon zum Kanal, das frustrierte Liebesleben einiger Singles und deren Versuche, es auch im Gefühlsleben heimeliger zu haben. Das haben vor allem zwei Frauen vor: Vera, die von den Eskapaden ihres Mannes bei allen möglichen Parteikonferenzen kaum noch genervt ist, sondern insgeheim über den Ausbruch aus Langeweile und Kindererziehung nachdenkt. Was sie nicht weiß: Sie wird beobachtet von einem Mann, den sie Jahre zuvor in Moskau getroffen hat. Über eine Veränderung in ihrem Leben denkt auch Renate nach, Veras beste Freundin und erfolgreiche Anwältin, die auf ihrem Weg nach oben viele Kerle hat ziehen lassen und noch immer auf der Suche nach Mr. Right ist. Sie antwortet in dem heißen Sommer, in dem 'Rent a Russian' spielt, auf eine Kontaktanzeige. Mit Renates Erkenntnis, dass die beiden Freundinnen mehr gemeinsam haben, als sie ahnen, nimmt eine quirlige Krimikomödie ihren Lauf, in der man viel lernen kann darüber, dass man sich als Amateur Gesetzesbrecher nie zu viele Gedanken machen kann. Denn was als erhitztes Spiel mit alternativen Lebensmöglichkeiten beginnt, erweist sich als Ausgangspunkt einer Kindesentführung und eines unvollendet genialen Mordplans. Mit diabolischer Freude lässt Regula Venske ihre Figuren in den Sumpf der bösen Gedanken abrutschen. Am Ende ist der Falsche tot, den es aber auch nicht wirklich ungerecht getroff en hat. Es sind vor allem zwei Zutaten, die Regula Venskes Uhlenhorst-Krimi lesenswert machen: zum einen ganz viel Lokalkolorit, in das die Handlung liebevoll, aber mit vielen giftig-süßen Bemerkungen eingebettet wird. Sie zeichnet das Bild eines sehr hamburgischen Stadtteils. Und zum anderen eine gehörige Portion Sozialsatire mit vielen kleinen boshaft en Beobachtungen. Ihre Uhlenhorster sind vor allem damit beschäftigt, dass beim Verzehr ihres Teils vom Wohlstandskuchen der Genuss nicht zu kurz kommt. Und der ist vielfach gefährdet: durch Eheroutine, durchs Kinderkriegen, durch eigene Ängstlichkeiten, durch die vielen Anstrengungen, das Gesicht nicht zu verlieren. 'Auf der Uhlenhorst, da setzt sich eine Mutter selbst ins Laufställchen, um so vor ihrem Krabbelkind geschützt ungestört Cello zu üben.' Weil sie 'auf keinen Fall den natürlichen Bewegungsdrang ihres Kleinen behindern möchte'. Wen wundert’s, dass hinter der Fassade die Lust am Befreiungsschlag wächst, dass mörderische Gedankenspiele in der Luft liegen und panikartige Ängste vor deren Entdeckung für irrwitzige Volten sorgen. Es ist das Spiel mit der Erkenntnis, wie dünn und durchlässig die Trennwand ist, die die sonnigen Liegewiesen des vermeintlich Guten von den finsteren Abgründen des mutmaßlich Bösen teilt. Beides steckt in jedem Menschen, vom Taschendieb über den Spanner am Kanal bis zur enttäuschten Geliebten, vom kleinen Vandalen bis zum Emigranten auf der Suche nach einem Ruhepunkt im Leben. Venskes Kunst in 'Rent a Russian' ist es, beides das Buch hindurch in einer leicht, heiter und ungezwungen wirkenden Balance zu halten.

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